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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 94)

grausamer Härte, an die man sich erst gewöhnen muß. Aber es ist Klima darin und eine 
dreinfahrende Malerfaust, die an kein Publikum denkt. So fegte er auch die Fünfzehn Öl- 
fresken in seinem Landhaus am Manzanares herunter, in jener Quinta del Sordo (Land- 
haus des Tauben), wo er als sein eigener Auftraggeber nur für sich selbst malte. (Jetzt 
abgelöst im Prado.) Dagegen sieht man deutlich den Rembrandtschen Nachhall in einigen 
kleinen Szenen von herrlicher Tieftonigkeit (Der Gehängte, Füsilierung und zwei Don 
Quixotiaden). Sie stammen zum Teil aus dem Besitz des Marques de la Romana. In einem 
weithin wirkendenUniformporträt, bezeichnet „Don TadeoBravo de Rivero. Per su am. Goya 
2806" sieht man deutlich den Wandel der Zeit. Graudüstere Landschaft und schwarzweiß 
gemischter Hund lassen noch an Velazquez denken, die rot befrackte Figur und das 
statuarisch durchgearbeitete Empiregesicht schon an die glatte Gründlichkeit Gerards. 
Hochinteressant durch seine feine Trockenheit und Reserve ist das in ganzer Figur 
gegebene Uniformporträt des Don Manuel da la Peiia, in einer Barackengegend mit 
exerzierenden Soldaten. Man denkt an Boilly und seinesgleichen. Dabei vollgültig an Zeitton 
und technischer Beherrschung in damaligem Sinne. Wiederholt begegnet man auch der 
Königin Maria Luise, deren rassige Häßlichkeit der Künstler so oft und gern behandelt 
hat. In einer Studie des Kopfes, mit Hut, geht er den Eigenheiten des Gesichtes mit einer 
Art Liebhaberei nach; auch der feine weißrosige Teint scheint ihn zu locken. Das andere 
Mal ist es ein großes Kniestück, in weißem Empirekleid mit diskret aufschimmernder 
Goldstickerei, vom Tageslicht gestreift, ein Bild von vornehmer Delikatesse der Gesamt- 
wirkung. So ist die Goya-Ausstellung ein großer Erfolg; das Interessanteste, was die 
bisherige Bildersaison geboten. 
LEINE AUSSTELLUNGEN. In der Galerie Miethke eine Ausstellung des 
jungen Bukowiner Malers Alfred Offner. Schüler Delugs in Wien und Herterichs in 
München. Hauptsache die Farbe und ihre Werte bei eigentümlicher Mischung. Harmoni- 
sierung von Blau und Grün, Porträt vor grün und gelb gestreiftem, halb abgeblendetem 
Fenster. Ein ärztliches Porträt vor weißem Instrumentenschrank, besonders anziehend 
durch einen Realismus, der nicht vom Zeichnen, sondern von dem Wert und inneren 
Verhältnis der Form wie der Farbe ausgeht. Starke Talentprobe ein vollbeleuchteter 
männlicher Akt zwischen zwei Spiegeln, wo der jugendliche Alleswoller die ganze Form 
und zugleich die ganze Farbe möchte. Er wird lernen, sich zu bescheiden. _ Im Öster- 
reichischen Kunstverein, der unter der jetzigen Leitung wieder mitzählt, eine Ausstellung 
von drei Künstlern. Der eine ist j. M. Kupfer, der bekannte Viennensienmaler, der im 
Maria-Theresia-Schlößchen (XIX., Sickenberggasse i) seine Malhöhle hat. Unermüdlicher 
Schilderer der „entern" Gründe. Wäscherburg, das längst rasierte „Lampl" mit den 
Volkssängern und so weiter. Dann Straßenszenen mit Porträtpublikum, und zwar dem 
Sonnenstand nach. Was an bekannten Personen zu der Stunde, die er dort malt, vorbei- 
zugehen pflegt. Bezirksberühmtheiten darunter, aber auch l-Ionoratioren des Geistes. Dem 
Beethoven ist er in Nußdorf und Heiligenstadt besonders nachgegangen. Er malt die 
Häuser, in denen er gewohnt, die Uferstelle am Spitz, wo er geangelt, die Bank, auf der er 
„gedicht't" (wie der alte Hauer Klippel sagte) und die uralten Leute, die ihn noch gekannt. 
Futter für das städtische Museum. Und neuestens ist er auch im Porträt ganz tüchtig 
geworden. Sein Lueger, Baumeister, Professor Chwostek, Bildhauer Pendl sind nicht zu 
verachten. Der Idealist vom Grund, wie er in Wien jederzeit vorgekommen. Der andere 
Maler ist Viktor Müller. Berger-Schüler, dann in München. Erinnert in Phantasmen oft an 
Franz Stuck. Sphinxe, Drachen, Zwergkönige, Eichkaterkönig. Aber ein starkes dekoratives 
Wesen, das gewiB seinen Weg finden wird. Ferner der Wiener Landschaftsmaler Fritz 
Lach. Passion für das reine Aquarell, ohne Deckfarben. Sonuenhelle, durchsichtige Luft. 
Viel Italien, manchmal an Charlemont erinnemd. Spezialität das Bleistiftzeichnen; große 
Landschaften, in denen er diese Manier überraschend entwickelt. - Dann bei Heller das 
Ehepaar Walter Fränkel und Luise Hahn-Fränkel. Vor einigen jahren im Hagenbund 
44.
	        
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