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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 92)

BUCHBESPRECHUNGEN 
Alfred Murks. Oberösterreich in altert An- 
sichten. Siedlung und Landschatt in 340 Bil- 
dern vom späten Mittelalter bis zur Mitte des 
19. Jahrhunderts. Photographische Mitarbeit: 
Max Eierxebner. Herausgegeben vom 
Oberösterreichischen Landesmuseum 
im Oberästerreichischen Landesver- 
tag. 200 Seiten. 40 Textabbildungen. 
XXVIII Farbtafeln. 272 Abbildungen 
in eigenem Tafelteil. Albumforrnat. 
Leinen 
Alfred Marks. Kustos am Oberösterreichischen 
Landesmuseum, hat im Verlauf der letzten 
Jahrzehnte die graphischen Bestände dieser 
bedeutenden Sammlung gesichtet und ge- 
ordnet und legt nun eine Auswahl aus den 
rund SOOO Blättern vor. die sich mit der 
Topographie des Landes Oberösterreich be- 
fassen. Ergänzt wird seine Selektion durch 
reichliche Herbeiziehung von Material aus 
in- und ausländischen Sammlungen sowie aus 
Privatbesitz. 
Der Aufbau des Bildteils des nunmehr vor- 
liegenden. bestens ausgestatteten Bandes ist 
chronologisch, der einleitende Text handelt 
auf 64 Seiten die Geschichte der Entwicklung 
von Orts- und Landschaftsansichten aus 
Oberösterreich ab. wobei die Lokat- und 
Regionalentwicklung stets eingebettet bleibt 
in die Geschichte des allgemeinen Ablaufs 
dieser speziellen Sparte des Kunstschaffens. 
Das lnteräse am Landschafts- und Städtebild 
geht im wesentlichen ins 15. Jahrhundert zu- 
rück. in die Zeit also. die nach Jacob Burck- 
hardt "die Entdeckung der Welt und des 
Menschen" brachte. Die älteste topographi- 
sche Ansicht. die Marks uns vorstellt. ist aller- 
dings bereits ein Produkt ds 14. Jahr- 
hunderts. sie lst dem Urbar des Stiftes Baum- 
gartenberg aus der Zeit um 1335 entnom- 
men und zeigt eine stark stilisierte. noch 
durchaus "idealistische" Ansicht der Kirche 
jenes Stiftes. gehalten vom Stifterehepaar 
Otto und Jeuto von Machtand. 
Die erste große Zeit der Landschaftsdarstel- 
lung isl für Oberösterreich im besonderen 
mit dem Aufblühen der Donauschule gekom- 
men; Wolf Huber und Albrecht Altdorfer 
haben in Altartafeln. aber auch in Hand- 
zeichnungen die ersten wirklich spontanen. 
von romantisch-pantheistischem Geist durch- 
wehten Ansichten des Landes ab der Enns ge- 
staltet. Etwa gleichzeitig mit diesen Künstlern 
treten die iapagraphen im engeren Sinne 
des Wortes auf den Plan. also die Leute. die 
aus der Freude an der "Entdeckung der 
Welt" ihren Mitmenschen kundmachen wol- 
len. wie es anderswo aussieht. Die 1493 iri 
Nürnberg erschienene. Van Wolgemut und 
Plevdenwurff illustrierte Weltchronik des 
Hartmann Schedel steht hier am Anfang. 
gefolgt 1544 von der in Basel erstmals er- 
schienen Kasmographie Van Sebastian Mün- 
s er. 
