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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 96)

MUSEUM DES 20. JAHRHUNDERTS 
Frank Kupka 
wenn von den Ariiangen der Moderne und 
nüherhin der abslraklen Malerei die Rede 
isi. beschafllql man sich zunachsi rbgelmaßig 
mii den Namrn Kandinsky, Picabia, Mon- 
drian, Raberi und Sonia Delaunay und an- 
deren. 
Dein 1871 in Opacna in Bohrnen geborenen 
Frank (Franlisek) Kupka wurde es crsl in 
den lelzleri Jahren zulell, zu den bedeuieridr 
sien Pianieren der absirakien kiinsi gezdhil 
und darnii auch einer breiteren Offenflichkeii 
bekannl zu werden. obwohl er m wie 
Bernard Dorival vcrmufef m "schon seil 1910i 
vor allen andcrcn" abslraks gemali hai. 
1912 sieiiie iedenialls Kupkci bereiis irn Salon 
d'Aulomne in Paris zwei ungegensfandllche 
Bilder aus. die qchariges Aufsehen erregien. 
Darüber hinaus glbf es aber auch noch r 
neben dallerlen Bildern der Fruhzcli 
andere Fakien, die kuakas Eeisiiing als 
Bahnbrecher der Malerei des 20 Johrhuriderfs 
uniersireichen. 
Nllf einer umfassenden. vom Kolnischen 
Kurlslvercm ubernamnienen Aussiellung gab 
s in den Manaien November und Dezember 
des variahres - das Museum des 20. Jahr- 
hunderis in Wien Gelegenheil, sich uber das 
in vielem auÜersl Droblemaflsche und unlarr 
schiedllche Schaffen Kuokas ausreichend zu 
informieren und sclbsf abzuschalzen, inwie- 
weil die Werke dieses Malers hisforische 
Bedeuiung bcslfzcn. Neben so Olbildern 
(wie Werner Hofmann bei der Eroffrlurig 
fesisiellle, lehllen leider12 der bedeulcndsfcn. 
zwischen 1910 und 1920 enlslandenen Bilder 
Kupkas aus einer Pariser Prlvafsarnrnlung) 
enihieli die Ekabsliian 23 Aauareiie und 
Gouachen sawie 14 Zeichnungen, aus dem 
Besllz des Muse: Nalianal d'Arl Madcrnc in 
Paris, der Nciradiii Galerie in Prag. der 
Galerie Karl Flliiker, Paris. und aus der 
Sammlung von Frau Georges Mariinei- 
KuDka. 
Der reich bebildcrfc Katalog enlhiell auf- 
schlußreiche und fur das Verslandnis des 
Menschen Kupka naiwendige Tekie von 
Berrlard Darival und Werner Hofrnahn 
(„Kupka und Wien"), Sa wie aus der Refra- 
speklive selbsl Gehen auch aus dcn Aus- 
fuhrungcn dieser beiden Kunslexpcrfcn iene 
großen Schwankun cn hervor. denen - 
vor allem in der Z il vor 1910 - Kupkas 
CEuvre unlcrwarfcn war und die eine verr 
blrldliche zusammenfassende Wurdigung die- 
ses Werkes in siilisiischer wie quallfaflver 
Hinslchf uberaus erschweren. 
Nach siudien an der Prager Akademie 
418874891) glnq Kupka für funf Jahre nach 
Wien, wo er in den salans der Geseiisehaii 
schon bald als cin von einem Exlrem ins 
andere fallender. „zynlscher Glossolar" in 
Erscheinung lral (Ludrnilla Vachlovd in 
einem Aulsalz in l-lefl 83 von „Alle und 
moderne Kunsf"). 
In künsllerischer Hinsichl waren diese Wiener 
Jahre fur Kupka. der damals noch nach 
Anerkennung und akademischen Ehren 
sirebie und alles eher denn ein echier Revo- 
lufionclr war. alierdings ausgesprochen un- 
ergiebig. kuakas ..Schinken" ieiier Jahre 
imefleklierfen weder formal nach lhernalisch 
das innen vorausgegangene Erlebnis der 
rranzasischen izeaiisien und lmpresslonlslen" 
(Werner Hofmann). 
