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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 98)

Hermann Steininger 
NEUZEITLICI-IE KERAMIK 
IN NIEDERÖSTERREICH 
Fzyencctcller, Axbcit dcs Hahancrx Emmericus Odllrr. 
datitrl 1689. Sammlung Stift Zwcltl, Niederösterreich 
Hzfnerlcller, Waldvicnlcr Werkstätte. datiert 1694. 
Sammlung j. Anton, Zwcltl. Nicderöslerreich 
Fayencckrug mit Zinnmouücxun , Weikimm Bin- 
sd1owilz, Mährcn, datiert 1727. uscum Groß-Sieg- 
hans, Nicdcrösterrcidx 
Fayenoetcller, vielleicht Frühfonn des Langcnloiscr 
Typus, datiert 1741. Nicdcrösterreichisdics Landes- 
muxum, Wien 
Faycncckrug, Fischzuer Werkstätte des Tobias Dorner. 
tailliert 1743. Östcrnichisrhts Museum für Volkskunde, 
ICH 
ANMERKUNGEN 1- 13 
l H. Sreiniriqfv. Hoch- und spltmirteiallcrliche Keramik in 
Niederösterreich. Alle und moderne Kunst, 12. ]g., 
Heft 91, MärzlApril 1967, S. 37. 
1 Die datierte Keramik der Neuzeit in Niederösterreich. 
Sonderausstellung vom 4. Se lember bis 8. Oktober 1967 
in der Handelskammer Ni Crösterreidi, Herrengaße 10 
(NÖ. Landesmuseum), Wien 1967, S. lO, Nr. 13; H. Stei- 
ninger. Die Keramik vom 16. bis zum iijahrhundert in 
Niederösterreich. Zur Ausstellung du NO, Lande:- 
museums „Die datierte Keramik der Neuzeit in Nieder- 
österreich". Östcrrcid-xische Ärzlezeitung, 22._Ig., Heft 15, 
10. August 1967, S. 1644, Abb. 
3 Die datierte Keramik der Neuzeit, a. a. 0., S. 5. 
4 Ebd., S. 9, Nr. 5. 
5 Ebd., Nr. lO. 
ß Ebd., Nr. ll. 
7 Franz Lersner, Dir: Habaner - ihre keramischen Arbeiten 
und ihre Außraggeber. Alrc und mudcme Kunst, 12.13., 
Heft 91, MärzlApril 1967, S. 21 (T. 
l Vgl. cbd. S. 23, Abb. 5. 
9 Die datierte Keramik der Neuzeit, a. a. O., S. 9, Nr. 6. 
W Ebd., Nr. 2. 
11 Ebd., Nr. 7; vgl. F. Lexxner, Die Hahaner, a. 2. 0.. S. Z3, 
Abb. 6. 
13 Die datierte Keramik der Nclnuit. 1.2. O S 9, Nr. l: 
Arbeirerzcitung (Wien), 7. September 196 , . , Abb. 2. 
Ü Die datierte Keramik der Neuzeir, a. a. 0., S. 9, Nr. 2. 
22 
   
