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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 98)

 
Diese neue „Wafiensammlung" innerhalb 
der „Hofmuseerf auf dem Maria-Theresien- 
Platz kämpfte allerdings, wie auch alle 
anderen hier vereinigten Sammlungen, trotz 
aller Großartigkeit des Gebäudes des 
Kunsthistorischen Museums, von Anfang 
an mit der Raumnot. So mußten Hunderte 
von Gewehren zum Teil allerhöchster 
Qualität in den Hofstallungen verbleiben. 
Auch eine Serie von Gardewaffen blieb 
ausgeschlossen. Ganz abgesehen davon, 
daß heute noch - 1952 neu organisiert - 
auf Schloß Arnbras, als Teil des Kunst- 
historischen Museums, die größte Schloß- 
rüstkammer in situ vor allem von Har- 
nischen des 15. bis 17. Jahrhunderts steht, 
die es in der abendländischen Welt gibt. 
(In ihrer Kategorie wären die Südtiroler 
Churburg und etwa Kopenhagens Rosen- 
borg zu nennen.) 
Der Aufbau der Waffensammlung, wie sie 
im Kunsthistorischen Museum stand, sowie 
die Anlage ihrer Inventare zeigten jedoch 
immer noch die Nachwirkungen ihrer Ent- 
stehung aus verschiedenen Teilen. Es gab 
da einen Tumietsaal, obwohl doch in den 
vielen Harnischgarnituren der Kriegs- 
waifensäle unzählige Verstärkungs- und 
Wechsclstücke für die verschiedensten Tur- 
nietformen mit enthalten waren. Es gab 
einen Saal „Oriei-it" in Nachfolge der alten 
„Türkenkammerl" des 16. bis 18. jahr- 
hunderts, obwohl türkische und gar unga- 
rische orientalisierende Waffen auch anders- 
wo in verschiedenen Sälen zu finden waren. 
Es gab zwei Säle Jagdwaffen, und doch 
Jagdgewehre und jagdpistolen in anderen 
Zusammenhängen. 
Noch die Neuaufstellung von 1936 in der 
Neuen Burg, die wesentlich mehr Aus- 
stellungsfläche erbrachte, Wies einen Saal 
VII: Turnier und einen Saal VIII: Schuß- 
walfen auf. Die restliche Hofgewehr- 
kammer der Hofstallungen war in der 
ersten österreichischen Republik (ebenso 
wie die Wagenburg bis 1951) der „Waffen- 
sammlung" angegliedert. Sie konnte jedoch 
lediglich depotmäßig verwahrt werden. 
Durchgeordnet und immer wieder erneut 
Wissenschaftlich bearbeitet (von August 
Grosz, Thomas T. I-Ioopes, Hans Schedel- 
mann), blieb sie doch in ihrer ganzen Bc- 
deutsamkeit dem Publikum unerschlossen, 
den Fachleuten mangels Publikationen weit- 
gehend unbekannt. 
Darin ist nun eine beträchtliche Wandlung 
eingetreten. So gut wie sämtliche Hand- 
feuerwaffen sind systematisch ausgestellt, 
in zeitlicher Folge nach Herkunftsländern, 
Erzeugungsstätten und nach Meistern. Die 
ganze Sammlung hat so gut wie keine 
Depots mehr aufzuweisen. 
Phasen der Stilentwicklung benennt man 
in Österreich nicht nach seinen Herrschern, 
obwohl man mit gleicher Berechtigung 
etwa von einem „Stil Maximilian I." oder 
„Stil Karl VI." sprechen könnte, wie man 
in Frankreich selbstverständlich vom „stylc 
Louis XIV, XV, XVI" spricht.
	        

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