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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 93)

BUCHBESPRECHUNGEN 
Gottfried Semper, Wissenschaft. Industrie 
und Kunst und andere Schriften über Archi- 
tektur. Kunsthandwerk und Kunxtunterricttt. 
mit einem Aufsatz von Wilhelm Mralek. aus- 
gewählt und re rt von Hans M. Wingler. 
Neue Bauhaus . Neue Folge der von 
Walter Gropiu: und Lanlo MolioIy-Nagy 
begründeten "Bauhausbiicher". herausge- 
geben von Hans M. Wingler bei 
Florian Kupferberg. Mainz-Berlin. 
1966. 128 Selten und 51 Abbildungen. 
Kleine Schriften von Gottfried Semper in 
einer anziehenden. modernen Ausgabe mit 
einer höchst reizvollen Bildausstattung her- 
auszubringen. ist nicht nur dankenswert und 
verdienstvoll. sondern entspricht bereits 
einem wirklichen Bedürfnis. Je mehr der 
Horror vor der Architektur der Z. Hälfte des 
19. Jahrhunderts einem interessierten Stu- 
dium diser Epoche weicht. um so deutlicher 
steigt die imporlierende Figur des Künstlers 
und Theoretikers Semper empor. Die unab- 
weislictte Qualität seiner künstlerischen 
Leistung und das entwicklungsgeschichtliche 
Gewicht seiner Gedanken sichern Semper 
"Aktualität" auch für jene Perioden. die sich 
von ihm abwendeten. Dali die vorliegende 
Publikation der Reihe der Neuen Bauhaus- 
bücher angehört. zeigt. welcher Wandel in 
der Einstellung zu einer nüberwundenen" 
Periode erfolgt ist. Mdn erkennt nun. daß 
Sempers Forderungen nach den inneren 
Zusammenhängen VOtt Form und Mdteridl. 
die er seinen Kritiken an der Kunst- und 
Industrieproduktion seiner Zeit zugrunde 
legte. die Intentionen des Bauhauses voraus- 
ahnen lassen. Deutlich kommt bei seinen Ideen 
immer wiederdie Verankerungin der Roman- 
tik zum Vorschein. die bereits die nWahr- 
haftigkeit"__ in der Architektur forderte. 
Sempers Aullerungen zu Problemen der 
Form. des Materials und Gebrauchszwecks 
sind dem wesensverwandt 7 ebenso wie 
dem von Christian Ludwig Förster geforderten 
"Materialbau". aber auch der iiMaterial- 
gerechtigkeit" des ZO. Jahrhunderts gleiches 
Gedankengut zugrunde liegt. Matt muß sich 
bewullt nidchen, ddß sernpers erste t-ldupl- 
werke noch zu Lebzeiten Schinkels ent- 
standen und dall sein Spätwerk in Wien zur 
Ausführung kam. als Otto Wagner sich am 
Anfang seiner Laufbahn befand. Steht dem- 
nach der Historist und Positivist Semper in 
einem künstlerischen Ablauf. der scheinbar 
vom radikalen Klassizismus direkt zur 
Moderne führen wollte als Reaktionär. so 
verblüfft es um so mehr. wenn viele seiner 
Ideen als modern und zukunftweisend er- 
kannt werden müssen. senipers romantische 
Basis wird deutlich in der wiederholt auf- 
klingenden Forderung nach der inneren 
Einheit der Dinge. die im "Gsamtkunstwerk" 
manifest wurde. Um in der Architektur nicht 
nur die von ihm in archäologischen For- 
schungen wieder erkannte Farbigkeit neu zu 
erwecken. Sondern auch die Plastik. die 
textilen Künste. Keramik. Metall- und Möbel- 
technik. mit einem Wort alles. was zur Er- 
reichung eines künstlerischen Ensembles nötig 
ist. einzubeziehen. bemüht sich Semper um 
eine Neugestaltung des Kunslunterrichtes 
einerseits und um die Gestaltung da Museums 
als wissenschaftliche Institution anderseits. 
