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Objekt: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 11)

Salon. Zu dem mehr dem Mittelalter 
und der Renaissance verpflichteten 
Gesamtcharukter des Schlosses bil- 
den diese und einige ähnliche Zim- 
merdecken mit aufwendigen: Stuck 
des 17. jh. wirkungsvolle Gegen- 
sätze. Obwohl die schwere Decke, 
der fast bäurisch-plumpe und mäch- 
tige Olen, die reich geschnitzten und 
versilbertcn Rokokoappliquen und 
die den Stil Louis XVl. nachahmen- 
den Möbel verschiedene Formenspra- 
chen auch in unterschiedlicher Lauts 
stärke reden, vermag die Größe des 
Raumes diese Kontraste doch zu 
assimiliercn. Angesichts des turmar- 
tigen Ofens denkt man an Herbst- 
stürme und den steirischen Winter, 
an dessen kalten Tagen man die von 
dem Koloß ausstrahlende Wärme zu 
loben wissen wird. 
DREI KOLLEKTIVAUSSTELLUNGEN IN DER WIENER SECESSIOP 
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WERNER 
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Handwerkliches Können und Gewandtheit im Umgang mit ver- 
schiedenen technischen Verfahrensweisen-das sind Eigenschaf- 
ten, die man gemeinhin dem Künstler des 20. Jahrhunderts ah- 
spricht. Diesem weit verbreiteten Argwohn entgeht freilich die 
Tatsache, daß gerade unsere Gegenwart eine Fülle von vielsei- 
tigen Bcgabungen besitzt, die beweisen, daß die manuellen Fä- 
higkeiten des Künstlers gemessen an seinem cxperimentierenden 
Wagemut, nicht im Schwinden begriffen sind. Die alte Wahrheit, 
daß neue Inhalte nicht nur eine neue Formensprache, sondern 
auch neuartige Gestaltungswegc bedingen, beweist wieder ihre 
Gültigkeit, 
O t t o B e e k m a n n gehört zu denen, die nach künstlerischer 
Mehrgleisigkeit streben. Nach langem Probieren hat er ein Ver- 
lahren entwickelt, das in seinem Resultat an die Photomontagen 
des Surrealismus anknüplt. Man erinnert sich der spukhaft ver- 
lremdenden Effekte, die damals gelangen, als man Illustrationen 
aus Büchern und Zeitschriften des 19. jahrhunderts - vom Kin- 
dermärchen bis zum Warenhauskatnlog - in ihre Bestand 
zerlegtc und zu neuen, rätselhaften Episoden wieder zusamr 
stüekte. Beckmann versucht eine andere Art der Manipula 
Er trägt etwa in eine prunkvolle Hallenarchitektur aus der G 
derzeit Gebilde ein, die seiner Phantasie entstammen: verpu 
Zwittcrwcsen. idolartige Pilanzenmrile und vermummtc Se 
linge einer Einbildungskraft, die man von Kafkas „Odrm 
angeregt glauben möchte. Menschenleer sind diese Gcmäl 
sie bilden die Szene eines geheimnisvollen Agierens, sie sint 
Rumpelkammern einer Phantastik, die - geschichtlich geSl 
- zwischen dem Repertoire der Pittura metafisica und der 
getabilen Erfindungen Max Ernsts hält. Manches ist nicht 
originell, sondern auch überzeugend, andere Episoden h: 
einen vergrübelten Zug. Beckmann richtet in diesen Prunk 
men sein eigenes imaginäres Museum ein, er bevölkert sie 
Gebilden, die wohl als Schemen, nicht aber als dreidimensio 
Gegenstände glaubhaft sind. Es genügt, sich in der Ausstel 
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