Eine erste Hochblüle der Kasmagraphle ist 
mit dem sechsbündigen Werk ..Civitates 
orbis terrarum" (157271617) erreicht. das 
Van Braun und Hogenberg herausgegeben 
wurde. Wichtigster Mitarbeiter war Georg 
Hoefnagel. dessen Ansicht von Linz nach 
dem bekannten Gemälde des Lucas van 
Valckenbarch heute nach unter den Stadt- 
bildern älterer Zeit einen Rang hoher Be- 
liebthe innimmt. Matthäus Merian gab seit 
1642 in insgesamt 31 Bänden eine 2142 Kup- 
ferstiche umfassende allgemeine Topographie 
heraus. die im Gegensatz zu den oft noch 
reichlich phantastisch-unkritischen Ansichten 
des 1a. Jahrhunderts Vam Streben nach größ- 
ter Akribie getragen ist. Zahlreiche - oder 
soll man sagen: zahllose? s Nachsliche aus 
der Folgezeit bezeugen die Beliebtheit dieser 
Monumentalpublikation. belegen aber gleich- 
zeitig den immer noch reichlich unkritisch- 
gutglaubigen Geist der Zeitgenossen. die 
längst Veraltetzs immer noch für bare Münze 
nahmen. Auf eine Einzelherrschaft in Ober- 
österreich ist die 1656 bei Caspar Merian 
erschienene ..Tppagraphle Windhagiana" 
bezogen, die 1673 in erweiterter Auflage 
herauskam. Von besonderer Bedeutung für 
Oberösterreich ist das Werk des Kartogra- 
phen Georg Matthäus Vlscher. dessen ..Archi- 
ducalus Austriae Superioris geographica 
descrlptio facto anno 1667" erst 1674 er- 
scheinen konnte. Das Werk erlebte unter 
Verwendung der originalen Kupferplatten 
1923 eine Varlaung letzte Neuauflage. Für 
Oberösterreich von großer Bedeutung ist die 
1711 erschienene bayrische Topographie des 
Michael Wenig. die zahlreiche Ansichten 
jener Ortschaften enthält. die 1779 an Öster- 
reich fielen (lnnvieriet). Marks machte sich 
die Mühe. diese Stichfolge hinsichtlich der 
modernen Schreibweise der Orlsnameri 
ebenso aufzuschlüsseln wie das Werk Vischers. 
Einzelleistungen des 17. und 1B. Jahrhunderts 
ergänzen die topographischen Publikationen. 
Ortsansichlen gibt es auf Altar- und Votiv- 
bildern. in "Roteln" (Totenbucher der Kloster 
und Stifte). als Beilage zu Planen. Kauf- 
verträgen. Rechlsurkunden aller Art. aber 
auch auf Festesdarstellungen und Porträts. 
Eine entscheidende, radikale Wendung bringt 
das frühe 19. Jahrhundert: 1767 wird an der 
Wiener Akademie eine schule für Land- 
schaftsmaterei begründet. die diesem in 
Österreich bisher kaum beheimateten Genre 
zum Durchbruch Verhilit. Die von Senetelder 
erfundene Lithographie und der um 1920 
entstandene Stahlstich bieten Vpm rein Tech- 
ntschen her alle Möglichkeiten eines Massen- 
medlarns. das ein ideales Werkzeug in den 
Händen romantischen Ndlurempnndens unter 
dem Vorzeichen des Willens zu möglichst 
ariginalgeireuem Nachschaffen wird. Nun- 
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mehr erfolgt die Entdeckung des Salzkamme - 
gutes als des lnbegriffs ..pittoresker" Schö - 
heit. Jakob Schmutzer war Vater des neuen 
Genres. das den bis tief ins 18Jahrhundert 
lebendig gebliebenen Geist der Naivität. der 
Verwischung Van Faktischem und imaginä- 
rem. aus der Kunst der Topographie ver- 
drängte. Waldmüller. Franz und Wilhelm 
Steinfeld. Jakob. Franz und Rudolf V. All 
waren neben zahllosen kleineren Namen 
Hauptmeister der Landschaftsdarstellung in 
Oberösterreich. Thomas Ender schuf ein 
reizvolles ..lschel"(sicl)-Album. aber auch 
ausländische Künstler. wie etwa Carl Fried- 
rich Schinkel. begeisterten sich an den Schö - 
heiten des Salzkammergules. Die lithagra- 
phischen Offlzinen in Oberösterreich allen 
voran die Hafner'sche. trugen dazu bei. die 
Kenntnis des Landes in aller Welt zu ver- 
breiten. Sogar die Napoleonischen Kriege 
leisteten in dieser Hinsicht positive Beitrage: 
Alexandre Louis Camte de Labarde (1774 
bis 1342) brachte im Verein mit mehreren 
österreichischen Künstlern (Gauermann. 
