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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 95)

sann.- 
Ponrätskizze einer sitzenden Frau. 37x30 cm. Nicht 
signiert und datiert. Um 1907105 
Sitzende! männlich" Akt. 31 X45 Cm. Signitrl: Schick: 
Egon 08 
Sitzcndcr minnlichzr Akt. 31,5 X 45 LTII. Monognunnücn. 
nicht datiert. Um 1908 
Rückseite von Abb. 2: Sitzend: alle Dümt, Signiert: 
Schiele Egon os 
 
 
 
 
ANMERKUNGEN 1 A 4 
w Dirscr Aufsitl wurde rii die FCSISChFÄfK Weiher Gmss 
geschrieben. ai: demnäthi! im Wilhelm Fink-Verlag. Mün- 
chm, CfSChCintn wird. Wegen des llmfängliChEn Abbildung:- 
mältfiilß wird die Arbeit hier getrennt publiziert. 
l Ein: Übclsichl über das Kunsilcbcn in Wien um die jahr- 
hundenwcnde biete: der ausgeuichnac Katalog der Aus- 
stcllunß "Wien um 191D", Wicn 1964. 
1 Klar überschaubar ist bnulcjcdoch nur das mzlcrische Werk 
des Künsllrrs durch das Bildcrvcrzcichnis von Ouo Kallir, 
Egon Schiele. (ELWN-Killlßg der Gemälde, Wien 1956. 
1 Für dil Zeichnungen Schiplcs man: Iacob Reisncr, Zum 
zeichnerischen Werk dcs Österreichers Egon Schiele, in: 
Beiträge zur Kunstgcschichlc. Eine Fcstgabe für H. n. 
Rcscmann zum 9. Oktober 19m, München 1960, s. 
331-348. 
0m Deutsch, Egon Schiele als Zeichner, Wien o. }.- m51). 
Erwin Mirsch, Egon Schiele. Zeichnungen und Aquarelle, 
Sillburß 1961. 
Dimc Arbeiten bringen eine Auswahl 1115 dCI Spälzeit des 
Kümllcrs. 
4 Zu dcn verschiedenen Signaturen Schiclcs siehe aurh 
Kallir. a. a. 0.. S. 504 B". 
kaktusartig-stachelige Formen. Die Zcich- 
nung ist unruhig, spröde und eckig. Die 
fahle Farbigkeit suggeriert Verwesung und 
Zerstörung. Die Figuren wirken schmerz- 
verzerrt, enthäutet und verkrüppelt. Im 
Laufe der Zeit weitet sich die Motivwelt. 
Landschaften, Stadtansichten und Straßen- 
bilder nehmen breiteren Raum ein. Der 
isolierten Einzelgestalt macht mehr die 
vielfigurige Komposition Platz, in der die 
Grausamkeiten gemildert erscheinen und 
hohe formale Geschlossenheit erreicht wird. 
Diese krasse, ans Brutale grenzende Aus- 
druckskunst Schieles bildet einen der 
bedeutendsten Beiträge Österreichs zur 
Malerei des Expressionismus. Wenn wir uns 
die Kunst Schieles vergegenwärtigen, so 
denken wir in erster Linie an diesen Ab- 
schnitt seines Schaffens zwischen 1910 und 
1918. 
Demgegenüber tritt die Frühzeit des Künst- 
lers naturgemäß in den Hintergrund. Es sind 
nur verhältnismäßig wenige Werke aus die- 
ser allerersten Zeit bekannt, und wir sind 
nicht ohne weiteres geneigt, sie für voll- 
gültige Äußerungen des Künstlers zu neh- 
men. jedoch ist diese Ansicht unbegründet. 
Der Zeitabschnitt vor 1910 ist auch für das 
Gesamtwerk Schieles nicht ohne Bedeutung. 
Fällt in diese Periode doch die Auseinander- 
setzung mit den künstlerischen Strömungen 
seiner Zeit und Umgebung und die Suche 
nach einer eigenen Formensprache. Bei 
genauerer Betrachtung wird deutlich, daß 
die Zeit um 1910 nicht nur den Beginn des 
eigentlichen Schiele-Stils darstellt, sondern 
auch einen kunstgeschichtlichen Wende- 
punkt markiert: Während die Werke der 
Reifezeit dem Expressionismus zuzuweisen 
sind, bilden die frühen Arbeiten, vor allem 
diejenigen aus den entscheidenden Jahren 
1908 und 1909, Dokumente des Jugend- 
stils. Diese bisher noch ungenügend ge- 
würdigte Phase in der Kunst Schieles kann 
durch eine Reihe unbekannter Zeichnungen 
beleuchtet werden, welche unsere Vorstel- 
lung vom Stil des jungen Schiele zu ergän- 
zen vermögen. 
Die 17 Blätter mit insgesamt 18 Zeichnun- 
gen, die hier vorgestellt werden, sind 
zwischen 1907[O8 und 1909 an der Aka- 
demie in Wien entstanden. Schiele hatte 
sie damals zusammen mit anderen heute 
zerstreuten Zeichnungen einem Mitstudie- 
renden in der Klasse Griepenkerl geschenkt, 
in dessen Familie sie sich noch erhalten 
haben. 
Die Zeichnungen sind auf große, notdürf- 
tig zurechtgeschnittene Packpapierbogen 
bräunlich gelber Tönung, wie es Schiele 
häufig verwendete, gesetzt. Sie sind alle mit 
Bleistift ausgeführt und nur gelegentlich in 
Aquarell oder mit Farbstift koloriert. Fast 
alle Blätter sind signiert und datiert. Ent- 
weder enthalten sie das aus E und S zusam- 
mengezogene, iugendstilhaft stilisierte Mo- 
nogramm des Künstlers oder den vollen 
Namenszug, wobei die Worte Schiele Egon 
untereinander gesetzt und durch das lang 
herabgezogene S zu einer Figur verbunden 
sind. Darunter ist dann das Datum der Ent- 
stehung O8 oder 09 angegeben 4. 
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