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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 96)

Nur wenig mehr wissen wir über das Aus- 
sehen eines Vorhanges im Theater in der 
Leopoldstadt in Wien; ein kolorierter Stich 
von Severin Buemann unterrichtet uns 
darüber. Der Vorhang zeigt ebenfalls eine 
parnassische Allegorie, den Aufstieg zu den 
Hallen der Kunst versinnbildlichend. Sein 
Schöpfer hieß Josef Platzer (1751f1806)6, 
der, in Prag geboren. wo er bei Franz Wolf 
ausgebildet worden war, auf Veranlassung 
des Fürsten Kaunitz nach Wien gegangen 
sein soll. Dort zeichnete er sich vornehm- 
lich durch das Entwerfen von Theater! 
dckorationen aus. 1789 wurde er ordent- 
liches Mitglied der Wiener Akademie; 1795 
erhielt er die Ernennnung zum Kaiserlichen 
Kammermaler. 
Platzers Vorhang löste 1789 die von Kaspar 
Fibich gemalte alte satirische Kurtine der 
Leopoldstädter Bühne ab, die dieses Haus 
wahrscheinlich seit dem Gründungsjahre 
1781 geziert hatte. liibiehs Vorhangbild 
stellte, bezeichnend für die Rolle des 
Wiener Volkstheaters in der ölTenrlichen 
Wertschätzung, Kasperls Triumph über die 
Gegner der Volksmusik dar. Es ist also in 
seinem Motiv ganz und gar außensciterisch. 
J. F. Schink, der der Firöifnungsvorstellung 
beiwohnte, hat diesen Vorhang 1785 in 
seinen Briefen über das Thcaterwesen in 
Wien beschrieben 7. 
Daß eine so kunst- und theaterfreudige 
Stadt wie Wien auch später, vor allem im 
19., ja noch im 20. Jahrhundert auf dem 
Gebiet der allegorischen Vorhangmalerei 
 
einen besonderen Rang eingenommen hat, 
überrascht nicht sonderlich. Die Haupt- 
entwicklung fällt in dieser Stadt ins 19. Jahr- 
hundert, ja, sogar in dessen zweite Hälfte. 
In Wien gab es damals nicht bloß gemalte 
Haupt- und Zwischenvorhänge, sondern 
auch die „Eisernen Vorhänge" sind oft- 
mals, und noch im 20. JahrhundergGegen- 
stand malerischer Bemühung gewesen. Das 
Burgtheater beispielsweise besaß einen Si- 
7 
eherheirsvorhang, den Hermann Burghart 
gemalt hatte; 1941 noch erließ die Stadt 
Wien eine Ausschreibung für die Bemalung 
des Sicherheitsvurhanges für die Volksoper. 
Den ersten Preis trug Franz Kralieek 
davon, dessen Entwurf die bekanntesten 
Figuren der deutschen Oper in freier 
künstlerischer Komposition auf dem Vor- 
hanggemälde vereint. Der Sicherheitsvor- 
hang des Akademierheaters wurde 1939
	        

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