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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 94)

Frlihcltriltliche Kunst. Sinnbild und Glaubens- 
aussage. Von Ekkart Sauser. Mit 16 Kunst- 
druckbildern. Tyrolia-Verlag. Inns- 
bruck-Wien-München (1966). Leinen 
Diese umfassende. wahrhaft enzyklopädische 
Schrift des bekannten lnnsbrucker Dozenten 
für christliche Patrologle und Archäologie 
möchten wir als "summa" des heutigen 
Wisensstandes um die Entstehung der christ- 
lichen Kunst und ihre Stellung und Bedeutung 
im spatantikcn Raum verstanden wissan. 
Sausers Arbeit zeugt von extremem Fleiß 
und tiefer Gelehrsamkeit; jenseits des heute 
so beliebten fabulierenden Theoretisierens 
stehend. gibt es in ihr keine einzige Behaup- 
tung. die nicht bele t oder zumindest bündig 
abgeleitet ware. elbstverständlich kommt 
den primären Quellen. also der Heiligen 
Schrift und den Äußerungen der Kirchen- 
väter und -Iehrer die führende Bedeutung 
zu. doch werden auch die Lehrmeinungen 
christlicher Archäologen älterer und ' 
gerer Generationen vollauf berücksichtigt 
und diskutiert. Dshalb kann man Sausers 
an sich nicht für Laien gedachtes Buch als 
vortreffliche und grundlegende Einführung 
irt die Materie als solche ansehen. -- 
Wer die frühchristliche Kunst verstehen will. 
muii sich über die Grundvoraussetzungen im 
klaren sein. aus denen sie erwuchs. Der Ur- 
sprung der christlichen Kunst isl in den Kata- 
komben zu suchen. ihre geistige Heimat ist 
Rom und weder der Orient. wie Slrzygowski 
behauptete. noch der Okzident. wie Wilperl 
es wahrhaben wollte: "Rom war der Orient 
und der Orient war Rom . . und umgekehrt 
kannte man im Orient die r' ische Religion. 
ihre Sitten und ihre Kunst. Die frühesten 
Werke der christlichen Kunst sind hin- 
weisende Zeichen. Symbole. Das Symbol aber 
ist die sichtbare Manifestation für etwas 
grundsätzlich Urtanschauliches: Clemens von 
Alexandrien kennzeichnet den Realitätsgrad 
dieser Symbole mit den Worten: ..AIle Sinn- 
bilder sind für den Menschen undeutlich. 
nicht infolge einer Mtngunst Gottes. sondern 
damit das Suchen sich bemühe. in den Sinn 
der Bilder einzudringen und so zum Finden 
der Wahrheit aufzusteigen." Sauser definiert 
diese Verhaltensweise als nautischen Realis- 
mus". der auf Platon und sein Höhlen- 
gleichnis zurückgeführt werden kann. In 
diesem Sinne ist Christus selbst Symbol für 
Gott. also die Summe dessen. was sichtbar 
ist am Höchsten. Absoluten. er selbst ist Epi- 
phanie. ebenso wie sein Bild Veranschau- 
lichung und Manifestation seines Wesens ist. 
So liegt auch der Anfang der christlichen 
Kunst im Symbolhafien; nach dem heutigen 
Stand der Forschung ist es unmöglich. ihn 
vor das Jahr 200 anzusetzen. Die Kleinheit 
der Christengemeinden. der fortlebende alt- 
testarnentarische ikonoklasmus und die möch- 
tige Konkurrenz heidnischer religiöser Kunst 
müssen als Gründe für das relativ späte Auf- 
treten angesehen werden. Die lclztc Klärung 
der Stellung christlicher bildender Kunst 
innerhalb des geistigen Aufbaues der Kirche 
brachte erst der Bilderstreit. dessen Aus- 
einandersetzungen zur Vollendung der 
..lkonentheologie" führten. 