wobei schon Gedanken aufklingen. welche 
die Vorstellung eines Musee imagirtaire vor- 
wegnehmen. Wilhelm Mrazek hat im An- 
schlult an SempeN "Plan eines idealen 
Museums" von 1852 Wichtiges zu Sempers 
Bedeutung für die museal-wissenschaftliche 
Reformbewegung des 19. Jahrhunderts dus- 
gesagt. Das Österreichische Museum für an- 
gewandte Kunst. eine Gründung von Rudolf 
Ritter von Eilelberger. ist zusammen mit der 
angeschlossenen Kunstgewerbeschule ein In- 
stitut. das sich eng dn das von Semper in- 
spirierte Vorbild. nämlich das Victoria- und 
Albert-Museum in London und das dortige 
Departrnent af Praclical Art anschließt. Die 
hier gegebene Verbindung von Museum und 
Schule entspricht der von Semper verlangten 
inneren Einheit. die durch wissenschaftliche 
Analyse getrennt worden war. Diese innere 
Einheit will Sempcr auch im Lehrbetrieb 
wieder hergestellt sehen. bei dem er die in 
den Akademien üblich gewordene Schul- 
ausbildung durch den alten Werkstattbetrieb 
zu ersetzen vorschlägt. Als Semper in London 
1851 dieses Programm aufslellte. war in Wien 
irn zuge der Reorganisation der Akademie 
der bildenden Künste bereits 1850 die Ein- 
richtung von "Meisterschulen" im Sinne des 
Werkslaltbetriebes beschlossen und im Jiinner 
1352 verwirklicht worden. 
Sempers Text eröffnet eine Fülle von Proble- 
men, die besonders unsere Zeit. die sich 
bemüht. ihren eigenen Standpunkt mit dem 
derVergangenheit zu konfrontieren. angehen. 
Um seiner Aktualität. aber noch mehr um 
seiner eigenen Werte willen sollten die 
Schriften Sempers nun wirklich gelesen 
werden. 
 
Renate Wagner-Rieger 
Hans-Christoph Hoffmann. Die Tlteaterbauten 
von Fellner und Helmer. Studien zur Kunst 
des neunzehnten Jahrhunderts. Bd. ll. Far- 
tchungsunt nehmen der Fritz-Thysen-Stif- 
tung. Arhe kreis Kunsigeschichte. Prestel- 
Verlag. München 1966. 14a Seiten. 
181 Abbildungen auf Tafeln 
Unter den Bauaufgaben. denen das 19. Jahr- 
hundert eine neue Bedeutung verliehen hat. 
gehört das Theater zu jenen. bei denen die 
ewältigung funktioneller Probleme einer- 
seits und das Bemühen der gewandelten 
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soziologischen Situation gerecht zu werden. 
anderseits leicht die architektonischen Pro- 
bleme überschichten. Bei den Theaterbauten 
von Ferdinand Fellner und Hermann Gottlieb 
Helmer. die von ihrem gemeinsamen Atelier 
aus zwischen 1873 und 1916 den Bedarf an 
Thedterbauten in der Österreichisch-unga- 
rischen Monarchie und darüber hinaus noch 
in Städten Deutschlands. der Schweiz. Ruß- 
lands. Bulgariens und Rumäniens deckten und 
dabei mit 47 ausgeführten Theatern die gleiche 
Zahl erreichten. wie die verschiedenen 
theaterbauenden deutschen Baubürots zu- 
sammengenommen. scheint dies besonders 
der Fall zu sein. Zumindest spielen die künst- 
Ierisch-archilektonischcn Probleme in den 
Aussagen. die zu ihren Werken vortie en. 
eine recht geringe Rolle. während es ihr iel 
war. den Bedürfnissen der Zeit und den 
Ansprüchen der zuin überwiegenden Teil 
bürgerlichen Auftraggeber gerecht zu wer- 
den. Für die Organisation des Zuschauer- 
raumes gingen sie von Grundsätzen aus. die 
Heinrich Laube vom Standpunkt des Schau- 
spielers und des Thealerstückes her formuliert 
hat. für die Gesinnung des Kommunikations- 
systems. das der stollweisen Füllung und Ent- 
leerung der Räume gewachsen sein mußte. 
trachteten sie größtmoglichste Beauemlich-. 
keit, Sicherheit und Billigkeit zu erreichen. Der 
allso in den Vordergrund gerückte Funktio- 
nalismus des Theaters brachte dem Atelier 
die zahlreichen Aufträge ein. um die sie sich 
nur selten im Rahmen von Wettbewerben 
bemühen mußtert. Bei solchen Grundsätzen 
und darüber hinaus bei einem gut eingespiel- 
ten Atelierbetrieb mit reichem Formenfundus 
ist es nicht verwunderlich. wenn den über 
Mittel- und Osteuropa verstreuten Bauten 
eine gemeinsame Note anhaftet. Diese liegt 
aber keineswegs nur im funktionellen Be- 
reiche. sondern primär in der architektoni- 
schen Erscheinung. welche die Fellner- und 
Helmer-Theater als Repräsentanten eines in 
Wien seit den siebziger Jahren des 19. Jahr- 
hunderts ausgebildeten ..Späthistorismus" zu 
erkennen gibt. Jo. es läül sich sogar innerhalb 
dieser Arbeitsgemeinschaft zwischen den 
beiden führenden Architekten ein Stilunter- 
schied aufzeigen: der dus der wiener Trci- 
dition erwachsene Ferdinand Fellner verband 
eine dekorative Begabung. der die Leistungen 
eines Van der Nüll viel gesagt haben müssen. 