Kupka, dessen malerische Anfange zweifellos 
auch eine ihrer Wurzeln im bohmischen 
Barock des 17 und 1B. Jahrhunderls haben 
(ein gewisser baracker Grundzug rindei sich 
wiederhan auch in spaieren Arbeilen), 
lernfe die franzosische Malerei zunachsl auf 
einer Aussieiiung in Praq kennen. ging aber 
e nach Beendigung seines Wiener Aufeni- 
halles m im Jahre 1895 selbsf nach Paris. 
In der franzaslschcn Melropole wurde Kupka 
durch den iugendsiii angeregi. bisweilen 
aber auch durch den Expressionismus und 
Fauvismus beeiniium, wie auch aus einigen 
AU der Aussiellung aezeigien Arbeiien hcr- 
varging. Scincn Lebensunierhaii in Paris 
besiriii Kupka von Honoraren rur Made- 
zeichnungen, Reliqionsunlerrichf und seine 
Taligkeii als sairiiisiisches Medium, spafer 
auch durch seine Miiarbeii an salirisch- 
anarchisiisehen Zeiischrifien. 
1906 wurde er Mllglied des schon crwahnfen 
Salon d'Aufomnc. Ab 1910 begann die wcscnf- 
lichsfe Periadc seines gesarriien Schaffens. 
Kupkus gcomcfrischrabsfrakfe Aniange zu 
analysieren. fallf nlchi leiehi. Man gehi 
iedcich nlchf iehi. in den welienbewegungen, 
Lineamenls und Kurven des iugendsiils 
sawie in Kupkas aesireben, Bewegung und 
rhyihmische Bewegungsabläufe darzusieilen. 
dominierende Einflulifakloren zu sehen. 
Kuaka hiell sich in seinen fruhen Absirak- 
iianen wiederhah und gleichermaßen as- 
soziafiv-gefühlsbelanl wie inlellekluell an 
Nafurvarsfellungen. ohne freilich Noiur 
abbilden zu wollen. Ein wichliges und schorlcs 
Werk wie das 1910 aernaiie, aus akkardariig 
iibereinanderqelagerien Pinselsirichen kam- 
paniene. chi-bmaiische Bild nNaeiurne" 
kann als viclschichllger Deulungs- und 
Bedeufungslrager fur die vielen in diesem 
Beispiel zu einer gegluckien Synlhcsc zur 
samrnengefafllen Besfrebungen und male- 
rischen Eigenarien von damals angesehen 
werden. 
Neben dem Mamenl der Bewegung wird 
kuakas CEuvre aber auch noch durch eine 
ausgesprochen lyrische Tendenz ebensa wie 
durch Darsieliungen im siiie reiner gee- 
rrieirischer Absirakiien gekennzeichnei. Die 
zuieizi genannlen Arbeiien finden sich vor 
allem im saaiwerk. das verschiedenflich 
durch raiianaie Uberlegungen basiirnmi 
wurde. zuchi und Konlrolle, schiichiheii und 
(versuchle) Anonyrnilafslnd die Wesensmerk- 
52 
male van Bildern wie den zwischen 1'330 
und 1933 enfslandehen "Absiraclionen". 
Der geburiigc Tscheche und Wahlfrcinzase 
Frank Kupka (1940 kaufle die Ischcchische 
Reoublik (10 Bilder für ein Kupka-Museurn 
an) siarb am 21. luni 1957 in Pulcaux. lhn, 
nder slels ein innerlich zerrissencr Kunsller 
war" (Dorival). zu den inleressanfesfen 
Aullenseifcrn in der bildenden Kunsl der 
ersfen lahrzchnle unseres Jahrhunderls zu 
rechnen, schcinl angesichis einer Aussieliung 
wie der in Wien gezelgfen eine Selbslver- 
slandiichkeii (Abb. 4). 