Jaschke, Firinger) die ..Voyage pittoresque 
en Autriche" heraus (erschienen 1821 in 
Paris). der sich 1822 eine Darstellung des 
Krieges Van 1809 hinzugesellte. - 
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erliegt 
die künstlerische Darstellung von Landschaf- 
ten und Stüdteonsichten der mechanischen 
Wiedergabe durch die Photographie: ein 
blühendes Genre hatte ein ziemlich unvorher- 
gesehens. plötzliches Ende gefunden. - 
Dos Marks'sche Werk ist mit aller nur er- 
denklichen Gründlichkeit und Sachlichkeit 
gearbeitet. Weit entfernt davon. eine der seit 
wenigen Jahren so beliebten romantisieren- 
den Sammelsurien und Pseudoanthologien 
alter Landschafts- und Ortsclnsichten zu sein. 
stellt der Autor mit Bedacht und unter völliger 
Hintanstellung persönlichen Ehrgeizes dievon 
ihm getroffene Auswahl vor. So wird das 
Buch zum Musterbeispiel für den heute 
immer seltener werdenden Dienst an einer 
Sache um ihrer selbst willen. 
Ernst Köller 
Kunst unserer Zeit: Malerei und Plastik. 
Herausgegeben Van Will Grohmann. 
Verlag M. DuMontvSchaubcrg. Köln. 
Einen summarischen Uberblick über Stile. 
Tendenzen und Möglichkeiten der bildenden 
Kunst von heute zu geben. ist ein legitimes 
Anliegen. das trotz der zahlreichen Kunst- 
bücher und Kunslbilderbüctier. die heute am 
Markt sind. in Abständen von einigen Jahren 
durch die gerade auf diesem Sektor kultu- 
rellen Geschehens so besonders rasche Ent- 
wicklung gefordert und gerechtfertigt wird. 
Mit dem von dem bekannten Kunstexperten 
und Publizisten Will Grohmann redigierten 
Werk ..Kunst unserer Zeit" legt der ange- 
sehene Kölner Verlag einen hinsichtlich In- 
halt und Ausstattung respektablen Band vor. 
der die in ein derartiges Bemühen gesetzten 
Erwartungen .m großen und ganzen eriüllt. 
Trotz niedrigen Verkaufspreises enthält das 
332 Seiten starke. als informatives Standard- 
werk mit Einschränkungen zu bezeichnende 
Buch nicht weniger als 132 durchwegs ge- 
lungene Farb- und 334 Schwarzweiüabbil- 
durlgen von meist neueren Werken der für 
die einzelnen Länder repräsentativen Maler 
und Bildhauer. Sieht man von Ausstellungs- 
katalogen und Zeitschriften ab. so dürfte es 
im deutschen Sprachraum derzeit kein 
zweites Werk geben. das im Hinblick auf 
Bild und Text in ähnlicher Weise dem neue- 
sten Stand entspricht. (EingenauesAbbildungS- 
Verzeichnis. Besitzerangaben und der nicht 
weniger notwendige Namensinclex unter- 
stützen seine praktische Handhabung.) 
Für den weitgesteckten. die moderne Kunst 
der gesamten Welt umfassenden Situations- 
bericht. gelang es Grohmann. prominente 
Mitautoren zu gewinnen. Sie alle hier zu 
nennen und ihre wichtigsten Erkenntnisse 
auch nur stichwortartig wiederzugeben. 
würde freilich den Umfang einer 
derartigen Buchbesprechung bei weitem 
überschreiten. Trotzdem seien Hinweise auf 
Namen wie Sam Hunter ("Amerika"). Nello 
Ponente ("Italien"), Yoshiaki Tono (. apa- 
nische Kunst heute"). Alain Jouffroy 
internationale Avantgarde von Pari 
zaran Krzisnik. der einen Abrirt der jüngsten 
Entwicklung der bildenden Kunst Jugo- 
slawiens gibt. gestattet. 
Der bereits weiter oben gemachte Einwand 
unddie damitnotwendige Kritik beziehen sich 
aufdas von Grohmann selbst verfaßte Kapitel 
mit dem Titel "Deutschland. Osterreich. 
Schweiz". Ohne stichhaltigen Grund faßt 
der Autor die Kunst der drei Länddr zusam- 
men. was nicht nur aus nationalen Prestige- 
gründen (die dem Rezensenten allerdings 
fernliegen) zu bemangeln wäre, sondern Var 
allem deshalb. weil sich Grohmann durch 
diese Zusammenlegung und Vermengung 
auf engstem Raum von Varrteherein der 
Möglichkeit einer entwicklungsgeschichtlich 
fundierten und die Schwerpunkte richtig 
setzenden Analyse weitestgehend beraubt. 
Die dem Autor eher oberflächlich und frag- 
mentarisch bekannte bildende Kunst Oster- 
reichs wird in seiner Abhandlung somit zu 
einem Ableger der deutschen. was sachlich 
nicht stimmt. (So scheinen z. B. bei den 
Schwarzweißabbitdungen Stenvert. Hofleh- 
ner. VVotrubct. Rainer. Fuchs und Brauer in 
der Rubrik ..Deutschland" auf.) 