Das Spätmittelalter, insbesondere die Zeit 
um 1500, erbrachte für den Bereich der 
verschiedenen Sachkulturgüter bemerkens- 
werte Neuerungen; so ist es auch bei der 
Keramik. Man kann gerade im 15. jahr- 
hundert materiell eine deutliche Form- 
vermehrung bemerken. Die Ware ver- 
feinert sich immer mehr. Die des 16. jahr- 
hunderts zeugt dann meist von einer hohen 
Qualität; sie steht jedoch in der konti- 
nuierlichen Tradition spätmittelalterlicher 
Formen und Herstellungsmethodenl. 
Es sind vor allem zwei formal Varianten- 
reiche Arten, die damals Verbreitung 
fanden: einmal eirgfnzbe, auf der Töpfer- 
scheibe gedrehte, meist grau bis schwarz, 
seltener schon gelb, rötlich bzw. braun 
gebrannte unglaxierle llajßiererzeugnixse, die 
hauptsächlich als Küclicngerätschaften, Vor- 
ratsbehältnisse und Kacheln? verwendet 
wurden; dann besonders seit dem Ende 
des 15. Jahrhunderts auch hellgelblich bis 
bräunlich gebrannte und manchmal an- 
schließend glaxierle Ilafnerware. Zunächst 
treten vielfach gelbe oder rötliche und dann 
dunkelbraune Glasuren auf, während grüne 
erst etwas später allgemeiner zu werden 
beginnen 3. Dabei ist aber vielfach nur die 
Innenreite der Bewahrgefäßc glasiert, 
während im allgemeinen die Außenseite 
frei bleibt. Der Rand allein wird, wie es in 
manchen anderen Landschaften üblich ist, 
kaum jemals glasiert. Später jedoch be- 
kommt meist auch die Außenreite eine 
Glamr, so daß vielfach zwei verschiedene 
Farben an einem Objekt sichtbar sind. Auf 
Grund dieser Tatsache zeigen im 18. und 
19. Jahrhundert viele Schüsseln, Reinen, 
Backmodel und Kacheln, gelegentlich auch 
plutzerartige Formen außen verschiedenste 
Grünglasuren, während die Innenseite viel- 
fach den abgestuften Farbgruppen gelb- 
braun-dunkelrötlich vorbehalten blieb. 
Seit dem Hochmittelalter sind die Her- 
steller solcher Waren, die Hafner, zu 
Zünften zusammengeschlossen. Sie lassen 
sich in den meisten niederösterreichischen 
Städten und Märkten, die zugleich auch 
Innungssitze waren, aber auch allenthalben 
auf dem Lande, in den dazugehörigen 
Innungsbezitken, nachweisen. Es waren 
aber jeweils nur bis zu vier Meister in 
einem Bezirk tätig, wobei in der Regel 
wieder jeder Meister nur einen Gesellen 
beschäftigte. Abgesehen von konjunktur- 
bedingten Schwankungen hat sich bis um 
die Mitte des 19. Jahrhunderts dieser 
Zustand kaum geändert. Die meisten dieser 
Produkte fanden auf den lokalen Märkten 
ihre Käufer. Gegenüber dem später auf- 
tretenden, bunten, freundlich hellen Ge- 
schirr der Krügler, bei denen auf weißem 
Grund gelbe, grüne, blaue und Mangan- 
farben überwiegen, wirken alle diese Er- 
zeugnisse farblich ziemlich stumpf; sie 
waren Zweckformen für den täglichen 
Gebrauch. Nicht viel anders sind die auf 
weißer bis dunkelbrauner Engobe mit 
Erdfarben bemalten und anschließend mit 
einer farblosen Glasur überzogenen Hafner- 
teller von der Mitte des 17. jahrhunderts 
bis um 1750. Die meisten davon werden 
wahrscheinlich als oberösterreichischer Im- 
pott den Donauweg entlang ins Land 
gekommen sein. Vermutlich jedoch haben 
bald darauf auch niederösterreichische, ins- 
besondere Waldviertler Werkstätten solche 
Waren erzeugt. Eine sichere Unterschei- 
dung beider Gruppen ist schwierig. Auf 
eine Herkunft aus Oberösterreich deuten 
vielfach Zeichnungen von Granatäpfcln mit 
Rankenwerk sowie Tulpensprossen zwi- 
schen geliedertcn Leisten 4, auch Signaturen 
und Jahreszahlen wurden gerne in den 
Fond oder in die Fahne hineinkomponiert, 
während ein kleinerer Hafnerteller aus 1710 
mit dem relativ geringen Durchmesser von 
26,6 cm auf Grund seines Fundortes wahr- 
scheinlich schon einer Waldviertler Werk- 
stätte zuzurechnen sein wirdi. Hierhin 
deutet im übrigen auch ein münzdatiertes 
Hafnerteller-Fragment mit einer therio- 
morphen Darstellung eines Vogels und der 
Jahreszahl 1724 6. Darüber hinaus scheinen 
die beiden letzteren Stücke - abgesehen 
vom Formalen i nicht zuletzt deshalb ein- 
heimisch, weil sie jüngeren Datums als die 
vorherigen sind. Sie alle stellten eine 
wesentliche Bereicherung des bisher be- 
kannten Geschirrs dar und hatten wohl in 
den seltensten Fällen dem täglichen Ge- 
brauch zu dienen; in vielen Stuben waren 
sie allein eine Zierde der stattlichen Teller- 
borde. 
Obwohl freilich solche Hafnererzeugnisse 
auch durchaus im Rahmen der Weiter- 
entwicklung und Verbesserung der Hafner- 
erzeugnisse autochthon entstanden sein 
können, dürfte nicht auszuschließen sein, 
daß sie sozusagen die Aufgabe hatten, als 
Konkurrenz gegen die seit dem 16. Jahr- 
hundert immer stärker auftretende Xlein- 
{eugware und Majolikaergeugnixse zu wirken. 
Denn etwa seit dieser Zeit werden in 
unseren Raum aus West- und Süddeutsch- 
land, Italien, aber auch Westeuropa Fayence- 
Prunkkeramiken aller Art eingeführt, die 
rasch in den oberen Schichten, bei Adel, 
Geistlichkeit, im Bürgertum und den 
Ziinften Eingang fanden, während die 
einfache Bevölkerung zunächst höchstens 
Abnehmer der geschilderten engobierten 
bemalten bleiglasierten Hafnerware blieb. 
Dieser soziologische Aspekt ist sehr wesent- 
lich. Aber schon seit der zweiten Hälfte 
des 17. Jahrhunderts begannen zahlen- 
mäßig den westlichen Import habanirche 
Gefäße aus Südmähren und der Slowakei 
zu übertrelfen, die weitum im Land - 
gleichfalls in den finanzkräftigen Kreisen 7 
Abnehmer hatten. Bis zum Beginn des 
18. jahrhunderts nahmen diese Erzeugnisse 
eine bevorzugte Stellung ein und erreichten 
eine starke Verbreitung7. Formal äußerst 
qualitätvoll sind vor allem die älteren 
Stücke, die für l-Iochzeitenß oder andere 
denkwürdige Anlässe und Festlichkeiten 
eigens bestellt und angefertigt wurden. Die 
älteren Krüge und Teller besitzen fast aus- 
schließlich einen sparsamen Dekor, z. B. 
einfache Rahmen- und Kranzkartuschen, 
Wappen mit Großbuchstaben sowie natür- 
lich Datierungen. Manche Gefäße freilich, 
wie etwa der Bergmeister-Willkommkrug
	        

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