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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 93)

graphische Programmierung ist wie jede Pro- 
grammierung erst dann möglich. wenn genügend 
Kriterien vorhanden sind. die die Aufstellung 
eines Programms ermöglichen, 
Um zu solchen Kriterien zu gelangen. wird man 
um das Stadium des Experimentierens nicht herum- 
kommen. Da der cinematrische Film sehr kom- 
plexer Natur ist und schwierig zu programmieren, 
ist es zweckmäßig, vorerst mit einer Filmart zu 
beginnen, die streng genommen nicht zum cine- 
matrischen Film gehört. mit dem UV-Film. Der 
UV-Film, der mit bewegten Plexiglastiguren im 
ultravioletten Licht arbeitet, kommt von den 
bewegten Bereichen der Kunst" und ist die folge- 
richtige Weiterführung dieser Bereiche zum Film. 
Licht und Bewegung, Lichtplastik - vielleicht 
ein legitimer Erbe von Moholy-Nagy und der 
Gattung zugehörig: "Plastik - der Weg der 
Subtimierung des Materials von Masse zur Be- 
wegung" oder nach dem Tagebuch von Klee 
das Wandern „weißer Energie auf nächtlichem 
Grund"". 
Der eigentliche cinematrische Film, der mit 
polarisiertem Licht arbeitet, ist etwas ganz anderes. 
Charakteristisch ist das Serielle, die Fähigkeit, 
von einer nach gewissen Prinzipien gearbeiteten 
Komposition durch das bloße Drehen der Filter 
die vorgegebene Komposition zum Beispiel von 
Farbe zu Gegenfarbe durchzuspielen, wobei sich 
auch teilweise dieformale Struktur der Bilderdurch 
Auslöschungserscheinungen ändert. Man kann von 
einem Urbild, einer Matrize. eine Kette von 
seriellen Bildern erzeugen. Wenn man sich auf 
einige puristische Elemente festlegen will, ist 
sogar eine sehr weitgehende Notation möglich. 
Noch faszinierender ist der neueste cinematrische 
Film. der sich mit dreidimensionalen Objekten 
befaßt. Das Objekt. zum Beispiel eine mehrfarbige 
cinematrische Plastik, ändert seine Farben nicht 
nur bei Drehung des Filters, sondern auch bei 
jeder Eigenbewegung. 
Neben der Programmierung der Choreographie 
ist die Vertonung des Films von Bedeutung. Sie 
soll keine Untermalung der Bildabfolge sein. 
Hier eröffnet sich ein weites Feld für Experimente 
mit verbaler Musik, Montagen aus Autopoems 
(Computerdichtung), lexikalen Metaphern. syn- 
thetischer Sprache und fOrMusik und Klangzeichen 
von stochastischen Generatoren. 
Man könnte für derartige in Ton und Bewegung 
programmierte Filme die Sammelbezeichnung 
Computerfilm verwenden. 
Eine der Hauptaufgaben dieses Artikels ist es, für 
das Gebiet der Computergraphik eine Erstquelle 
zu schaffen. Jetzt ist es noch möglich, in direktem 
Kontakt das erste Material, die Anfänge, lückenlos 
zu dokumentieren. Die Ausweitung der Computer- 
graphik wurde nur angedeutet. 
In der Praxis sieht die Sache so aus, daß zwischen 
Wien. wo die Filmaufnahmen gemacht werden, 
dem Rechenzentrum der Technischen Hochschule 
Stuttgart (Choreographie) und dem Deutschen 
Rechenzentrum Darmstadt (Texte) Kontakte be- 
stehen und sich eine Zusammenarbeit entwickelt. 
An der Musik wird am Institut für Niederfrequenz 
der Technischen Hochschule Wien gearbeitet. 
interessant ist, daß man hier mit voller Absicht 
stochastische Generatoren einsetzt, die an sich 
nicht für Musikerzeugung gebaut wurden. Diese 
Apparate ergeben eigenartige Klangabfolgen. 
Zum Abschluß ist noch zu sagen. daß noch eine 
andere Art von Computertilm möglich wäre, die 
aber in keinem Zusammenhang mit der Computer- 
grophik steht. Wird an einen stochastischen Gene- 
rator ein Oszillagraph geschaltet, so entspricht 
jeder Klangabfolge eine Bildfolge. die genau im 
Takt mitschwingt. Die Bilder sind einfarbig. Diese 
Bild-Ton-Reihen sind programmierbar, da auch an 
die Rechenanlage ein Analogsichtgerat (Kathoden- 
slrahl-Oszillograph) angeschlossen werden kann.
	        

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