Neben den Genannten berücksichtigt Groh- 
mann außerdem Hundertwasser. Hausner 
und Prachenskv im Text und mit Farbtafeln 
(letzteren sogar am Umschlag!) sowie Mikt. 
 
Hallegha, Lehmden. Hutter und - als 
Lehrer - Hanak und Gütersloh. 
Das Bild. das dem Leser somit von der iün- 
geren Kunstentwicklung in Österreich ge- 
geben wird (falls man die diesbezüglichen 
kurzen Ausführungen Oberhaupt so bezeich- 
nen will). ist nicht nur unvollständig und ver- 
wirrend. sondern auch viel zuwenig auf ent- 
wickllmgsgeschichtltche Umstände und lokale 
Zusammenhänge bedacht. Bei einer Neu- 
auflage des an sich wertvollen Buches wird 
man daher -- wenn es möglich war. Israel 
oder der Tschechoslowakei eigene Kapitel 
zu widmen - nicht umhin kännen. die beiden 
Beiträge über Österreich und die Schweiz 
von anderen und kampetenteren Autoren 
neu schreiben zu lassen (wie wäre es im 
Hinblick auf unser Land mit Werner Hof- 
mann. Kristian Sotriffer. Alfred Schmeller 
oder Otto Breichal) und auch im Abbildungs- 
teil die entsprechenden Korrekturen vorzu- 
nehmen. Peter Baum 
Faul Vogt. Erich Heckel. Verlag Aurel 
Bongers. Recklinghausen 1965. 315 
Selten. 75 Tafeln. davon 24 farbig. 
eo Abbildungen nach Druckgraphi- 
ken. Werkkatalag mit 756 Abbildun- 
gen 
Die kunsthlstorische Aufarbeitung und Samm- 
lung des Expressionismus schreitet fort. nicht 
ganz ohne bedenkliche Erscheinungen. Erich 
Heckel. dem bedeutenden Maler der 
..Brücke". hat Vogt eine sorgfältig ausge- 
stattete Monographie gewidmet. Der Ver- 
fasser unternimmt es. wie mir scheint. ohne 
Uberzeugungskraft. nachzuweisen. doß Hek- 
kel. der ja noch lebt. bis zum heutigen Tag 
"schöpferisch" tätig ist. Der Kunsthistoriker 
will also nachweisen. daß die Entwicklung 
des Malers bruchtos zum Spütwerk geführt 
hat. welches Vogt in mancher Hinsicht hoher 
stellt als die Werke der "genlalischen" 
Jugend. Es scheint ihm eine höhere Stufe der 
"Vergeistigung" erreicht zu haben. Da sich 
das Buch vornehmlich an die Kreise wendet. 
für die der Expressionismus schlechthin mit 
der Moderne identisch ist. werden wohl nur 
wenige Leser bemerken. wie harmonisierend 
die tragische Geschichte dieser deutschen 
Jugendbewegung geglättet wird. Das Zwic- 
spältige an solcher Hagiographie ist die 
distanzlose und so gulgemeinte Verehrung. 
die den inneren Bruch und die tragische 
Diskontinuität (die ja nicht erst durch den 
braunen Mardstaat verursacht wurde) hin- 
wegdisputiert. Vogt beschreibt mit Genauig- 
keit die Veränderung im Werk des Malers. 
gibt aber dem Leser keine Rechenschaft dar- 
über. wie sich der Prozel] im Inneren ab- 
spielt - so als ab alles seiner "Vollendung" 
erttgegenginge. Die Institutionalisierung der 
Revolte ist dem Expressionismus nicht gelun- 
gen. das Werk Heckels zeigt deutlich die 
melancholische Unverbindllchkeit und Gleich- 
schaltung. der sich viele Künstler verschrie- 
ben. um sich selbst vor der Verantwortung 
Var ihrer eigenen Jugend zu entziehen. Was 
damals ein wütendes Umwerfen war. wird 
heute begütigend als Basis des Spätwerkes 
mißdeutel. Eine verständige Geschichte dieser 
Maler müßte zeigen. wie sie sich mit dem 
magischen Kreis. in dem sie sich befanden. 
auseinandersetzten. Es ist ja deutlich zu sehen. 
