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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 98)

zeichnenderweise gibt es schließlich Fuß- 
turniete nur noch auf dem barocken 
Theater, in der Oper, als Schaustellung und 
Spiel. Aus der taktisch bedingten Dressur 
des Kriegspferdes, dessen gesamte Be- 
wegungen der Attacke und dem Schutz des 
Reiters zu dienen hatten, wird mit einer 
Wandlung ins Ästhetische und Artistische 
die Spanische Hofreitschule. Die Fecht- 
kunst, durch die FeuerwaEe im Grunde 
zum reinen Sport mit lediglich ganz be- 
schränkter Bedeutung im Felde gestempelt, 
erhält sich wohl bis heute. Aber sie lebt 
außer in der Form des gestellten und ge- 
regelten Zweikampfes lediglich als Körper- 
und Geschicklichkeitsübung. Der Streit- 
kolben ist endgültig zum Rangabzeichen 
geworden. Seine letzte Form ist der Mar- 
schallstab, nicht mehr die Waffe, sondern 
Symbol und Schmuckstück. Die Stangen- 
waife überdauert, nachdem die Pike als 
ihre letzte Form im Felde ihre Rolle beim 
Infanteristen des 17. Jahrhunderts ausge- 
spielt hat, nur noch als Rangsymbol von 
Offizier und Unteroflizier des 18. Jahr- 
hunderts. In den noch bestehenden Monar- 
chien erfüllt sie eine letzte Funktion als 
Prunkstück der Leibgarden. 
Die Vorherrschaft der durch chemische und 
technische Erfindung ins Leben gerufenen 
Feuerwaffe als einzig ernst zu nehmendes 
Kampfmittel ist im 2. Viertel des 17. Jahr- 
hunderts endgültig entschieden. Für den 
Fürsten bedeutet dies, daß neben der fort- 
gesetzten Übung im Reitsport die Beherr- 
schung der Handfeuerwaffe in all ihren 
Formen immer intensiver geübt werden 
muß, will er vor seinen Soldaten, vor 
seinem Hofstaat, vor dem Publikum seiner 
Feste als „sportliche" Erscheinung, in 
seinen Körperkräften, seiner Reaktions- 
fähigkeit, Wendigkeit und Geschicklichkeit 
bestehen. Gelegenheit und Mittel dazu war 
vordem das Turnier. Kaiser Maximilian I. 
hatte es in 21 Formen kodiüziert. Jetzt ist 
es das festliche Scheibenschießen und die 
Jagd. Besonders die Jagd, weidmännisch 
aufgefaßt und betrieben, verbindet den 
Herrscher mit der Natur außerhalb der 
festen Mauern seiner engen Residenz. Im 
Falle Wiens war diese oft genug durch den 
Feind von Ost und auch von Nord tödlich 
gefährdet. 
15 Augpburg (Konxad llichtcrä), datien 1551: 
Prunkharnisch du: Blau-goldenen Gamilur des Spättrtn 
Kaisers Maximilian n. (1527-1564). (A svs) 
Infolge dcr Ausweitung über die Periode 
1620 hinaus ist die riesige Säulengalerie im 
Obergeschoß der Neuen Burg seit 1967 durch 
die Waffensammlung belegt und mit neuer 
Vitrinenausstattung versehen. Hier also 
herrscht ganz im Gegensatz zum harnisch- 
prunkenden Ringstraßentrakt die Hand- 
feuerwalfc ganz offensichtlich vor. Büchse, 
Flinte und Pistole sind in einer Vielfalt der 
Formen und der dekorativen Möglichkeiten 
in einem konstruktiven Erfindungsreichtum 
vertreten, den wahrhaft niemand bisher auch 
nur ahnen konnte. Die Hvfjagd- und Gewehr- 
kammem stellen den Hauptteil des zur Schau 
gebrachten Materials. 
Daß die Aufstellung heute bis zum Ende 
der Monarchie, bis 1918, fortgeführt er- 
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