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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 96)

 
  
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3 1 Georg Pcveiz, Der "Jvvlwm" 
2 Georg Pcvs! Erm-wrf AU qvuhw Kveuuquwq. 
1927 TAT"? Fccvr n P. w. 50x70w, 
3 02m; PCV 1. Lwndschcfw m w. OißVr-wevwuvk. 1922 
Tusche wd Pmscl. 32x42 cm CHJCÜNSLN: Scvnmhmg 
Aloerärc. '."-'wcn 
W21 Kuhic, 59x47 (m 
 
 
    
 
Georg Pevetz begegnet den Nötschern. arbeitet 
mit dem damals noch unbekannten Boeckl in 
Sizilien. spüter begünstigt ihn Max Liebermann in 
Berlin, wo Pevetz an der Slevogt-Cassirer-Runde 
im Romanischen Kaffee teilnimmt. Gegen Ende der 
zwanziger Jahre wird er in Paris den Kunstmüzen 
Ambroise Vollard kennenlernen, der den jungen 
Österreicher mit Henri Matisse und Maurice 
Vlaminck zusammenführt. Letzterer sagte zu 
Pevetz: "Meiden Sie Galerien und Museen. Sie 
werden in diesen Totenkammern und Leichen- 
hciusern der Kunst Ihr Talent vollkommen zur 
grunde richten." Vlaminck war um 17 Jahre älter 
als Pevetz. 
In Paris trat an Georg Pevetz die Schicksalsfrage 
heran, sich als ein ebenfalls von Cezanne erweck- 
ter, moderner Künstler für die gegenständliche 
oder für die untigurative Wiedergabe der Natur 
zu entscheiden. Georg Pevetz wählte als echter 
Österreicher die Synthese, Wenn er sich um den 
Ausbau eines modernen koloristischen Malstils 
mühte, standen immer wieder kubistische Ele- 
mente einer planimetrisch-sphärischen Farmen- 
sprache im Vordergrund. 
Am Beginn der zwanziger Jahre dominierte aber 
ein subjektiver, expressiver Kolorismus und in 
diesem Zusammenhang die Vorliebe des Künstlers 
für das Medium der Zeichenkohle und der Tusche. 
Seine außerordentliche Sicherheit im Zeichnen 
des bewegten Aktes drängte den leidenschaftlichen 
Künstler zur Graphik. Sind doch auch Kohle, 
Tusche und Feder ideale, suggestiv wirkende 
Darstellungsmittel der "Realisation" und „Modu- 
lation". Sie interpretieren dem Beschauer eine 
Vielfalt von Farbnuancen, und ihre rhythmisch 
klingenden Linien verstärken die Aussage, auch 
dort. wo im Schwung der Gestaltung manche 
Konturen torsisch in Erscheinung treten. 
Charakteristisch für diese erste Epoche des Gra- 
phikers Georg Pevetz sind seine Blätter „Der 
Verkünder", 1921, und der „Frauenakt", 1921. 
lm „Verkünder" behalten die scheinbar in Auf- 
lösung begriffenen Körperformen ihre klare 
plastische Konzeption. deren völlig veränderter 
Formalismus eine kommende malerische Ent- 
wicklungsstufe vorbereitet. Im „Frauenakt" ist 
deutlich der Wille fühlbar, neue Möglichkeiten 
für neue Systeme und Formulierungen zu eröffnen. 
Beide Akte sind von dsthetisch-revolutionörer 
Gesinnung durchpulst. 
Die zweite Epoche der Pevetfschen Graphik 
gruppiert sich um das Jahr 1925. Nun hat die 
Kohle Tusche, Pinsel und Feder zu Gefährten 
gerufen. Wir stellen eine scharf akzentuierte 
Plastizitüt der Formen fest. Wieder herrschen 
leicht hingeworfene Strichfragmente und zarte. 
ficichige Tuschtönungen im Kontrast zu tiefsten 
Dunkelheiten. Das psychologische Moment und 
die Rhythmik der Bewegungen erscheinen kraft- 
voll. Eine großangelegte, dramatische Gesamt- 
konzeption meidet jedes verwirrende Detail und 
erreicht die Wirkung einer malerisch-graphischen 
Meisterdarstellung. 
Zu diesen graphischen Hochleistungen zählen 
unter anderen das Blatt "Träumerei", 1924. Samm- 
lung Haags Gemeente Museum. ferner das gra- 
phische Blatt ..Bewegter Akt", 1923, Graphische 
Sammlung Albertina. Wien, der "Glöckner". 
1925, Kulturornt der Stadt Wien. sowie das Blatt 
"Zwei Akte", eine eindrucksvoll bewegte Kompoe 
sition mit Auflösung der Körperformen durch 
differenziert getönte Tuschflüchen und wechsel- 
volle Schwingungen einer individuell bedingten 
Linienführung. 
Die Vermutung verstärkt sich, daß die in der 
geschilderten Entwicklung erkennbare Festigung 
im Aufbau der Körperformen auf Rechnung der 
damals auch in Wien sporadisch wirkenden 
kubistischen Impulse zu setzen ist, 
Die dritte graphische Stufe eröffnet der Dialog 
mit dem Hßlumenstrauil", 1929, es folgen das 
raumtiefe, bewegte Blatt „Venedig. Via Gari- 
baldi", 1930, British Museum. London, und die 
Augenblicksgraphik .,Cafe in Malcesine". 1930, 
ein modernes Konversationsstück im Besitz der 
Neuen Galerie des Joanneums in Graz. Die ge- 
festigte Struktur der graphischen Aussage wirkt 
mühelos und zwingend. 
Betont unakademische Londschaftsgraphiken be' 
gleiten diese Schaffensjahre, so das Litho "Wirts- 
hausgarten". 1925. Staatliches Puschkin-Museum. 
Moskau, feinst empfundene Landschaften ent- 
zücken den Beschauer, so die lyrisch-atmosphäri- 
sche Graphik "Landschaft in der Oststeiermark": 
eine Liebeserklärung des Künstlers an die Heimat 
seiner Jugend. Diese Meistergraphik hat ebenfalls 
die Albertina erworben. 
Die vehementeste Expression offenbaren die 
religiösen Graphiken des Künstlers, so das ori- 
ginell komponierte Litho ,.Pieta", 1924, Kultur- 
amt der Stadt Wien, und das graphische Blatt in 
Tusche, Pinsel und Feder ,.Das Volk erwartet 
Pilatus", 1925, Kulturamt der Stadt Wien. der 
expressive Holzschnitt „Kreuztragung", 1928, 
Graphische Sammlung Albertina, Wien, und das 
Litho "Golgatha". 1925. Staatliches Puschkin- 
Museum, Moskau. 
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