Eine der Kardinalfragen der frühchristlichen 
Kunst war selbstverständlich die noch dem 
Aussehen Christi. Hier kommt dem Volks- 
glauben eine entscheidende Bedeutung zu. 
der die Darstellung Christi als eines Leiden- 
den. Hüßlichen rundweg ablehnt. Das Stre- 
ben überwiegt. vom möglichen historischen 
Erscheirtungsbild des Erlösers abzurücken und 
ihn zu "idealisieren". d. h. in einen ahisto- 
irisch-zeitlosen Raum zu rücken. So kommt 
auch von diaer Seite her als Ausweg im 
Streife der Meinungen dem Symbol eine 
gesteigerte Bedeutung zu. 
Ein weiteres. eng mit dieser Frage zusammen- 
höngendes Problem ist das der Typologie. 
d. h. der inbezugsetzung von Geschichten 
des Alten und Neuen Testaments. Der Jonas- 
Iegende ist hier. wie Sauser in einer Statistik 
zeigt. durchaus führend. gefolgt von Daniel 
In der Löwengrube und den drei Jünglingen 
im Feuerofen. Es ist also die Idee der Auf- 
erstehung. der Erlösung und der wunder- 
baren Errettung aus höchster Gefahr. die die 
frühen Christen besonders bewegte. Bei 
Christusdarstellungen im engeren Sinne füh- 
ren die Taufe und die Auferweckung des 
Lazarus vor der Heilung des Gichtbrüchigen. 
gefolgt von anderen Wunderheilungsdcllstel- 
lungcn, der Erzählung von der wunderbaren 
Brotvermehrung und den zahlreichen Dar- 
steilungen van ..Liebesmahlen". Repräsen- 
tation und Evokation sind untrennbar mil- 
einander verbunden. Christus selbst wird 
aber auch gleichnishaft dargestellt durch die 
Orante (Betende mit erhobenen Händen). 
das Kreuz und das Kruzifix. Auch hier 
dominiert die Tendenz. vom lllustrativen zum 
Symbolischen vorzudringen. Eine der wesent- 
lichsten Darstellungen des Heiland; ist die 
des "Guten Hirten". die sich fortlaufend 
entwickelt: Aus dem "Pastor bonus" wird 
der Welterllehrer. aus dem Weltenlehrer der 
All-Herrscher. der Pantokrator. Ist schon 
der "Gute Hirte" eines der ältesten Motive 
mittelmeerischer Kunst. so gibt es in Hinblick 
auf die Lehrer- und Herrscherdarstellungen 
zahllose Uberschneidungen mit der heid- 
nisch-römischen Kunst. Christus. der selbst 
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eine ..Summa". also ein "Ganzer Christus" 
ist. manifestiert sich selbstverständlich auch 
im Kultbau. Von Anfang an ist das Kirchen- 
gebäude identisch mit der Kirche als solcher. 
ihre Erbauung ist Gottesdienst. ist aber die 
Kirche als Glaubensgemeinschaft Sinnbild 
des Himmels und seiner Hierarchie. so mull 
das Kirchengebäude zwangsläufig zum 
Thronsaal und Wohnzeli Christi werden: 
hier greift Sauser besonders auf Anregungen 
zurück. die auf Lothar Kitschelt (1938) 
zurückgehen. 
Diese kurzen Ausführungen können kaum 
mehr sein als eine unvollständige und un- 
zusammenhängende Wiedergabe der Ge- 
dankengänge. die sich in Sausels Buch 
darbieten, Sie berühren weit über die Be- 
renztheit des Themas hinaus nicht nur 
rundfragen des Glaubens. sondern auch 
des künstlerischen Schaffens schlechthin. 
Ernst Köller 
Kurt M. Jung. Woltgßcltichtl dar Kiinttl von 
der Urzeit bis zur Gegenwart. Safari- 
Verlag. Berlin 1966. 760 Seiten. 
1500 Abbildungen und Z4 farbige 
Gemäldewiedergaben. 
ln einer tabellenartigen Anordnung will der 
Herausgeber einen Querschnitt durch die 
Kunstgeschichte seit dem Paläolithikum 
geben und alle Kulturkreise erfassen. In 
senkrecht nebeneinandergestellten Spalten 
werden die Fakten der einzelnen Kunst- 
üußerungen. die sich in einer Zeit mani- 
festierten. nebeneinandergestellt. Es sind das 
fünf Kolonnen: Architektur und Stadtebou. 
