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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 98)

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Cornelxus Kolig www9.- 
Aussicllung in der am. 
rie nächsi 5+. Shzphcn. 
Wien 
Bild von Bruno Gironcoli 
(aus der AussäeHung des 
Künsllers m der Galerie 
nächstSLSäephumWien) 
 
Wiederholt wird man durch diese. ein sehr 
klarß. primär ornamentales Stilbewußtsein 
verratenden Exponate an die Moderne 
erinnert. vor allem an Paul Klee. dessen 
wandlungsfähige. subtile Mal- und Zeichen- 
kunst hier überraschend aktuelle. geheimnis- 
volle Vorläufer tindet (Katalog Nr. s). 
Mit der Eroberung des Inka-Reiches durch 
die Spanier trat in der originären Entwicklung 
peruanischer Kunst und Kultur ein krasser. 
beinahe vollständiger Bruch tnitder Tradition 
ein. Für die Ausschmückung neugegründeter 
Kirchen und Klöster wurden europäische 
Maler. vor allem Italiener. Flamen und 
Spanier wie z. B. Bernardo Bitti (1SÄBi1610) 
und Aggelino Medoro (etwa 1547-1629). 
nach Ubersee eingeladen. Diese Künstler 
übten nachhaltigen Einfluß auf ihre Zeit- 
genossen und deren Nachfolger bis zum 
nde des 1B. Jahrhunderts aus. Sie schufen 
die Vorbilder für die indianischen und 
mestizischen Künstler. die später dte domi- 
nierende Schule von Culca bildeten. In den 
Bildern dieser Schule finden sich trotz wesent- 
licher europäischer Einflüße lokale Besonder- 
und Eigenheiten, eine gewisse malerische 
Steifheit und graphische Exprssivilät, die 
gelegentlich i auch im Hinblick auf den 
stimmungsgeholt der religiösen Darstel- 
lungen i an Votivbilder und die Kunst der 
Naiven erinnern. Der dritte. der Moderne 
geltende Abseimitt. zeigte. daß auch in Peru 
jene Kunstströmungen en vogue sind. die 
auch in der übrigen freien Welt im Mittel- 
punkt der Auseinandersetzung mit dem 
Gegenwartsschaffen stehen: Pop- und op-Art. 
Hard Edge. reine Abstraktion und Neue 
Figuration. Von nneruanischer Eigenart". 
wie es im Katalog heißt. ist zwar nicht viel 
zu spüren. nichtsdestoweniger verdienen 
jedoch Leute wie Shlnki und Hastings Auf- 
merksamkeit. 
MUSEUM FÜR ANGEWANDTE KUNST 
Schwedisches Holz 
Plakate von Georges Mathieu 
In Zusammenarbeit mit der Zentralvereini- 
gung der Architekten Österreichs zeigte das 
"Schwedische Institut in Stockholm" im 
Museum für angewandte Kunst in Wien eine 
Wanderausstellung unter dem Titel "Mit 
Holz leben". Die wirkungsvoll eingerichtete 
Schau behandelte das Thema in sehr weit- 
gestecktem Rahmen. berücksichtigte Ge- 
schichte und Gegenwart, und unterstrich die 
enorme Bedeutung. die dem vielseitig ver- 
wendbaren Werkstoff in Schweden. einem 
Land. dessen Flüche mehr als zur Hälfte mit 
Wald bedeckt ist. tukommt. Wenn auch 
nicht alle Möbel und Gebrauchsgegenstände. 
mil denen die populäre Ausstellung bekannt- 
machle. als vorbildlich zu werten waren. 
sa lag das Gras des Gezeigten hinsichtlich 
Entwurf und Ausführung doch über der 
vergleichbaren Durchschnittsproduktion an- 
derer Länder. 
Georges Mathieu, am 17. Juni 1921 in Bou- 
logne-sur-Mer geboren. Vorkämpfer und 
zugleich einer der maltgebendsten Vertreter 
des lyrischen lnformel. zählt zu den interes- 
santesten i und wohl auch intelligentesten i 
abstrakten Malern nach 1945. Seine größte 
Popularität erreichte er vor rund zehrt Jahren. 
als die Malerei der Franzosen die gesamte 
internationale Kunstszene beherrschte. Ma- 
thieu zählte damals zu jenen Malern. über 
die in Kreisen der Avantgarde am meisten 
diskutiert wurde. Erst mit dem Aufkommen 
von Pop-Art. Neuem Realismus und den 
diversen Spielarten kinetischer Kvnst wurde 
es um Mathieu etwas stiller. Dasßenommee 
des Künstlers. der sich zur "Asthetik des 
Risikos" bekennt. hatte darunter allerdings 
kaum gelitten. Ebenso zeigt die allerjiingste 
Vergangenheit. dali Mathieu wiederum gut 
im Rennen liegt. Seine Rolle für die Ent- 
Wicklung abstrakter Malerei ist jedenfalls 
nicht zu übersehen. 
Die Gelegenheit. Mcllhieu auch als ange- 
wandten Künstler kennenzulernen. gab eine 
sehenswerte Ausstellung im Museum für 
angewandte Kunst in Wien. die fünfzehn. 
vom Künstler für die französische Fluggesell- 
schaft Alr France geschaffenen Plakate ent- 
hielt. Mathieu. der in ihnen das Wagnis auf 
sich nahm, ,.ein so vielfältiges Ganzes wie 
die Seele eines Volkes in die Sprache der 
lyr hen Abstraktion zu übertragen". hat 
mit seinen symbplhaften Darstellungen. die 
trotz genauen Uberdenkens den Atem des 
Spontanen. Lebendigen besitzen. einen Weg 
beschritten, der der modernen Werbung 
kräftige Impulse geben könnte. Das vor 
allem deshalb. weil hier Künstler und Auf- 
traggeber bewußt von dem Abstand nahmen. 
was sonst aus Gründen kurzfristiger Renta- 
bilität (und ebensolcher Kurzsichtigkeit!) von 
selten der Industrie und Wirtschaft verlangt 
wird. Die Serie der fünfzehn eleganten. 
technisch jeweils verschiedenartigen. in sehr 
komplizierten Druckvorgangen hergestellten 
Plakate. ist ein Musterbeispiel wirkungsvoller 
Werbung hohen künstlerischen Niveaus. 
(Abb. 4i6) 
 