mit einem stark plastischen Gefühl. welches 
er den von ihm gestalteten Bauten mitzu- 
teilen wußte. Die Fähigkeit. vor allem spät- 
barocken Formenreichtum leicht und spiele- 
risch dnzuwenden. gibt seinen Bauten eine 
..wienerische" Note. Dem gegenüber bleibt 
der aus dem Hannoveranischen stammende 
Helmer in seinem persönlichen Stil der kühle- 
ren. klassizistischen Tradition seiner Heimat 
auch in der Folgezeit verpflichtet. Seine Bauten 
wirken kubischcr und groflformiger. zeigen 
ein gewisses Pdthds und fügen sich duch leicht 
den strengen Losungen einer klassizistischen 
Richtung des lugendstiles. 
Neben solch kunsthislarischen Aspekten er- 
schließt die schöne Arbeit Hoffmanns noch 
die bedeutungsmäßlge Seite des Theaterbaues. 
die besonders in den ..Hoheitsformen". wie 
Loggien oder Giebelfronten. greifbar werden. 
Den hier angebahnten We weiter zu ver- 
folgen. wird der wissenscha tlichen Erhellung 
der gesamten Epoche zugute kommen. 
Die vielfältigen interessanten Ausführungen 
Hoffmanns geben Auskunft über die Archi- 
tekten Fellner und Helmer und über ihrWerk: 
über die verschiedenen Gesichtspunkte der 
inneren Anlage ihrer Theater; über die Zu- 
schauerräume, deren verschiedene Typen 
einen Ausgleich zwischen den einem gesell- 
schaftlichen Leben dienenden Logen und den 
einem auf die Bühne hin aus erichteten 
Publikum entsprechenden Bai dnrdngen 
suchen 7 all diese und noch eine Menge 
anderer Probleme werden vor dem Leser in 
klarer und konzentrierter Form ausgebreitet 
und verraten die souveräne Beherrschung 
des Stoffes vom Technischen und Architek- 
turgeschichtlichen her. Die zuverlässige Basis 
für die Ausführungen bietet der Katalog der 
ausgeülhrten Theater mit einem umfang- 
reichen. viele Baupläne und Photos umfassen- 
den Bildteil, eine Dokumentation. die jede 
weitere Arbeit über den Theaterbau berück- 
sichtigen wlrd müssen. Eine Fülle von Material 
wurde hier verarbeitet m und doch zeigen 
sich schdn trotz des relativ geringen zeitlichen 
Abstandes bereits manche Lücken in den 
Quellen. Sie bringen zum Bewußtselrt. daü 
es bereits höchste Zeit ist. auch die Architektur 
des späten 19. Jahrhunderts aufzuarbeiten. 
sollen nicht wertvollste Unterlagen ungenützt 
verloren gehen. All diesen Untersuchungen 
aber möchte man das Niveau der vorliegen- 
den Arbeit wünschen. 
Renate Wagner-Rieger 
Neue Doxenliterutur 
Das gesteigerte Interesse am Sammeln 
schöner Dosen hat uns in letzter Zeit 3 Bücher 
über dieses Thema beschert: 
B0 Bremsen, Nordiske Snusdaser pa euro- 
paeiik baggrurrd. Kopenhagen. Politi- 
kens Forlag 1965. 335 Seiten. 351 Ab- 
bildungen. 145 Kronen 
Der Autor. selbst Sammler. gibt zunächst eine 
Kulturgeschichte des Tabakschnupfens mit 
zirka15O Abbildungen. Das eigentliche Thema 
gliedert er nach Ländern und innerhalb 
dieser nach Material. so daß man Silber oder 
Porzellan dreimal getrennt verrindet. Wären 
die nordischen Dosen nicht durch Punzen 
identifiziert. könnte man sie mit Ausnahme 
derfinnischen und isländischen Schnupfhörner 
 
für deulschoderfran sch halten. Das reiche 
Bildmaterial aus nordischem Besitz gibt einen 
guten Uberblick und gute Vergleichsmöglich- 
keit. doch sind ein Teil der Bilder durch 
schräge Aufnahme undeutlich oder durch 
Kehraufnahme bei Deckelöffnung kopf- 
gestellt. Trotzdem eine dankenswerte Arbeit. 
leider in Dänisch! 
clcire le Corbeiller. European Gnd american 
snuff-boxes. London. ßdlsldrd 196a. 