Malerei und Graphik. Plastik. Musik und 
Tanz. Theater. Architektur und Stüdtebau 
wurde von Fritz Jaspert bearbeitet. Malerei 
und Graphik von Martin Jaspert. Plastik. 
Musik und Tanz sowie Theater vom Heraus- 
geber Kurt M.Jung und die auf den letzten 
13 Seiten plocierte "Kleine Stilgeschichte der 
Farbe" van Bernhard Borchert. Die ange- 
führten Beispieie sind zum großten Teil in 
guten Photographien wiedergegeben. Be- 
sonders zahlreiche Bilder werden von der 
Architektur geboten. es folgt die Plastik. 
dann die Malerei. Zum Thema Musik und 
Tanz finden wir. ebenso wie zum Theater. 
fast keine bildliche Darstellung (z. B. Musik- 
instrumenle. Tanzfctrmen usw wobei es 
auch davon. wie das mehr andige Werk 
nThealergeschichte Europas" von H inz 
Kindermann (Otto Müller Verlag) zeigt. eine 
reiche Auswahl gibt. Eine zeitliche Gliederung 
wurde im europäischen Raum nach Halb- 
jahrhunderten. in den übrigen Kulturräumen 
nach Jahrhunderten durchgeführt. Schon 
hier zeigt sich eine Schwerpunktbildung des 
Werkes. mit der Betonung der abendländi- 
schen Kultur. Natürlich sind auch die ange- 
führten Beispiele der nichteurop schert Kunst 
in einer dementsprechenden Minderzahl. Oft 
finden wir in einer Spalte oder in mehreren 
Spalten leere Felder. die. wie der Heraus- 
geber schreibt. dann anzeigen. daß für jene 
Zeit auf jenenlGebieten der Kunst keine 
wesentlichen Aullerungen vorliegen. Es 
scheint uns aber unwahrscheinlich. doß. um 
ein Beispiel zu nennen. zwischen 500 und 
1500 etwa. zur Blütezeit miltelamerikanischer 
Baukunst. keine Musik und kein Tanz in 
dieser Kultur gepfiogen wurde. Es mag__sein. 
daß es hier und an anderen Stellen. an Uber- 
lieferungsmoglichkeiten mangelt, doch mtililc 
das dann festgehalten werden. Andere 
schwerwiegende Bedenken kommen einem 
beim Durchblättern dieses Werkes. das ja 
lnformations- und Nachschlagewerk sein 
will. wenn man bei der Abbildung der Venus 
von Willendorfliest: Plastik aus der Aurignac- 
KulturlSüdfrankreich. oder: Stift Florian in 
Tirol .. . unter einer Abbildung von St. Flo- 
rian in Oberösterreich. Weiters wäre zu 
bedenken. ob bei der Erwähnung der Neger- 
kunst. wo s an einer Dokumentation der 
Malerei fehlt. nicht angemssen wäre. die 
reicher entwickelte Textilkunst an dieser 
Stelle zu zeigen. Sehr übersichtlich und einer 
raschen Orientierung förderlich sind die 
lnhaltsübersichten. eine nach Zeiten und 
eine nach Ländern und innerhalb letzterer 
wieder eine Ordnung nach Sachgruppen. 
Auch das außergewöhnlich umfangreiche 
Sach- und Namensregister. das dem Bande 
angefügt ist. ermöglicht eine praktische 
Handhabung des Werkes. Es ist schade. daß 
ein solch aufwendiges. gut ausgestattetes. 
geschmackvoll gebundenes Buch nicht mit 
mehr Sorgfalt und Liebe zusammengestellt 
wurde. Alois Vogel 
Norbert KnaPP. Das Garten-Belvedere. Das 
Belvedere Liechtenstein und Bedeutung 
von Ausblick und Prospektbau für die Garten- 
kunst. München-Berlin (Deutscher 
Kunstverlag) 1966. 10a s.. 19 Abb. 
im Text. 32 Abb. auf Tafeln. 
