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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 95)

 
der Cathedra sind tief gegliedert, es ist ein 
von Seraphimköpfen bedecktes Wolken- 
gebirge, dessen Mitte sich szenengleich 
öffnet. Die Glasscheibe mit der Taube wirkt 
wie ein harter Vorhang, der hochgehen 
müßte, um eine Weitere, noch tiefere Bild- 
ebene zu enthüllen. 
ANMERKUNGEN 22 - 29 
11 g-Egcsitzc des Fogg Art Museums, Cambridge. Mm, 
13 Von F. Spier nach Bemini gestochen, Brauer-Wittkowcr, 
a. a. O.. Nr. 193. 
1' ebenso: aber auch von seinem Engclspaar mit Dcvmcnkronc 
und Schriftblatt in Sant'Andrca dclle Franc in Rom. 
75 Vermutlich durch den Mitarbeiter Piclro Vcrpoorten, 
Roberta Battaglin. z. 2. O., S. 160-161. 
16 Dicscr BOZZCIIO ist wohl Teil des ersten kleintnnModulus", 
den Bcmini 1567 der Sacra Conyegazionc verlegte. 
Während die Modelle der Kirchcnvätcr durch Mitarbeiter 
nzd: seinen Zeichnungen erstellt wurden, hat er div- 
scs Modell des Stuhles selbst gachalfm. Es dient vor 
allem der Gcstzlrung der Formgebung aß Stuhles. Die 
Details der Reliefs sind darauf sehr vereinfachend skizziert. 
Sie sind wohl noch einmal gesondert durch Bernini in Ton 
modelliert worden, in einer weiter fortgeschrittenen 
Modellphase. bevor sie durch die Mitarbeiter in die volle 
Größe des Gußmoddls ubertragen wurden. Bemiui blieb 
in jedem Detail des Altarwcrkes der Autor, die Mitarbeiter 
waren nur weitere Hände. die laufend überwacht und 
korrigiert wurden. 
4.90 X558 m., 163371644 entstanden. 
Siehe die zahlreichen Derailabbildungen der Gloria in: 
Maurizio e Marcello Fagiolo dell'Arte. Bernini, una inno- 
duzionc al gran Kairo del Barocco, Roma 1967, Tafeln 
IKZWJZI. 
Die Aufstellung einer Figur im Gegeulichl ist erst viel 
Späfer in F. Juvarras Cappella Antamoro verwirklichx 
worden. Hinweis Dr. R. Preimesberger, Rom. 
Wenn wir diese Wand der Glasscheibe ent- 
fernen und an ihre Stelle von rückwärts her 
das muldenhaft vertiefte Oval der TransA 
figuration vergrößert einsetzen, fügt es sich 
in jeder Hinsicht harmonisch ein (Abb. 10). 
Technisch ist ein genaues Einpassen leicht 
möglich. Der ovale Außenrand des Reliefs 
verschwindet an der Rückseite hinter den 
Engelsköpfen und Wolkenrändern des In- 
nenovals der Glorie. Der geschwungene 
innere Rand des Reliefs, dessen Kontur 
ebenfalls von Wolken und Engeln gebildet 
wird, paßt genau in die Kurven der offenen 
Glorie. Die Schrägansichten der Gloriels 
zeigen diese leichten Kurven der Anschluß- 
fuge. Die Schriig- und Untersichten (Abb. 
11, 12, 13) zeigen aber auch, wie ticf ge- 
staffelt diese Glorie ist. In der Frontalansicht 
in das Oval hineinragende Teile wie die 
Beine des Engels ganz oben, die Hände 
des Engels unten rechts, verschiedene 
Wolkenteile oder die Engelsköpfe auf der 
Wolke ganz links ragen nicht rückvzärts an 
der Ovalrahmung der Glorie vor. Innerhalb 
der tief gestaffelten Komposition sind sie 
in einer davorliegenden Bildebene kulissen- 
gleich angeordnet und haben in der Gesamt- 
anlage wichtige ästhetische Funktionen. 
9 Alclicr dm G. L. Bcmiui. Paste m'a muss, Mammrreliel 
im Porlikus von bl. Pctcr, Rum 
Die Ausführung des ovalen Reliefs ist 
durchbrochen vor dem lichtdurchflutcten 
Fenster zu denken. Das Relief besteht aus 
einer geschlossenen, nach innen lebhaft 
konturierten Randzone, die aus den beiden 
Gestalten der Propheten, den Engeln und 
Gottvater oben in der Mitte gebildet wird. 
Diese Außenzone des Ovalreliefs bildet eine 
Fortsetzung des inneren Randes der heuti- 
gen Glorie und verschmilzt mit dieser. Die 
am Relief plastisch dargestellten Strahlen 
sind als Glasscheibe zu denken. Sie ist durch 
radiär angeordnete vergoldete Eisenvcr- 
strebungen strahlenförmig aufgegliedert 
(Abb. 14). Imnitten dieses Strahlenbündels 
ist die Figur Christi befestigt. Durch die 
verglaste Strahlenfläche bricht von rück- 
wärts her das Licht herein, die Gestalt 
Christi von beiden Seiten durch die Auf- 
lösung der Konturen im Gegenlieht ver- 
klärend. Im Streiflicht werden auch die 
Profile der Propheten und der Engel be- 
strahlt. Durch diese kühne und in der 
Kunstgeschichte erstmalige Lösung19 des 
Verklärungsmotivs irn Gegenlicht vor 
einem Fenster erfüllt Bernini in bestem 
Sinne die Worte des Evangeliums: „Da 
ward er vor ihnen verklärt. Sein Antlitz 
leuchtete wie die Sonne und seine Kleider 
wurden Weiß wie das Licht". Damit gewinnt 
auch der dramatische Impetus der ganzen 
Komposition, die hochsteigende Wolke, 
die brausende Erregung in den Gesten und 
Flügelschlägen der Engel erst einen höheren 
Sinn. 
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