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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 98)

einen Stierkopf mit Fleischbarte zeigtll; 
an einem anderen sieht man eine Wein- 
traube 32, ein dritter führt an derselben 
Stelle ein Brezel33. Im Gegensatz zur 
Hollabrunner Gruppe besaß die Langen- 
loiser Gruppe eine längere Lebensdauer, 
ihre Hauptproduktion lag erst nach 1800, 
die Erzeugung reichte fast bis an die 
Schwelle unseres Jahrhunderts. 
Die Jt. Pältner Gruppe beginnt mit dem 
schon erwähnten sogenannten Jagdkrug 
von 1756, der typisch profane Jagdmotive 
aufweist 34. Die Leibung des nächsten 
Kruges (Abb. 8) aus dem Jahr 1769 besitzt 
fünf senkrechte Furchen und entsprechende 
Abflachungen. In fünf Arkadenkartuschen 
befinden sich verschiedene Heiligendar- 
stellungen: Agnes, Ursula, Barbara uncl 
Christina 35. Im übrigen sind hier religiöse 
Themen durchaus geläuiig. Zwei Stücke 
wiederum (Abb. 13) tragen am Bauch 
einen Stierkopf mit Signatur und Jahres- 
zahllö. Kartuschen mit Jahreszahlen ohne 
weitgreifcndere Ornamentik finden sich 
seltener. Rein weltliche Motive hingegen 
sind in ihrer Schilderung besonders aus- 
führlich. So zeigt z. B. ein beiderseits be- 
malter Doppelhenkeltopf mit niederem 
Hals aus dem Jahre 1796 auf der einen 
Seite eine Bandlkramerin und auf der 
anderen einen Kraxentrager mit Krauthobel 
in der Hand37, während an einem Krug 
von 1827 zwischen zwei Stufenbäumen ein 
spielender Baßgeiger dargestellt istlß. An 
einem weiteren aus dem Jahr darauf sieht 
man einen Vogel auf einem Stein zwischen 
Stufenbäumen39. Ein besonders inter- 
essantes Stück dieser Gruppe ist ein Scherz- 
krug mit der Signatur „S. Martin" zwischen 
aufgemalten Blüten und dem Namen 
„Martin Dombek" aus dem Jahte 1848, 
an dessen Innenboden ein grün glasierter 
Frosch aufgesetzt istwl Obwohl nicht über- 
mäßig viele Stücke dieser Gruppe erhalten 
sind, war sie lange sehr lebenskräftig, bis 
zum Ende der achtziger Jahre sind noch 
verschiedene Exemplare nachweisbar. 
Die Firrlzauer und die dieser verwandte 
Lßohzrxdarjfer Gruppe sind die letzten. Wie 
schon erwähnt, wissen wir vom ältesten 
datierten Stück, einem Fayencekrug mit 
Weberemblem aus dem Jahr 1743, daß er 
aus der Werkstätte des Tobias Dorner 
stammt". Erst weit später, aus 1767, ist 
uns als nächste Arbeit ein Krug des Hafners 
Ferdinand Sterer in Brunn an der Schnee- 
bergbahn bekannt (Abb. 7), der als Tauf- 
geschenk für Johann Georg Haas ange- 
fertigt und mit der Signatur IGH versehen 
wurde". Bezeichnenderweise ist er an 
seiner Vorderseite mit einem hl. Georg im 
Kampf mit dem Drachen in Bandkartusche 
geschmückt. Er stellt einen der wenigen 
Belege dar, aus dem sich nachweisen läßt, 
daß solche Gefäße als Taufgeschenke eigens 
angefertigt wurden. Der nächste (Abb. 10) 
fällt formal gesehen etwas aus dem Rah- 
men. Er besitzt fast Kugelform und einen 
niedrigen zylindrischen Halskragen, wäh- 
rend man in seiner grünen Kranzkartusche 
die Jahreszahl 1780 und zwei Schreiber- 