7 Gn 
dasselbe deutsch: 
Alte Tabaksdosen aus Europa und Anierikd. 
Keysersche Verlagsbuchhandlung. 
München 1966. 400 Seilen. 703 Ab- 
bildungen. 4a DM 
Die Autbrin. die einige Jahre im Metrdpdlitdn 
Museum. N.Y.. arbeitete. teilt die Kapitel 
übersichtlich nach dem Material der Ddscn. 
der Text ist mit viel Sachkenntnis geschrieben 
und nach Daten gefüllt. bringt jedoch viel- 
leicht zu viele. den Laien verwirrende Namen. 
Auf 12a Seiten Text folgen 113 unpaginierte 
Seiten mit den Abbildungen. 
Die Aufnahmen Stammen zu 94x, dus 
Museumsbesitz und sind dadurch bereits 
teilweise bekannt. Durch ihre Verkleinerung 
gegenüber der englischen Ausgabe haben 
die Abbildungen dn Deutlichkeit eingebüßt. 
Ein Drittel des Textes und die Hälfte (sss) 
aller Abbildungen ist den Golcldosen gewid- 
rnel. über die cs schon mehrere Spezialwerke 
und Fachbücher gibt (Noqu et Dreyfus 1930. 
lt. u. M. Narton 193a und H. u. s. Berry- 
Hill 1955). Ein wesentlicher Mangel der 
deutschen Ausgabe ist das Fehlen eines 
Kapitels über deutsche Silberdosen und 
Wiener Porzellandosen sowie deren Abbil- 
dungen. während 8 russische. Z spanische 
und 5 Kelsterbacher Porzellandosen repro- 
duziert und erwähnt sind. Dem entsprechend 
fehlen auch in der nach Sachgebieten ge- 
ordneten Bibliographie Rosenberg. Der Gold- 
schmiede Merkzeichen. und Folnesics-Braun. 
Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur. 
Es fehlen auch Dosen aus lscrlohn. Tournay 
und Herrengrund. aus Steinbockhorn und 
Cdquitld-Nuß. Der s. so genannte ..unbe- 
kannte Wiener Dosenmacher IWS" ist wohl 
Josef Wolfgang Schmidt (Reitzner 833) und 
der S. 96 ..sonst nirgends verzeichnete (!) 
Wenceslaus Chudy ist uns nicht so unbe- 
kannt. siehe Thieme-Becker. Die Abb.601. 
als ..amüsante Anleihe deutscher künstleri- 
scher Geschmacksrichtung" bezeichnet. ist 
durch nichts als englisch bewiesen. sondern 
ndlürlich deutsch. Unklarheiten ergeben sich 
aus Ubersetzungsfehlern. wenn 5.68 vom 
Unterschied zwischen Schnupftabak- und 
Tclbakdosen gesprochen wird. da mit tobacco- 
box Rauchtabakdosen gemeint sind. Auch 
gibt E im Deutschen keine Dosen dus Pewter 
(S. B7 und Abb. 440-444). sondern aus Zinn. 
während die Dosen Abb. 6804651 nicht aus 
Zinn (tin). sondern dus Blech sind. 
A. Kenneth Snowmun. Eighteenth Cenlury 
Gold Boxes of Europe. London. Fober 
und Faber was. Gr. a. 191 Seiten. 
375 Abbildungen. hievon 135 in 
Farben, 15 Gn. 
A. Kenneth Snowman. der Autor von ltThe 
art af Carl Fabergä". Goldschmied und 
Juwelier, ist wie kein anderer berufen. dieses 
Thema zu behandeln. Dies ist ihm auch in 
erschöpfender Art gelungen. In der Ein- 
leitung bringt er etwa 100 Abbildungen von 
Entwürfen für Dosen. Handzeichnungen und 
Stiche. Der Text beleuchtet das Thema vorn 
historischen. technischen und anekdotischen 
Gesichtspunkt. Mangels einer Punzierung. 
die für die Höfe nicht vorgeschrieben war. 
sind viele Dosen bloß stilistisch einzuordnen. 
