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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 96)

dat, er starb als Neunzigjähriger. Die Ge- 
stalt des ernsten Mannes auf dem Gemälde, 
in Vollkraft und Reife dem Bcschauer zuge- 
wandt, strahlt etwas von der Festigkeit und 
Energie der Feldhauptleute des 16.]ahr- 
hundetts aus. Der Harnisch ist praktisch 
mit dem für das Diicker-Porträt gewählten 
identisch, nur erscheint er hier geschwärzt. 
Das sparsamer mit Edelsteinen geschmückte 
Ordenskreuz hängt an einem blauen Band, 
dem militärischen Rang des Porträtierten 
entspricht die gold-sehwarze Generals- 
feldbinde, die Attribute und der Hinter- 
grund folgen dem Kompositionsschema. 
Mit dem 1769 entstandenen Bildnis von 
jvbann EYYIJI Warmimd Graf Kmw wird die 
chronologische Lücke geschlossen. Kuen 
fiel Anno 1709 am Rhein. Stilistisch steht 
dieses Werk Königs wieder dem Porträt 
Dückers näher, auch hier bewegte aus- 
gewogene Haltung, die Aura des Höfischen, 
der selhstbewußte Blick, die Feldherrn- 
gebärde der Hand, die sich auf den Kom- 
mandostab stützt. Der Maler schwelgte im 
Prunk der schweren Stolfe und stimmte voll 
Geschmack das leuchtende Rot des in 
reichem Faltenwurf dtapierten Mantels zum 
schimmernden Grau des (blanken) Har- 
nisches und den matten Gold- und Tapisse- 
rietönen der Tischdecke ab. Das Ordens- 
kreuz zeigt sich als erlesenes Geschmeide. 
Dückers Nachfolger als Commandeur, Leo- 
pold Graf lßdron, wurde 1798 von einem 
Maler namens Schlanderer porträtiert. 
Weder in Benedikt Pillwcins Buch „Bio- 
graphische Schilderungen oder Lexikon 
salzburgischer verstorbener, teils lebender 
Künstler" (Salzburg 1821) noch bei Wurz- 
bach oder Thieme-Becker finden sich An- 
gaben über ihn. Bis auf die in ihrer Charak- 
teristik gut" erfaßtc Physiognomie ist das 
Bild eine recht mäßige Leistung. In der 
Kontraposthaltung der Figur und der 
Beinstellung schließt Schlandeter ziemlich 
eng an das Dücker-Porträt an, unter den 
Zeughausbeständen suchte er oder der 
Auftraggeber einen willkürlich aus goti- 
schen und Renaissanceteilen zusammen- 
gesetzten und nachträglich geschwärzten 
Harnisch aus, das Commandcurkreuz am 
Schulterband ist rnit goldenen Strahlen 
unterlegt und wiederholt sich in abge- 
wandelter Form auf dem großen Bruststern. 
Alles in allem erweist sich Schlanderer 
wesentlich einfalls- und kunstloser als 
König. Ein Mann der Mittelmäßigkeit, 
der das barocke Erbe nicht mehr bewältigen 
und verarbeiten kann und in einem lauen 
Epigonentum steckenbleibt. Das Lodrorf- 
sehe Wappen vollends - der silberne 
Löwe mit dem Brezelschweif auf rotem 
Feld -, samt Schildhaltern und Wappen- 
mantel ist ausgesprochen ungelenk gemalt, 
ohne jedes Gefühl für Heraldik. Überdies 
ist das Bild schlecht erhalten und stark 
nachgedunkelt. 
Das Porträt des letzten, 1802 gewählten 
Commandeurs, jolumn Ferdinand Dürker, 
Freiherr um Haxlau, Urrtein und Wink], eines 
im kaiserlichen und hochfürstlichen Dienst 
vielfach bewährten Offiziers, stammt von 
der Hand des Maulbertsch-Schülers, salz- 
burgischen Truchsesscn und Hofmz 
Andreas Nesselthaler (auch Andrä N: 
thaller) und entstand 1803. Leider ist di 
Werk durch einen fixierten Vorhang vi 
verdeckt, davor wurde eine Franzisl 
Statue aus der Devotionalienkonfek 
der Jahrhundertwende aufgestellt. b 
den Angaben in der Österreichischen Ku 
topographie wahrte Nesselthaler bei 1 
Bildnis den überlieferten Typus mit sei 
Stilmerkmalen. 
Erst 1811 erfolgte die Aufhebung 
SL-Ruperti-Ritterordens, dessen Güter 
Kapitalien fielen an den Verdienstorden 
bayerischen Krone. 1816 wurde Scl 
Emsburg von der Erzabtei St. Peter u 
Aufzahlung von 18.000 Gulden ge 
Liegenschaften in den bayerischen L4 
gerichten Mühldorf und Traunstein 
getauscht. Johann Ernsts eigenartige 1 
tung, die späte Ritterschaft der salzbu 
schen Paladine, gehörte endgültig der l 
gangenheit an und geriet in Vergessenbe 
Auf die Form des Ordenskrcuzes griff l 
jedoch 1914 wieder zurück, als in Salzb 
wie in der übrigen Monarchie, im St 
der patriotischen Begeisterung bei Kri 
ausbruch Ansteckabzeichen für die Z 
bevölkerung ausgegeben wurden (frex 
liche Mitteilung von Herrn Hofrat Dr. 1 
bert Klein, Salzburger Landesarchiv). 
I0 
12 
Almchnitt aus dem Pomä: von Johann Ernst Waxmund 
cm Kucn (Abb. s) mit dann juwelcnbaelzten Com- 
mandcurkxcuz. Schärpe und DegengritT 
Großkxcuz des Salzburgisdzen SL-Rupcrti-Rjtfemldtns. 
Silber. mit blauer Emaillierung. Bayerhches Armee- 
muscum. Münchm 
Commandeurkreuz des Salzburgischcn SL-Ruperd- 
Ritlcrordens, mit Edelsteincn besetzt. Inhaber nicht 
feststellbar (das rote Band sollte xlxeng nach den Bestim- 
mungen des Ordens schwarze Randstxeifcn aufweisen). 
Bayerisches Armecmuscum, München 
Ördenswapperl des Salzburgischeu SL-Ruperti-Rittcr- 
ordens. Drittcs Blatt im „Ritterbuc ", 1702. Salzburgu 
Landcsarchiv 
Schloß Emsbuxg, Ostfmid: gegen die Hellbnmntt 
Allee, Salzburg 
Der Verfasser dankt dem Saizburger Lan 
archiv, der ehrwürdigen Schwester ' 
kuratorin des Muttcrhauses Schloß E 
burg sowie Herrn Dr. Erwin Aucr, lei 
dem Direktor des Kunsthistorischen 
seums, Herrn Dr. Bruno Thomas, Dire 
der Waffensammlung des KUIISIhiSIOIiS( 
Museums, und dem Bayerischen An 
museum, München, für großzügig gcwä 
Hilfe und wertvolle Hinweise zum Thl 
LITERATUR 
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fassung aller geistlichen und weltlichen, erloschenen und 
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