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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 93)

Herstellung von Tonfolgen und Texten mit elek- 
tronischen Rechenanlagen. 
Digitale Rechenanlagen zur Erzeugung von Musik 
wurden schon vor längerer Zeit eingesetzt: 
Hiller und lsaacson. llliacsuite für Streichquartett 
1957 
Xenakis. STl10 1962 
Hiller und Backer, Computer Kantate 1963 
Die Reihe ließe sich noch fortsetzen. Es existieren 
auch Schollplattenaufnahmen. zum Beispiel die 
Brunswick-Schallplatte LAT 8523 (.,Music from 
Mathematics, played by IBM 7090 Computer and 
Digital to Sound Transducer")'. Diese Platte ist 
sehr informativ. Sie besteht aus einer Reihe von 
Lehrbeispielen. die die Möglichkeiten des Einsatzes 
einer Rechenanlage auf musikalischem Gebiet 
erläutern; darunter sind auch programmierte 
Computerstimmen.DieMeinung.daßderComputer 
Musik macht und der Mensch nur mehr Zureich- 
dienste leistet, ist noch immer sehr verbreitet. 
Die Rechenanlage kann in der Hand eines guten 
Komponisten zu einem mächtigen Werkzeug 
werden - den schöpferischen Menschen kann 
der Computer nicht ersetzen. 
Bei all diesen Debatten wird gewöhnlich noch 
etwas sehr Wesentliches übersehen. Bei der 
Camputermusik ist die Arbeitsteilung zwischen 
dem Komponisten und dem Interpreten bzw. 
Dirigenten aufgehoben, es entfällt auch die Rück- 
sichtnahme auf die Klangfarben und die manuelle 
Spielbarkeit der Instrumente. Unabhängig von 
Musikern und Dirigenten kann der Komponist 
seinem Werk unverrückbar die Ausführungsform 
geben, die er wünscht. 
Etwaige Befürchtungen. die Endstation der Com- 
putermusik sei das "Glasperlenspiel" im Sinne 
von Hermann Hesse oder bestenfalls die kristallinen 
Kompositionen des Leverkühn in .,Dr. Foustus" 
von Thomas Mann. sind unbegründet. Eine 
elektronische Rechenanlage gestattet nicht nur 
das Rechnen rnit Zahlen, sondern auch das Mani- 
pulieren mit sprachlichen Einheiten. Es ist möglich. 
die Maschine durch ein Programm anzuweisen. 
mit Hilfe eines eingegebenen Lexikons und einer 
Anzahl von syntaktischen Regeln Texte zu syn- 
thetisieren und auszugeben. Versuche dieser Art 
wurden schon vor einiger Zeit an der Technischen 
Hochschule in Stuttgart"' und an einigen ameri- 
kanischen lnstitutens gemacht. In Stuttgart: 
Th. Lutz. Stochastisch-Logische Texte 1960 
Max Bense, Texte 1960161 
1966 wurden solche Experimente auch im Deut- 
schen Rechenzentrum durch Gerhard Stickel 
unternommenß. (Monte-Carlo-Texte "Computer- 
dichtung"). Max Bense hat sich, von BirkhofP 
ausgehend, in seiner„Aesthetika"9eingehend mit 
der Theorie der Texte befaßt. 
Bense unterscheidet zwei mögliche Typen von 
Ästhetik: den Hegel'schen und den Galilei'schen 
Typus. 
Aus dem Galileiächen Typus hat sich, gestützt auf 
lnformationstheorie und Kommunikationsfor- 
schung, die moderne Ästhetik entwickelt. Eine 
gewisse Übersicht über dieses Gebiet gibt das 
Buch "Mathematik und Dichtung". Auf jeden 
Fall bietet die moderne Ästhetik hinreichende 
Kriterien, um sich ein Urteil über die Struktur- 
versuche der jüngeren Autoren mit stochastischen. 
konkreten, permutationellen und topologischen 
Schreibweisen zu bilden. 
Dasjüngste Kind der Entwicklung ist die Computer- 
graphik. Als am Recheninstitut der Technischen 
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