Der Hauptakzent liegt natürlich bei den 
französischen Dosen. von welchen er für 
fcßt jedes Jahr Beispiele in chronologischer 
Reihenfolge bringt (304). gefolgtvan 74 eng- 
lischen. 108 Dresdener und Berliner. 5B rus- 
sischen. die meisten aus dem Goldrauln der 
Eremitage. und 91 österreichischen. schwedi- 
schen und schweizerischen Dosen. Die Ab- 
bildungen sind unübertrefflich. Ein wohl 
teures. aber auch wertvolles Buch. 
Richard Steiskal-Paur 
lesel Ringler. Tiroler Krippen unserer Ze 
Tyrolia-Verlag. tnnsbruck-Wien- 
München. 1966. 144 Seiten, 112 
Kunstdruckbilder. Leinen 
ln einer 15 Seiten langen Abhandlung bemüht 
sich Dr. Josef Ringler. die Entwicklung der 
Tiroler Krippen in der Zeit ndch den historisch 
gewordenen Stilen aufzuzeigen. Das folgende 
Bildmaterial zeigt uns an Hand vdn figuralen 
Detailaufnahmen, aber auch an ganzen 
Krippenaufbauten diesen Werdegang. Wenn 
Josef Ringler auch von einem noch vor- 
handenen, ja "lebendigen Krippengeist"(l) 
spricht. so müssen wir jedoch bei Betrachtung 
der Bilder feststellen. daß nach der barocken 
Krippengestaltung nicht viel Nennenswerta 
oder Bleibendes aufzuweisen ist. Josef Bach- 
lechner d. A.. der eine Zeitlang in gewissen 
katholischen Kreisen sehr farcier1 wurde. hat 
im Grunde genommen nur zu einer Ver- 
üußerlichung. zu einem falschen Pathos und 
einer Verniedtichung der Ddrstellung im 
allgemeinen und natürlich auch des Weih- 
nachtsgeschehens geführt. Seine humorig- 
kauzigen Gestalten. die eher auf gotische 
Vorbilder zurückgreifen wollen. es aber nicht 
Schaffen und in einer Pose erstarren. haben 
einer ins Kommerzielle. Geschmücklerische 
obgleitenden Richtung den Weg geebnet. VOh 
viel wesentlicherem Gehalt scheint dem 
Autor. sehr zu Recht. das Schaffen des 1876 
geborenen und 1918 gestorbenen Ludwig 
Ponz. der. von seinen Mitmenschen selbst un- 
verstanden. eine neue Richtung in der Entwick- 
lung der Krippe wies. Seine von innerer 
Bewegung geformten Figuren beweisen sein 
Können. Bewegung und Gestik ist frei vdn 
unnötiger Palhelik. Auch seinem Schüler. den 
in Schwaz ansässigen Sepp Baumgartner. 
gelingen saubere. korrekte Lösungen. Wäh- 
rend er früher auch manchmal zu lieblich- 
süßen Formen kam. werden spdter die Um- 
risse eckiger und herber. Nach ihm scheinen 
nach eine stattliche Anzahl von Krippen in 
dem vorliegenden Werk auf. dünken uns 
aber durchaus nicht weiter nennenswert. 
duch wenn sie sich manchmal peinlich genau 
an gotische. andere wieder an barocke Vor- 
bilder anlehnen. Auch modernistische Be- 
strebungen, wie jene von Heinrich Bacher 
oder Martin Gundolf, sind nur ein Zeichen. 
wie wenig Gutes auf diesem Gebiet geleistet 
wird. Eine rühmliche Ausnahme scheinen uns 
die Reliefs von David Moroder. einem Süd- 
tiroler (nicht mit den anderen Moroders zu 
verwechselnl). zu sein. Hier ist echte Gestal- 
tung zu sp ren. und wenn der Künstler auch 
auf frühchristliche Elemente zurückgreift. so 
wollen uns besonders die zwei ersten der 
abgebildeten Arbeiten wesentlich erscheinen. 
Erst Karl Weis und Franz Baumann zeigen 
wieder gestalterlsche Kraft. besonders in den 
einzelnen Figuren. Der Krippenaufbau. der 
einer theatralischen Bühne gleicht (bei Bau- 
mann). ist dann wieder problematisch. 