schlangen sieht43. Ein weiterer (Abb. 11) 
26 
zeigt an seiner Vorderseite Frntegeräte und 
etwas rechts davon einen n trinkenden 
Bauern". Ikianchmal existieren Gleich- 
stüeke wie zwei Krüge mit Darstellungen 
„Noah am Rebstock" aus dem selben 
Jahrß. Neben profanen Themen stehen 
gelegentlich religiöse. Viele Gefäße jedoch 
tragen aber auch nur Kranzkairtuschen, 
Blüten, Signaturen, Hausnummern und 
Jahreszahlen (Abb. 15). Charakteristische 
Exemplare nach 1800 besitzen öfters Kar- 
tuschen aus Hahnentritt- und Punktreihen- 
kombinationen in den vier Scharffeuer- 
farben. Manchmal finden sich da und dort 
Zeugnisse einer Rotmalerwerkstätte, wie 
z. B. ein Krug aus dem Jahr 1822 mit einer 
im übrigen gar nicht so häuhg auftretenden 
Zinnmonticrung, dessen Leihung viermal 
melonenartig senkrecht gerieft ist. An ihm 
sehen wir aufgemalt zwei aufgerichtete 
Löwen mit einem dreigenagelten Herz, 
darüber eine dreizackige Krone mit Kreuz 
und der Signatur l.l", beiderseits davon 
stehen Blütensprossc, als Bodenmarke ist 
ein L aufgemaltüv. Andere Krüge dieser 
Werkstätte wiederum ' igen gängige Wall- 
fahrtsmotive oder einfache Volksszenen. 
(Abb. 16). 
Neben diesen Hauptproduktionsstätten 
stehen natürlich einige kleinere, deren 
Bedeutung wesentlich geringer war. Anzu- 
merken ist jedoch, daß, besonders in der 
Spätzeit nach 1800, immer wieder aus dem 
Nordosten, Osten und Südosten Nieder- 
österreichs, vor allem aus Mähren, der 
Slowakei" und dem Burgenland Majolika 
und Hafnerwaren eingeführt und abgesetzt 
wurden, wodurch oft formale Zusammen- 
hänge und Überschneidungen mit der ein- 
heimischen Majolika zustande kamen. 
Demgegenüber haben aus dem Westen 
höchstens Gmunden und Salzburg, viel 
weniger die Steiermark und Böhmen Ein- 
fluß besessen. Bei all dieser Vielfalt von 
Majolikaerzeugnissen darf aber nicht ver- 
gessen werdcn, daß daneben die Hafner 
selbstverständlich einfaches Hafnergeschirr 
weiterhin produzierten und bis zum Beginn 
des 20. Jahrhunderts im bäuerlichen Haus- 
halt absetzten. Vifaren diese (Seräte täglich 
in Verwendung, so galten die Maiolika- 
geräte vielfach als festliches Tafelgeschirr. 
Mit der rationellen fabrikmäßigen Erzeu- 
gung von Steingut und Porzellan in läöhmen 
und Mähren und nicht zuletzt in Nieder- 
österreich selbst kam dann um die Mitte 
des vorigen Jahrhunderts langsam das 
Ende der Hafnerei und der Majolika- 
erzeugung. Die neue Sachlichkeit ver- 
drängte das Handwerk, das sich wirtschaft- 
lich nicht mehr halten konnte, auch der 
Geschmack wandelte sich. Nur im Be- 
reich der kunsthandwerklichen Erzeugung 
reichte es gelegentlich zu epigiwnenhafter 
Tradierung alter Herstellungsmethoden und 
Formen. Obwohl heute diese handwerk- 
lichen Iraditionen so gut wie völlig über- 
schichtet sind, gibt es manchmal Anzeichen 
dafür, daß geschickte Kompromisse zwi- 
schen alten l-iberliefertingen und gediegenen 
persönlichen Leistungen eine neue Auf- 
wärtsentwicklung einleiten. 
 

	        

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