Seit dem Beginn der fünfziger Jahre hat das 
lnterßse an der rnanieristischen und barocken 
Garlenkunst immer mehr zugenommen und 
in der kunstgesctiichtlichen Forschung wie 
auch in der für breitere Kreise bestimmten 
Buchproduktlon seinen Niederschlag gefun- 
den. Nach den Monographien über einzelne 
bedeutende Gartenanlagen und den mehr 
 
oder weniger wissenschaftlichen Uberstchts- 
werken über die Gärten verschiedener 
Kunsllandschaften und Zeiträume wird hier 
erstmalig versucht. das Gartenbelvedere in 
den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. 
jenes architektonische Gebilde. das dreierlei 
Funktionen hat: von weitem einen gefälligen 
Anblick zu bieten. zum Durchblick hinzu- 
führen und diesen zu r hmen und einen 
schönen Ausblick zu erm' lichen. Dafl eine 
solche Untersuchung bisher nicht unter- 
nommen wurde. ist wohl darin begründet. 
daü es sich hier nicht darum handelt. die 
Geschichte eines Bautypus darzustellen. 
sondern die Wandlungen einer Idee zu ver- 
folgert. 
Das Buch st aus einer Dissertation an der 
Universität München erwachsen. zu der ein 
Besuch des Autors in den Wiener Barock- 
gärten den unmittelbaren Anstoß gab. und 
verdankt in seiner Fragestellung wie in 
seiner Aussage den Arbeiten Hans Sedlmayrs 
viele Anregungen. Das Kernstück und offen- 
bar auch den Ausgangspunkt der Unter- 
suchung bildet die Analyse des Belvedere im 
Liechtenstein'schen Garten in Wien. des 
bedeutsamen Frühwerks Johann Bernhard 
Fischers von Erlach. in dem in nuce viele 
von seinen später monumental verwirklich- 
ten Baugedanken enthalten und in für thn 
typischer Weise verbunden sind. Knapp zieht 
außer den bereits in der Fachliteratur ge- 
nannten Vorbildern einige weitere zum Ver- 
gleich heran. muii jedoch zuletzt feststellen. 
dal} keines davon Fischer unmittelbar be- 
einflußt hat. Es scheint sich eben um eine 
besonders geglückte Synthese von hoch- 
barocken Baumotiven zu handeln. deren 
Neuartigkeit die hervorragende entwick- 
lungsgeschichtliche Stellung des Baues im 
Schaffen Fischers wie in der gesamten ostar- 
reichischen Barockarchitektur ausmacht. 
Dem Hauptteil ist eln Kapitel über die Be- 
deutung des Ausblicks für die Gesamt- 
erscheinung von Villenanlagen vorange- 
stellt. wobei stichprobenartig charakteristi- 
sche Anlagen analysiert und an Hand der 
Ergebnisse die Wandlungen der Funktion 
des Ausblicks darzulegen versucht werden. 
Bei den pompejanischen Villenanlagen konnte 
sich der Autor auf zwei grundlegende Auf- 
sätze von Heinrich Drerup stützen. die ihm 
auch für die Betrachtung der nachantiken 
Gartenanlagen richtungweisend waren. Re- 
lativ zahlreich (mit sechs Beispielen) sind 
unter diesen die römischen Villen des Manie- 
rismus vertreten. während von den barocken 
Anlagen des 17. Jahrhunderts nur Versailles 
näher betrachtet wird. Als Begründung wird 
angeführt. daß sich in der römischen manie- 
ristischerl Gartenanlage innerhalb weniger 
Jahre eine wichtige Entwicklung vollzogen 
habe. sie daher in dieser aufdie Verbindung 
von Architektur. Garten und Landschaft ab- 
zlelenden Studie besondere Berücksichtigung 
erfahren müsse. wogegen m der französi- 
schen barocken Gartenanlage diese spezi- 
fische Verbindung nicht gegeben sei. Das an 
der gigantischen Größe von Versailles ge- 
wonnene Argument. daß der (moderne) 
Betrachter einer französischen Anlage Mühe 
habe. Schloii und Garten zusammen zu sehen 
und die umgebende Landschaft zu erkennen. 
wird meines Erachtens durch die anderen. 
kleineren Anlagen und durch die zeitgenössi- 
schen Ansichten. auch von Versailles. wie 
durch die Ausführungen in ..La theorie et 
la pratiaue du jardinage" von Dezallier 
d'Argenville widerlegt. die alle stets Schloß. 
