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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 96)

von Franz von Zülow neu gemalt; sein 
Bild stellt einen Ausblick des neuen Burg- 
teils gegen den Heldenplatz hin dar. Vorher 
war dieser Vorhang einzig mit dem alten 
österreichischen Wappen in einem orna- 
mentalen Rahmen geschmückt. Auch der 
Eiserne Vorhang der Wiener Komödie 
bekam noch 1941 ein neucs Gesicht: auf 
neutralem Goldgrund die stilisierten Ge- 
stalten der Commedia delliarte. 1924 hatte 
Robert Kautsky den Sicherheitsvorhang 
des Theaters in der josefstadt bemalt; das 
Bild zeigte in der Manier altkolorierter 
Stiche eine Nachbildung von Canalettos 
„Wien vom Belvedere aus gesehen". 
Besondere Berühmtheit erlangte ein Haupt- 
vorhang des 1945 zerstörten Burgtheatcrs 
an der Wiener Ringstraße, der von der 
Eröffnung des Neubaues am 14. Oktober 
1888 an benutzt worden war. Als „Fux- 
Vorhang" ist er vielen Wiener Theater- 
freunden noch vertraut. Dieser Vorhang 
war von Josef Fux (1S42?1904), der 1879 
von Dingelstedt als Leiter des Ausstattungsa 
wcsens an das Hof burgtheatcr berufen wor- 
den war, und von dessen Schüler Leopold 
Burger (1861-1908) in Temperamanier 
gemalt. 
Der Vorhang von Josef Fux ist ein in der 
Komposition äußerst lebhaftes Werk von 
starker dekorativer und eindrucksvoll ko- 
loristischer Wirkung, dem sogar ein Mann 
wie Manfred Semper, der ein eifriger 
Gegner der allegorischen Vorhänge und 
ein Verfechter der Draperievorhänge war, 
seine Achtung nicht versagte. „Es muß 
unbestritten bleiben", schrieb er nämlich 3, 
„daß es eine große Anzahl von Vorhängen 
gibt, welche trotz der Schwierigkeiten des 
Gegenstandes durch ihre unmittelbare 
künstlerische Wirkung einen gewaltigen 
Eindruck ausüben und den Beschauer in 
eine gewisse feierliche Spannung versetzen. 
Diese werden sich aber meistens durch die 
Einfachheit ihrer Komposition auszeichnen, 
und hier möge als eines hervorragenden 
Beispieles des in seiner Farbenwirkung so 
vornehmen Vorhangs von Ferdinand Kel- 
ler im Neuen Dresdner Hoftheater sowie 
desjenigen von Fux im Neuen Hofburg- 
thcater in Wien gedacht sein. Es ist jedoch 
ganz gewiß, daß die weitaus größte Anzahl 
solcher Vorhänge den Beschauer entweder 
ganz unberührt läßt oder ihn zur Kritik 
herausfordern" 
Nun, was die von Semper am Fux-Vorhang 
gerühmte Einfachheit angeht - man weiß 
nicht, 0b er ihn selbst gesehen oder nur 
vom Hörensagen kennengelernt hat -, die 
Beschreibung des recht voluminösen In- 
halts des Gemäldes läßt letzteres vermuten. 
Es zeigt Pandora, die, am Altar opfernd, 
die dramatischen Leidenschaften freigibt 
oder entfesselt. Die Hauptfigur ist ein 
Reiter, dessen Schimmel über die stützenden 
Gruppen der linken Vorhangseite hinweg- 
sprengt. Auf dem Vorhange ist ein wahrer 
Olymp, ein Museum geradezu, der Schau- 
spielkunst zu sehen. Fux hat nämlich die 
damaligen Größen und Publikumslieblinge 
des Burgtheaters auf seinem Vorhangbilde 
verewigt, das damit in seiner besonderen 
Weise einzigartig dasteht unter Dutzenden 
von mehr oder weniger konventionellen 
Theatervorhängen. Künstler als thronende 
Götter, als Musen, als schützende Gcnien. 
Der Genius der Begeisterung, mit Fackel 
und Lorbeerl-cranz den Raum im Vorder- 
grunde durchschwebend, zuweilen auch als 
„Phantasie" oder als „Genius der drama- 
tischen Kunst" gedeutet, trägt die Z 
der früh verstorbenen josephine Wes 
(Tante von Paula Wessely), die, l86( 
Wien geboren, bereits im Alter 
19 Jahren an die Burg gekommen war. 
Muse der Tragödie links im Vordergru 
hat den Kopf der Charlotte Wolter, j: 
bedeutenden Tragödin, die dem Burgthe 
von 1862 bis zu ihrem Tode angehE 
Diese Muse der Tragödie hat ihre I 
sprechung rechts unten im Vordergr 
in der Muse der Komödie (Porträt 
Katharina Schratt). Der Reiter im B 
aber ist Adolf Sonnenthal, der unter vii 
Direktoren als Held und Heldenvater 
Burgtheater gewirkt hat. Er war 1888, 
der Vorhang in Gebrauch genomi 
wurde, gerade kommissarischer Leiter 
Burgtheaters und also prädestiniert, 
hervorragendste und lebhafteste Posi 
auf dem Gemälde einzunehmen. Vor 1 
Schimmel (mit erhobener Hand) Lud 
Gabillon, ihm blickt Stella Hohenfels i 
die Schulter. Rechts, zwischen zwei a 
Männern, der Kopf der Zerline Gabil 
Außer den hier genannten sollen noch 
Bildnisse von Mitterwurzer, Hartm: 
Devrient, Krastel, Baumeister und R0 
auf dem Vorhang zu Enden gewesen s 
aber, da solche Kenntnisse nur münc 
überliefert worden sind, kann man c 
Persönlichkeiten auf Grund von Al 
dungen nicht mehr mit Sicherheit ider 
zieren. Die Pandora-Szene war nur r 
verblaßt im Mittel- und Hintergrund: 
seheng. 
Der schon erwähnte Sicherheitsvorl 
dieses Burgtheaters zeigte, in empireh: 
Manier gemalt, ein reichgestaltetes Schi 
dceisengitter mit einem Durchblick
	        

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