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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 92)

 
Franz Windisch-Gruetz 
DAS JAGDHAUS HOCHREITH - 
ZUR STILANALYSE DER RÄUME 
VON JOSEF HOFFMANN 
Als sich die führenden Künstler der neuen Rich- 
tung um die Jahrhundertwende gegen den Histo- 
rismus wandten, den sie als „Maskentaumel"' be- 
zeichneten und auf das schärfste ablehnten, über- 
sahen sie. daß diese von ihnen so verachtete Ein- 
stellung einst selbst als Reformbewegung begonnen 
hatte. Träger dieser aus dem Formenschatz der 
großen Stile der Vergangenheit schöptenden Kunst- 
auffassung war das damals auf breiter Front zu 
Einfluß und Reichtum gelangte Bürgertum. tm 
Vollgetuhl ihrer Position empfand sich diese 
Gesellschaftsschicht als eine neue Aristokratie. Sie 
erachtete daher für die Neutormung ihres Milieus 
jene nachmittelalterlichen Stile als vorbildlich, die 
als Höhepunkt adeliger. feudaier Lebensart gal- 
ten. Gerade diese Einstellung erregte den Zorn 
der Jungen Generation. die daraufhin mit der ihr 
eigenen Härte gegenüber den Leistungen der 
unmittelbaren Vorgänger die ganze Epoche als 
parvenühaft verurteilte. 
,.Der Bürger von heute", so heißt es im Arbeits- 
programm der Wiener Werkstätte? ..ebenso wie 
der Arbeiter, müssen den Stolz besitzen, ihres 
Wertes voll bewiißl zu sein, und dürfen nicht mit 
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ganz gerecht zu werden . . . Solange nicht unsere 
Städte, unsere Häuser, unsere Räume, unsere 
Schranke, unsere Geräte  in schlichter, ein- 
facher und schöner Art den Geist unserer eigenen 
Zeit versinnbildlichen, sind wir unendlich weit 
gegen unsere Vorfahren zurück, und keine Lüge 
kann uns über alle diese Schwächen täuschen." 
Damit tritt ein neucirtig revolutionärer Aspekt auf. 
und im Text klingen sozialkritische Tendenzen 
an. Daneben steht gleichbedeutend die Forderung 
nach zeitgemäßen Formen, was Hoffmann damit 
begründet. daB er es als das höchste Gut des 
Menschen bezeichnet, .,selbst etwas zu wollen und 
selbst etwas Neues und Eigenes zu schaffen"? 
Man will sich zwar, was die Qualität der eigenen 
Arbeit betrifft, mit den besten Leistungen vergan- 
gener Jahrhunderte messen, im Formaten aber die 
Kontinuität unerbittlich abbrechen. Revolutionäres 
Aufbegehren und Wunsch nach Schönheit ver- 
binden sich trotz aller Schwierigkeiten, die den 
jungen Künstlern im Wege stehen, zu einer Grund- 
stimmung des Optimismus, den Hoffmann in 
folgende Worte kleidet: "Wenn wir wieder be- 
ginnen, uns mit Schönheit zu umgeben - mit 
selbstbewußter Schönheit. nicht mit erborgter. 
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