daB dieser Kunst 1914 1919 das Rückgrat 
gebrochen wurde. Vogt weiß sehr wohl. und 
sagt es auch verklausuliert. daß der feurige 
Eros der Frühzeit einer schnellen Vergreisung 
wich. Die ..Spätphase des Expressionismus" 
ist seine Musealisierung! Den Autor hindert 
sein Enlschlul). aus einer außerordentlich 
schöpferischen Phase ein ebensolches Werk 
zu machen. die traurigen Resultate der letzten 
Vierzig Jahre zur Kenntnis zu nehmen. Aber 
gerade aus den Brüchen und dem Zwang. 
sich selbst zu wiederholen. wäre doch sehr 
viel zu lernen. Autor und Verleger befinden 
sich da in einer doppelten Zwangslage. Der 
Künstler. der noch am Leben ist. will in seiner 
begreiflichen Angst zur Gänze ernstgenom- 
men werden. Auf der anderen Seite ist der 
Expressionismus im Publikumsgeschmack ein- 
gesorgt. Das Publikum erwartet sich vDrl den 
Verlegern. daß sie drucken lassen. was seine 
Entscheidungen sanktioniert. Denn die Tat- 
sache. dail der Expressionismus noch immer 
so ..aktuell" ist. was ihm una der wissen- 
schaftllchen Erkenntnis nicht gut bekommt. 
erklärt sich daraus. daß die Hoffnungen der 
Blütezeit dieser Bewegung. knapp vor dem 
ersten Teil des Weltkriegs. keineswegs ln 
Erfüllung gegangen sind. Die Revolution ist 
gescheitert. die Befreiung ausgeblieben. in 
diesem tragischen Faktum begegnen sich die 
Biographie der Maler. die in der sich selbst 
kopierenden Fixierung endeten. und die Vor- 
liebe des Publikums. das von der Kunst ver- 
langt. was es selbst nicht zu leisten gewillt isl. 
Aus diesem Grund bleibt leider die Geschic s- 
schreibung hinter den Erwartungen zuru k. 
die man in sie setzen müllle. Diesem allge- 
meinen Zustand verdankt auch das vor- 
liegende. schone und verdienstvolle Buch 
(das Werkverzeichnis ist die Grundlage iedcr 
ernsthaften Beschäftigung mit Erich Heckel) 
die merkwürdige Unentschiedenheit zwischen 
Verdeckung und Darstellung. 
Otto Graf 
Helga von Haintzl. Da: Bildnis der Sappho. 
4B Seiten und 16 Schwarzwelßtafeln. 
Bei Florian Kupferberg. Mainz und 
Berlin. 1966. Leinen DM 32.- 
Hinler dem so bestimmt klingenden Titel 
verbirgt sich ein viel tiefer reichendes Pro- 
blem. ln dem nicht sehr umfangreichen. aber 
nobel ausgestatteten Band geht Helga VC 
Heintze aufnichts weniger ein alsdie Möglicl 
keit. das Porträt einer historischen Persöl 
llchkeit aus literarischen Quellen und pos 
humen ldealbildntssen zu gewinnen. 
Wie die griechische Dichterin wirklich au 
gesehen hat. isl in der Geschichte. die zu ihri 
Lebenszeit das nBildnis" nicht kannte. Ve 
schlossen. wie sie ausgesehen haben wird. i 
Thema des Buches. Zwei Funde aus iüngeri 
Zeit sind Ausgangspunkte der untersuchun. 
Eine msüpbho" bezeichnete Büste unb. 
stlmmter Herkunft und eine aus dem griech 
schert Meer bei Plräus gewonnene Stalu 
die die Verfasserin durch exakte Motiv- ur 
Stilvergleiche ebenfalls als Darstellung d. 
Dichterin iaantinziaren kann. Es ist erstaul 
iich. wieviel für das Ergebnis allein aus d. 
genauen archäologischen Beschreibung g. 
wonnen werden kann. Mit weiteren St. 
vergleichen und der Berücksichtigung Schrit 
licher Uberlieferungen ldrtt sich auch d. 
Künstler nennen. der für die Statue - odi 
zumindest für das unmittelbare Vorbild 
als Autor in Frage kommt: Stlanion. 
