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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 95)

 
L. I} Ülrühnln dm l IULILIILIICX vxvn St. l'un": H] SCIHRIQ- 
und Lintcrixthr 
deutsam war. Hier genügte nicht die Erzäh- 
lung eines „fatt0" wie in den Cathedrareliefs, 
hier war ein Ereignis im Leben Petri darzu- 
stellen, das zugleich ein großes ekklesiasti- 
sches Symbol und über allem die glanzvolle 
Darstellung des Erlösers bot. Als Endpunkt 
der waagrechten längsgerichteten Achse 
mußte der Hochaltar mit der Cathedra nun- 
mehr Ziel eines großen christologischen Pro- 
gramms werden, das schon vor den Toren 
der Basilika in den Inschriften des vatikani- 
schen Obelisken angestimmt worden war41. 
Die Transfiguration, die Verklärung Christi 
am Berge Tabor, entspricht diesen Erforder- 
nissen in höchster Weise. 
Als christologisches Motiv gehört die Trans- 
figuration zu den großartigsten Bildern der 
Heilsgeschichte. Ihre Bedeutung ist nur mit 
den Darstellungen des Kreuzestodes und 
der Auferstehung vergleichbar. Ihre symbo- 
lische Aussage ist jedoch noch umfassender, 
weil sich in der Verklärung zugleich die 
Vision von Opfertod und Auferstehung 
vollzieht. Die auserwählten Apostel sehen 
Christus erstmals in voller göttlicher Er- 
habenheit 41. „Mit Pracht und Herrlichkeit 
ist er umkleidet, in Licht gehüllt wie in ein 
Gewand" (Psalm 96). Den Opfertod vor- 
wegnehmend, erscheint er im Glanze des 
Erlösers. „Er läßt seinen Leib, den er mit 
anderen Menschen gemeinsam hat, in einem 
solchen Glanze erstrahlen, daß sein Antlitz 
der leuchtenden Sonne ähnlich wurde und 
sein Gewand dem weißen Schnee glich" 
(Predigt des hl. Papstes Leo des Großen 
zum 6. August) 43. Als christologisches 
Bild ist somit die Verklärung als Zielbild 
der Basilika besonders geeignet, da sie 
Christus als den Erlöser in größter Herr- 
lichkeit vor Augen führt. 
Aber auch im petrinischen Bilderkreis der 
Cathedra erhält das Verklärungsmotiv zen- 
trale Bedeutung. Auf den Reliefs der Custo- 
dia des Stuhles Petri sind die übrigen großen 
Begegnungen Petri mit Christus dargestellt: 
In der Rücklehnc des Stuhles das Motiv 
„Pasce oves meas", in den Seitenreliefs des 
Stuhles Schlüsselübergabe und Fußwa- 
schung. Das auf Berninis Terrakotta- 
bozzetto des Stuhles vorgesehene Relief der 
Vorderfront mit der Darstellung des reichen 
Fischfanges blieb unausgeführt, weil an 
dieser Stelle die Reliquie des Stuhles durch 
ein durchbrochencs Ornamentgitter sichtbar 
bleiben sollte. All diese „fatti" im Leben 
Petri waren Begegnungen mit dem Men- 
schen Jesus. Die Weihe und Bestätigung des 
Auftrages, den Petrus empfangen hatte, ist 
in jenem noch höheren Ereignis vollzogen 
werden, bei welchem Petrus und die auser- 
wählten Jünger Jakobus und Johannes in 
einer Vision zuerst die Wolke als 
Boten Gottes erblickten, dann aber die 
gewaltige Stimme Gottvatcrs selbst ver- 
nahmen. Nun erst öPInete sich die Szene 
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