Die Abbildungen sind von sehr unterschied- 
licher Qualität. Oft sind die Photographien 
unscharf. so doli die Konturierung. die 
technische Bearbeitung. die gerade bei plasti- 
schen Gebilden sehr wesentlich ist. verwischt 
und zu undetinierbarem Vokabular ver- 
schmolzen wird. Es ist zu überlegen. ob in 
diesem Buch nicht weniger mehr gewesen 
wäre. 
Alois Vogel 
Österreichische Akademie der Wissenschaf- 
ten: Wilhelm Hein. Frühe islamische Keramik 
im Österre schon Museum für ange- 
wandte Kunst in Wien. Wien 1963. Her- 
mann Böhlaus Nachf.. Wien-Köln- 
Graz. Kommisslonsverlag. 4B Seiten 
Text. XX Bildtafeln. brosch. 
Mit dieser Veröffentlichung werden in 
zusammenfassender Weise die Bestände des 
Stubenringmuseums an islamischer Keramik 
der Frühzeit aus den Ländern des Vorderen 
Orientes der Öffentlichkeit zugänglich ge- 
macht. Der Autor geht dabei mlt größter 
Behulsamkeit vor; eingangs verweist er auf 
die zum Teil unüberwindlichen Schwierig- 
keiten hinsichllich der Lokalisierung und 
Dotierung der einzelnen Produkte und zeigt 
die Grenzen der stilkrilischen Methode ebenso 
auf wie die einer materialtechnologtschen 
Betrachtungsweise. Die technischen Aspekte. 
Möglichkeiten und Varianten werden genau 
behandelt. wobei immer wieder auf Quellen- 
schriften erster Hand zurückgegriffen wird. 
Die Materie als solche wird nach einem 
lypdldgisch-svsterndtischen Schema behandelt. 
Zuerst kommt die unglasierte Ware an dle 
Reihe. dann die glasierten Objekte bis zum 
14. Jahrhundert. Ein eigenes Kapitel ist der 
Flächenfüllung gewidmet. wobei neben 
Technischem und Stilistischem vor allem das 
entscheidende Problem: Dekoration in rein 
ästhetischem Sinn oder bewußte. gewollte 
Symbolik. eingehend diskutiert wird. Auch 
hier stößt man auf Mehrschichtigkeit: neben 
rein Dekoratlvem steht tradiertes Gut. dessen 
Bedeutungsgehalt zur Entstehungszeit bereits 
vergessen und verwischt war. und symbolisch- 
bedeutungshclft Gemeintes. das seinerseits 
wiederum aus den verschiedensten. räumlich 
und zeitlich weit getrennten Quellen schöpft. 
Im besonderen sei auf den Syrnbolgehalt der 
Glasurfarben. der Reiler- und der Fisch- 
darstellung. auf Pythagoräisches. Manichä- 
isches und Kabbalislisches verwiesen. Mit 
einem Exkurs über Herkunft und Bedeutung 
des Kräuselarnaments schließt das Werk. 
Der Verfasser vefrügt über eine profunde 
Kenntnis des Gesamtbestandes an früher 
islamischer Keramik in allen bedeutenden 
Sammlungen der Welt. Er theoretisiert nicht. 
er geht vielmehr so vor. dafl er das von ihm 
erfaßte. in Wien befindliche Material mit dem 
anderer Institute sorgfältig vergleicht und 
sich besondersin Fragen der Dotierung immer 
wieder auf das Urteil von Fachgenossen 
beruft. Die hier geübte Zurückhaltung ist 
ein deutlich faßbarer Trend der Kunst- 
wissenschaft von heute. von Abstraktions- 
schemata abzugehen und das Objekt alssolches 
in streng positivistischer Weise in den Mittel- 
punkt der Diskussion zu stellen. 
 
Ernst Küller 
EINGELANGTE BÜCHER 
Karoline Padavonoutous. DieWandmalereien 
des Xl. Jahrhunderts in den Kirchen A 
Panagio torl Chalkeon in Thessaloniki. 
120 Seiten. 39 Abb. auf 10 Tafeln. brosch" 
 Hermann Bühlaus Nachfg. Wien. 
Floridus Röhrigi Alle Stifte in Österreich. 
Band ll. Leinen. 1967. Verlag Anton Schrull 81. 
Co.. Wien-München. S 145m 
Ursula Pflstermeister. Verborgene Kostbar- 
kelien - Rund urn München lll (Südwest). 
..Allgäu und Pfaffenwinkel", 104 Seiten. 
48 Abb" Halbleinen. 1967. Verlag Hans Carl, 
Nürnberg. DM 9.80
	        

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