SECESSION 
Müzenafenfum des "Blauen Adler" 
Mii einer durchwegs audliiaisvellcn Ausslel- 
iung rnadernar asferreichischcr Malerei. 
Flasfik und Graphik in der Wiener Scccsslon 
sieilie sich ersiniais der im Mai 1966 gegrünr 
dele Verband ,.Der blaue Adlcr". eln aus 
ararninenien Persanlichkeiien der Bau- 
lndusirie und des Wirßchaflslebens besfehen- 
der verein zur Forderung __zeiinaher Kunsl". 
der Orfenilichkeli vor. 
Die vereinigung. die aufGrund der zusam- 
mense1zung ihres varsiandes in der Lage 
sein sallie, zu einem wirksamen Fakiar der 
angesirebicn Annäherung von Künsllern und 
Publikum zu werden, will ihre fördernden 
Maßnahmen keineswegs auf blane sammel- 
ialigkeii baschranken. Man will vielmehr 
ndie verainsziala durch akiiue Miiarbeii 
prakflsch in die Tal urnsefzen" und die perr 
sdnlichen Konlakle zu Kiinsllern akllvleren. 
Von besbnderer ßedeuiiing erschaini lm 
Zusammenhang darnii die Absichi, Ver- 
bindung prlmür rnii jenen schbplerischen 
Kraflen herzuslellen. die eine „enge ver- 
bundenhcil zum Gels! unserer Zell doku- 
menfieren". Dieses Bekennlnis des Verbandes 
zur Maderne, zu einer aragressnien Kunsl, 
also nlchl zu dem, was ohnedies gewohnhelfsr 
maßig verankerl isi, darf daher in gleicher 
Weise als Verfrauensvorschuß wie Ver- 
pflichlung auigeiarii werden. 
Die von Krisllan Solriffer und dern Maler 
Prof. Paul Meissner organlslerle Aiissieiiung 
machfe einerseils mil Arbeilen hckannl, die 
bereiis von Milqliedern des "Blauen Adler" 
angekauii wurden (Einzelpersonen und 
Firmen), zeigie anderseiis aber auch eine 
erlesene Auswahl von Gernalden, Zeich- 
nungen und Skulpiuren. die nach Meinung 
der Organisalarcn die bildende Kunsl 
unseres Landes in vordersler Linic reprdsenr 
fdflv verfrelen und für Ankaule empfahlen 
werden konnen. 
Obwohl mehrere inferessanle Plashken von 
Reifer, Eder, Wolruba, iaeriarii, Leinieuner 
und Pranll zu sehen waren, darninlerie in 
der EXpOSlflOn eindeuiia die Malerei. Neben 
dern „Erzberg" Herberf Boeckls. einer 
blockhaflen „Figur" Walter Eckcrls, einer 
neuen figuraliven Arbeii von Paul Nlcissner 
und einigen Beispielen der Wiener schule 
beaegneie man ersiranglgen Bildern von 
Jirka, Pelcr Bischof. Maria Decleva. Hans 
Krenn, Johann Fruhmann, Ernsf lnsaini 
Oswald Oborhuber, Hans Sfaudacher. Max 
Weiler. Karl Plaiinei- und Heinrich Siindl. 
unier den Graphikern fielen vor allem 
Arnulf Rainer. Rudolf Schanwald, Hrdlicka. 
Haflehner. Gunlher Kraus, Frohncr, Phlllip. 
Flora und Hermann Painilz auf. Als cinz1ger 
keramiker irai kuri Ohnsarg nachhallig in 
Erscheinung. 
Hoffenflich begunsligf diese sehenswerte und 
wichiige Aussiellung auch weiierhin lene 
Enlwicklung. die sich ihre iniiiaiaren err 
warien (Abb 5 10). 
ZENTRALSPARKASSE 
Alfred Kubin 
Anlüllllch des Erscheinens der großen Kubin- 
Biographie Wieland Schrnieds im saizburger 
Residenz-Verlag veransfallefe die Zeniral- 
Sparkasse der Gemeinde VVlCn eine beieni 
dlsiinguierie Sanderaussiellung von so aus- 
gewahlien Zeichnungen aus dem der Alber- 
iina gchorigcn Nachlaf! des Meisiers von 
Zwickledl. 