Garten und Umgebung zueinander In Be- 
ziehung setzen. Im Hinblick auf die Belvedere 
der österreichischen und süddeutschen An- 
lagen. als deren Quellen die römische und 
oberitalienische wie die französische Garten- 
architektur in gleichem Maß anzusprechen 
sind. wäre es besonders wünschenswert ge- 
wsen. derartige ..Stichproben" auch unter 
den oberitalienischen und französischen 
Gartenanlagen des 16. und 17. Jahrhunderts 
zu machen. Auch hätte eine Ordnung der 
untersuchten Anlagen nach ihrer Funktion 
(Stodtschloß mit Garten. bürgerlicher Lust- 
garten. Villa suburbana. Londschloß) viel- 
leicht manche neue Erkenntnisse für die Be- 
ziehung von Architektur. Garten und um- 
gebender Landschaft bringen können. 
Dem historischen Rückblick folgt eine sehr 
dankenswerte Studie über die Garten- 
belvedere in Österreich und Süddeutschland 
um 1700. Dabei zeigt sich. daß die eigentlichen 
Gartenbelvedere mit dreifacher Funktion 
Auseinandersetzungen mit Fischers Bauidee 
sind (etwa Hiidebrandts Belvedere im Star- 
hembergischen Garten. Fischers des Jüngeren 
im Aithanngarten in Wien). Die übrigen 
kleineren Pavtllanbouten ohne Durchblicks- 
öffnung haben bloß die Funktion eines Point 
de Vue (etwa die Gartenhäuser in Pommers- 
felden und Obersiebenbrunn). Hingegen 
gestatten manche Orangeriebaulen. die 
Gartenanlagen prospektartig abschließen 
und mit Aussichtsterrassen versehen sind. 
auch Durch- und Ausblicke in die Landschaft 
(etwa die Bauten von Hildebrandt in Schloß 
Göllersdorf. von Maximilian Welsch im Tier- 
garten von Schraltenhofen. vonlohanrt Chri- 
sllan Lüttich in Schlot} Weikersheim). Die Idee 
eines Gartenbelvedere mit seinen drei Funk- 
tionen liegt in gewissem Sinn auch dem 
Oberen Belvedere in Wien zugrunde. (Aller- 
dings standen die Zelte des Großveziers 
während der zweiten Türkenbeiagerung 
nicht. wie der Aular ..nach der Uberliefe- 
rang" annehmen wlll. an seiner Stelle. 
sondern nachweislich im jetzigen siebenten 
Bezirk in der Nahe von st. Ulrich.) 
Als Ausklang sind dem Buch kurze Abschnitte 
angefügt. in denen auf die Beziehungen des 
Belvedere Liechtenstein zu Thealerarchitek- 
tur. Festdekoration und Ornamentstich der 
Zeit hingewiesen Wird. 
Die zahlreichen Abbildungen nach zeit- 
genösslschen Bildern und Stichen machen 
das Buch besonders ansprechend. Es sei allen. 
denen die Beschäftigung mil der Garten- 
kunst Freude bereitet. zum Studium emp- 
fehlen. Hans Aurenhammer 
Konrad strauli. Die Kachelkunst des ts. und 
islahrhundcrtsstraliburg 1966.160 s.. 
1 Farbtafel. a2 Schwarzweißtofein 
Unter diesem weitgefaiiten Titel erwartet den 
Leser keine allgemeine Geschichte der 
Kachelkurtst des crwdhntcn Zeitraums. Eine 
solche zu schreiben wäre beim gegenwärtigen 
Stand der Forschung wohl auch verfrüht. 
Der Autor gibt vielmehr eine sammlung von 
Aufsätzen über ihm klar greifbare Kachel- 
gruppen des 15. und 16.Jahrhunderts. Als 
ersten derart geschlossenen Komplex be- 
handelt er die in Kloster Neuzelle erhaltenen 
Kacheln eines spätgolischen Ofens. die er 
einer Serie verwandter Kacheln in Zittau 
gegenübersteht. in beiden Füllen handelt es 
sich um Reliefkacheln. deren reicher Bild- 
schmuck sowohl In lkonographischer als 
auch kulturgeschichllicher Hinsicht von er- 
hebllchem Interesse lSt. 
