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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 98)

In der Warfensarnmlung allerdings stehen 
die Herrschernamen mit Recht obenan in 
der Saalbeschriftung. Drückt doch die 
Waffe, an seinem eigenen Körper getragen 
(daher die Bezeichnung Leibrüstkammer), 
den persönlichen „Stil" des Herrschers 
ganz unverfälscht aus. Die Waffe entspricht, 
zumindest seit er erwachsen ist, ganz seiner 
eigensten Wahl. Vorher bestimmt allenfalls 
der Vater, der dazu die Mittel gibt, auf 
welche Art der Sohn mit der Waffe zu 
repräsentieren hat. Die heutige Museal- 
aufstellung gibt klar zu erkennen, was 
innerhalb der Lebenszeit, innerhalb der 
Regierungsperiode eines Herrschers von 
ihm selbst und rund um ihn, unter seinem 
Einfiuß und nach seinem Vorbild an indi- 
viduellen und an Prunkwaffen getragen 
worden ist. 
Da wird persönliche Vorliebe für diese 
oder jene Waffengattung offenbar. Be- 
stimmte Leithguren und Symbolgehalte 
der Vergangenheit tauchen auf. Wesens- 
züge wie vornehme Zurückhaltung oder 
Schwache für Pomp und Übertrieben- 
hciten, Neigung zu höchster Verfeinerung 
oder zu barbarischen Wirkungen kommen 
zum Vorschein. Da werden eindeutig 
einzelne Schulen, Werkstätten und Meister 
bevorzugt, dort gewisse Materialien und 
Dekorationsarten. Nationale Eigenheiten 
gelangen zum Durchbruch. Es wirkt sich 
in der Bewaffnung des Herrschers aus, in 
welcher Residenz er regiert und Hof hält, 
in welcher Region, gegen Welchen Feind 
er zu kämpfen hat. 
Maximilian I. selbst lehnt die Handfeuer- 
waffe für sich selbst strikte ab. Sein Enkel 
Karl V. ist darin 10, 20 Jahre später das 
ganze Gegenteil. Dieser Kaiser bevorzugt 
ferner ganz eindeutig Augsburger Plattner. 
Sein Sohn Philipp II. geht, sowie er eigene 
Bestellungen macht, sofort auf Landshuter 
Harnische über. In ganz Madrid ist kaum 
ein Harnischteil aus dem offenbar zu rusti- 
kalen Innsbruck, kaum ein Harnisch aus 
dem evangelischen Nürnberg erhalten. 
Ganz eigentümlich entwickeln die fran- 
zösischen Herrscher seit Franz I. um 1530 
ihre über die ganze Fläche getriebenen 
Königsharnische. Die Kämpfer an der Ost- 
front, wie Erzherzog Ferdinand II., unter- 
liegen dem orientalischen Eini-luß und Vor- 
bild. Sie treten nicht wie alle anderen 
Renaissancefürsten alhantim auf, sondern 
sozusagen alla turca, all'ungheresc, auf 
I-lusarisch. In den Waffen Rudolfs II. 
kommt der Formwille seiner Prager Hof- 
werkstatt zum Ausdruck. Die Wade Fer- 
dinands III. spricht in ihrem Ernst und 
ihrer Diisternis von den schweren Zeiten 
des SOjährigen Krieges, nach dessen Ende 
offenbar ein Aufatmen auch durch die 
Kunst der WaEenschmiede geht. Die Waffe 
Karls VI. verkörpert den österreichischen, 
lebensfrohen, überreichen Spätharock, 
Frucht des Heldenzeitalters. Noble Zurück- 
haltung ist für Franz Joseph I. auch in 
seinen Waffen kennzeichnend. 
So ergibt die Darstellung des höfischen 
Lebens in der Aufeinanderfolge der Herr- 
scher zugleich die beste Veranschaulichung 
16 
Süddeuudx, um 160011610; 
0mm Bcrrlstein-jagdbßrcck mit dm Bildnisen Hein 
am; 1v., Königs von Frankreich (1553-1610), um 
seiner Gemahlin Maria von Medici. (1) 207)
	        

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