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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 95)

und Christus erschien, vom Lichte verklärt. 
Als Zeugen der Vision traten zugleich die 
größten Gestalten des Alten Bundes auf, 
Moses, der Gesetzgeber, und Elias, der 
Prophet (Abb. 14, 19, 20). Petrus beschreibt 
in seinem 2. Brief selbst das Ereignis: „. . . 
wir haben seine Herrlichkeit selbst gesehen, 
da er empfing von Gott dem Vater Ehre und 
Preis durch eine Stimme, die zu ihm ge- 
schah von der großen Herrlichkeit: ,Dies 
ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlge- 
fallen habef Und diese Stimme haben wir 
gehört und vom Himmel geschehen, da wir 
mit ihm waren auf dem heiligen Berge" 
(2 Petrus, 1,16718). 
Auch die Gestalt des Moses ist ein Petrus- 
symbol, Petrus gilt als der neue Moses. 
Schon H. v. Einem 44 hat darauf hingewie- 
sen, daß Petrus die Schlüssel empfing wie 
Moses die Gesetzestafeln, beide sind Führer, 
beide schlugen Wasser aus dem Felsen, 
beiden erschien Gott in der Wolke. Das 
Motiv der Verklärung hat daher auch in dem 
auf den hl. Petrus bezogenen Bilderkreis den 
höchsten Rang vor allen anderen Darstellun- 
gen. 
Diese Bedeutungen der Transi-igurarion als 
christologisches und als petrinisches Bild 
werden noch erweitert durch den wichtigen 
ekklesiastischen Bezug. An diesem Orte ist 
12 
er von höchster Wichtigkeit. Durch die 
Präsenz von Moses und Elias, welche das 
Gesetz und die Verheißung vertreten, wird 
zugleich in symbolischer XVeise die Institu- 
tionalisierung des Neuen Bundes ausge- 
drückt 45. Damit ist die Institution der Kir- 
che feierlich besiegelt, nachdem in den vor- 
hergehenden Bildern Petrus in sein Amt 
eingeführt worden War. Nach der Schlüssel- 
übergabe erfolgt in der Verklärung Christi 
am Berge Tabor im Beisein von Moses und 
Elias die feierliche Weihe der Institution. 
Die Gesamtkomposition des Altarwerkes 
drängt Erinnerungen an altrömische Kultur 
auf. Als hohe Insignie des Amtes ist die 
Cathedra erhöht gleich der altrömischen 
Sella Curulis. Wie ein Liktorenbündel halten 
Engel den Schlüssel Petri hoch. Gleich den 
römischen Triumphbogen ist die Custodia 
mit den Reliefdarstellungen der „gesta" 
Petri geschmückt. Darüber erhebt sich in 
der Wolke das feierliche Ereignis, in wel- 
chem Gott die gesamte Institution legiti- 
miert. Damit erfüllt die Transfiguration 
auch hinsichtlich der ekklesiastischen Be- 
deutung die Erfordernisse, die an diesem 
axialen Blickpunkt des Pctersdomes zu 
berücksichtigen sind. 
Die Geschichte des Motivs reicht bis in das 
früheste Mittelalter zurück. Am bekannte- 
14 
sten sind die Apsismosaiken mit der Dar- 
stellung der Transßguration in der Basilika 
der Verklärung am Berge Sinai und in San 
Apollinarc in Classe in Ravenna 46 (Abb. 21). 
Dort erscheint das Bild Christi in einem 
runden Medaillon in der Vierung einer 
Crux gemmata, die von der Mandorla um- 
schrieben ist. Moses und Elias erscheinen in 
einiger Entfernung zu beiden Seiten, Wäh- 
rend die drei Apostel als Schafe dargestellt 
sind. Infolge des Hesychastenstreites, der 
um die Frage der Entmaterialisierung des 
Leibes Christi geführt wurde, verschwand 
die Darstellung der Verklärung später für 
Jahrhunderte aus den Motiven der katho- 
lischen Kirche. In den Ostkirchen fand 
sie jedoch weiterhin größte Verbreitung. 
Erst Papst Calixtus II. hat das Verklärungs- 
ANMERKUNGEN 44 7 SO 
44 a. a. 0., S. 110. 
45 I. Sauer in: Lexikon für Theologie und Kirche, Freiburg 
1938, S. 562{563. 
45 Ekkard Sauscr in: Lexikon für Theologie und Kirthß, 
Freiburg 1965. S. 711. 
47 Christus und die beiden Propheten stehen als Freifiguten 
über der Dnmfmade, 211d! dadurch ist eine Gegenlicht- 
Wirkung im siuui- des Verklärungsmolivs gegeben. 
45 Der Schnittpunkt der Strahlen liegt beim Toumodell über 
der Brust Christi. Bei der dnrrhbrocl-ienen Darstellung im 
Rahmen der Glarie liegt der Mittelpunkt tiefer, Etwa über 
dem Knie Christi. Der höher gelegene Schnittpunkt de! 
Modells gibt noch Sdlilflf der Idee dCX Kreuzigung Aus- 
druck, cr ist zbcr in der Ausführung aus Grilndrn du"! 
Gcsamtsymxntlrie nicht einzuhalten. 
v" Hans Sedlmayr, n. a. 0., S. 31 f. 
5" a. 2. O., S. 44.
	        

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