..Eine spätgotische Kachelgruope aus Halber- 
stadt" heißt der zweite Autsotz und bringt 
jene künstlerisch bedeutenden. oolycltrom 
glasierten.reliefgcschmücktenNlschenkacheln 
zur Sprache. die um die Wende des 15. und 
1a. Jahrhundert im niedersächsischen Gebiet 
geschaffen worden sind. Eine interessante 
ltuckblcndung auf den niedersöchsisch-hessi- 
schen Raum findet der Leser ferner im Auf- 
satz llDer Grafenegger Kachelofen und seine 
Beziehungen zur deutschen Kachelkunst". 
Das weitverzwetgte Thema der Ubertragung 
und Ausstrahlung von Formmodelrt kommt 
ausführlich zur sprdchc in einer Arbeit über 
..l(acheln mit der Signatur Hans Bermart". 
Ein weiterer Beitrag behandelt das Werk 
des Kunsthafners Hans Kraut in Villingen. 
dieses bedeutenden Meisters der Fayence- 
Iechmk der zweiten Halfte des 16.Jahr- 
hundarts. Schweizerische Belange kommen 
in dem Aufsatz ..Eine bedeutende Kachel- 
Werkstatt in Stein am Rhein" zur Sprache. 
Die Aulsatzo dieses Buches setzen willkom- 
mene Punkte ins weitmoschige Koordinaten- 
netz der mitteleuropäischen Kachelproduk- 
tion im 15.116. Jahrhundert. Auf das Setzen 
weiterer Akzente. wie es der Autor durch 
als Ankündigung eines zweiten Sammel- 
bandes zu tun verspricht. dürfen wir uns 
freuen. Rudolf Schnyder 
Heinrich Neumayer. Griechische Vasen; 
Dora Heinz, Mittelalterliche Tapißerien; 
Heribert Hutter. Jugendstil, alle im Ver- 
lag Brüder Rosenbaum.1965. in der 
von Heinrich Neumayer heraus- 
gegebenen Reihe: Zeit und Farbe. 
mit jeweils einem einführenden Text 
und Z0 Farbtafeln 
Die nun schon zu der stattlichen Anzahl von 
15 Bändchen angewachsene Folge wird 
ihren Zweck. Information und Anregung 
für Laien und junge Menschen zu sein. 
erfüllen. Auch bei den vorliegenden Büchern 
zeichnen. bei aller Verschiedenheit. drei 
Autoren. die sich intensivst mit der Materie 
beschäftigt haben und noch beschäftigen. die 
somit zu solch weisender Publikation legi- 
timlert sind. ln kurzen Einführungen wird 
das Gebiet umrissen. und Einblicke ln die 
verschiedenen Techniken und in die zeit- 
bedingten Zusammenhänge werden gegeben. 
Die Farbwiedergaben sind am besten in 
dem Band .Griechische Vasen". bei den 
beiden ander n Büchern lassen sie sehr zu 
wünschen übrig. In Jugendstil" etwa sind 
"April" von Denis. .Die Braut" von Jan 
Ttiorn-Prikker, die ..Madonna" von Munch. 
"Der Kuß" von Klimt in den Farbwerlen 
sehr verschoben. Besonders schlecht sind 
einige Wiedergaben der ..Mittelalterlichen 
Tapisserlen". so jene des im Österreichischen 
Museums für angewandte Kunst befindlichen 
Oblektes ..Geschichte des Schwanenrltters" 
oder die ..Jugendgeschichle des Hercules" 
aus Brüssel. wo man fast keine Einzelheiten. 
besonders in der rechten Bildhälfte. unter- 
scheiden kann. 
 
Richard W. Etchllr, Der geltauurte Kunst- 
verfall. J. F. Lehmann Verlag. München 
1965. 129 Abbildungen 
Karl Kraus schreibt: ..Je großer der Stiefel. 
desto größer der Absa " Das Buch ..Der 
gesteuerte Kurtstverfall" hat bereits seine 
1. Auflage. Alois Vogel 

	        

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