Helga Van Heintze gebraucht dle archa. 
logische Methode ohne iemals den krii 
schert Abstand zu Verlieren. der bei Schlul 
folgerungen auf so wenig gesichertem Gebi 
geboten tst. Sie gibt damit ein vorbildlich 
Beispiel. dem Leser keine Pseudosicherhe 
vorzugaukeln und dem Fachmann mit eine 
umfangreichen Anmerkungsteil das et. 
schlägige Material vorzulegen. (Allerdtn. 
nur diesem. denn Sie verwendet die fac. 
üblichen Abkürzungen. ohne einen er 
sprechenden Schlüssel beizustellen - ur 
welcher auch noch so interessierte Laie we 
schon. daß mit LlN ein Fundbericht d. 
London lllustrated News zitiert wird z) 
Im zweiten Teil des Buches. dem Umfar 
nach kleiner, dem Gehalt nach jedoch ur 
fassender. geht die Verfasserin auf die Fr. 
blematik des posthumen "Blldnisses" ei 
saapha lebte um soo V.Cl'tt'.. zweihunde 
Jahre später entstanden ihre ldeatbildniss 
Wie solche Vorstetlungsbilder aus älter: 
Schriftquellen und der Interpretation Ct 
dichterischen Werkes entstehen. und well 
hohen Grad Van zumindest typologisch. 
Wahrscheinlichkeit sie erreichen könne 
führt Frau VOn Heintze exemplarisch Va 
Und damit wird das Buch wett über d. 
engeren Fachkreis für alle historisch. liter- 
risch. philologlsch und künstlerisch lnte 
essierten wichtig. Heribert l-lutt. 
Museum der bildenden Künste in Budape: 
Spanische Meiner. Von Marianne t-larm 
Takdcs. Corvina Verlag. Budapest 
Im Zuge der breitangelegten kulturelli 
Werbearbelt. die Van sdmtlichen oststaat. 
seit Jahren geleistet wird. legt nunmehr d 
Museum der bildenden Künste in Budaps 
einen aulierst interessanten Bildband VC 
der sich auf die in Europa fast einzig d 
stehende Sammlung Van Gemälden spanisch. 
Meister des 15. bis 19. Jahrhunderts beziet 
Wenn man bedenkt. dart Budapest nic 
weniger als sieben Grecas und eine sta 
llche Reihe Van Goyas besitzt. wird eine 
allein schon aus diesem Hinweis Bedeutur 
und Rang dieser Sammlung klar. Dali nebi 
zurbaran. Velazquez und Murlllo au. 
weniger bekannte. aber nicht wenig. 
wichtige Meister Vertreten sind. ist beinal 
selbstverstandllch. 
Der nunmehr vorliegende. mit 4a größte 
tells gut gelungenen Farbtafeln geschmück 
Bildband wird Van einer Einleitung b 
gleitet. in der zunächst kurz die Entstehul 
der spanischen Abteilung der Budapest 
Kollektion geschildert wird. während i 
Anschiult eine knappe. durchaus nicht n. 
auf dem Budaoester Material aufgebau 
Schilderung der Entwicklung und Stellul 
der spanischen Malerei folgt: die ausfuh 
lichen Bildkommentare greifen bereits w. 
über das Niveau populärwissenschaftlichl 
Einführungen hinaus und nähern sich 
der Diskussion der Zuschreibungs- und B 
stimmungsfragen bereits sehr dem stdnddr. 
niveau eines voll ausgebauten catalag. 
raisanne an. 
Jedenfalls regt der Bildband entschieden 
einem Besuch des Budaoester Museums a 
Grecos ..Chrlstus am Ölberg". das wa 
lrrealsle Bild des c "echen aus Toledo. d 
..Bauern beim Mahl' Van Velazquez. Zu 
barans ..Hl. Andreas" und Goyos berührr 
"Wosserlrägerln" alleine rechtfertigen et. 
derartige Fahrt. 
Ernst Köll 
EINGELANGTE BÜCHER 
Aus dem Verlag Bohlau's Nachfolger, Wi. 
Ernst Guldan. Eva und Maria - Eine An 
these als Blldmaliv. 376 Selten. 196 Ab. 
1 Farbtafel. Leinen. 1966. S880.- 
Raberl Fleischer. Antike Bronzstatuetten a 
Carnunturn. S8 Seiten. 94 Abb. auf 32 Tafe! 
brosch.. 1967. S 9B.- 
Heribert Hutter. Zwischen den Zeilen. B0 S. 
ten mit 32 Bildtafeln. davon 16 Farbtafe 
5 Text-Illustrationen. Pappband. 1967, B! 
der Rosenbaum. Wien. S 96.-
	        

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