Dr. Erwin Miisch. einer der profundesfen 
Kubin-Kenner in Wien, slellie die Auswahl 
zusammen. Dabei beruckslchllglc er wieder- 
holl auch weniger bekannle, doch nlchfs- 
desloweniger sehr aufschlußraiche. beein- 
druckende und schane blailer, die den zeich- 
rierlschen Rang dieses graßen cinzeigangers 
in der Graphik des 20. iahrhunderis guiiig 
unierslreichen. 
Nach reprüsenlaliven KubinrAusslellungcn in 
der Alberlina. in Hannover und Munchen 
sawie kleineren Expasifionen in Salzburg 
und Wien, die alle innerhalb der lclzfen 
Jahre sfaflfandcn und auf eine Kubln-Hausse 
hinauslaufen, erhob sich angesichls dieser 
neuerlichen Kublrl-lnlilialive selbslversfandlich 
die Frage nach deren Nalwendigkeil, was 
durch cincn bloßen Hinweis auf das Er- 
scheinen des umfangreichen Kubin-Buches 
allerdings nichi hinldngllch genug beani- 
worlel erschien. Nichis gegen Ari und Qua- 
liiai der sehenswerfen Aussieilungl Es sollle 
jedoch nichl iiardringiiehsie Aufgabe rnor 
dernen Mazcnalcnlums sein, hislorische Aus- 
sienungen zu zeigen, die anderswa enfr 
Sprechender am Plalz waren und nichi crsf 
der kuliurpaliiisehen Weichensleliung be- 
durferi. uni uberhauai zusfande zu kemmen. 
Das Geld, das dieses Sbarkasseriinsiiiui fur 
die Farderurig zeiigenbssiseher Kunsl zur 
verrugung sielli, rnußle _ nach gezieiier 
als bisher e ausschlleßlich darihin iließen. 
wo sansi eben kaum iernand zu geben und 
zu handeln barell isi. 
Die Zcilspanne, dlE durch die Exporlale 
abgesfeckl wurde, reichle von 1900 bis 1955, 
BILDTEXTE 4716 
4 
o-aassiasui 
Frank Kupka, „vers ia Dro . 1930 
(aus der Aussieilung des Kunsllers irn 
Museum des 20, Jahrhunderis, Wien) 
Blick in die Aussieliung dcs „Blauen 
Adler" in der Wiener Scccsslon 
wander ßeriani. siehender weiblicher 
Aki, 194a. H. 70 cm 
waher Eckeri, Figur, waz. oi, SOXSÖCm 
Anfon Eehrnden, Landschafl mii Spieger 
iung, 1'565.Ül.61)(7Zcrn 
Hans Slaudacher, Kruzirikaiian, 19.56. 
OLIOOXZOO crn 
kiki Kogclnik. Robols, 196a. Slernpel, 
Tusche und Crayan auf Papier, 59x 39cm 
(Abb. s 10 aus der Aussieiiuna des 
..biauen Adlers" in der Wiener secessibn) 
 
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Zeichnung van Pierre Balfcnsoerger (aus 
der Aussieliung des Schweizer Kunsilers 
im iniernaiianaien Kunsllerclub - lKC. 
Wlcn) 
Jahannes iiien. lm lahr1965 zur Refra- 
suekiiue des kunsiiers in der Galerie 
nachsi si. Sfephan. Wlan 
Achi Profoiypen zeigin walier Pichler 
in der Galerie nachsl si. SfEDhClll, Wien 
Lucla KellnenAauarell 
Kur! Mlkula. Nafurbefrachlilng (Abb 11. 
12 aus der Aussiellung der beiden 
Kunsller in der Galerie siubenbasiei. 
Wien) 
Bayer H.. Landschaflssfilleben, 19m (aus 
der Aussiellung des lnnsbruckcr Kunsllers 
in der Galerie Basllisk, Wien)
	        

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