GALERIE NÄCHST ST. STEPHAN 
Cornelius Kotig 
Bruno Glroncoli 
Kunststoff-Bildobjekte. Kunststoff-Plastiken. 
Prototypen für eine Plastik zur industriellen 
Massenfertigung. Tastobiekle. Temperaturin- 
nenplasttken und einige dazugehört e Skiz- 
zenblätter des 1942 in Vorderberg in ärnten 
geborenen Malers Cornelius kolia stellte die 
Galerie nächst st. Stephan in Wien aus. 
Kolig. der bereits 1963 mit seiner ersten 
Kollektive von Rontgenplostiken und Röntgen- 
graphiken am selben Ort als ausgespro 
Außenseiter und Nonkonformisl in E 
nung trat. konfrontierte auch in diesl 
fassenden Schau mit ausgefallenen 
rischen Experimenten, die i bei aller 
schiedlichkeit im Material und der TEHK 
Aufmerksamkeit verdienen. 
Die Objekte. an denen Kolig - nicht 
auch unter großen materiellen Opf 
während der letzten Jahre arbeitete. 9 
sich in zwei Gruppen: in die romanl 
aus Polyester. Hctrtschaum und a 
Kunststoffen auf Homogen-Platten 
stellten "Bildobjekte" (in ihren gatlerti 
Zusammenballungen und Farben et 
sie an Muscheln. Schwämme. mens 
und tierische Eingeweide, an Verkrust 
Eruptionen und ähnliche Vorgänge) 
die rationell ausgewogenen, äslhe 
Plexiglasobiekte. Plastiken und Prototyl 
Mil den zuletzt genannten Werken v 
Kolig zweifellos starkeres Interesse . 
den konglomeratartigen niäildobiektet 
dui Grund ihrer Fülle an vegetativer 
ziationen bestimmt nicht jedermanns 
sind. Kolig erreicht in seinen transpa 
auf verchromten Elsensockeln stel 
Plexiglasobjekten ein ausgewogenes 
nungsverholtnis von Material und For 
zusätzliche Reize und spielerische 
durch eine dem Besitzer dieser C 
überlassene Kombinatorik und Aus 
barkeit einzelner Elemente hinzugt 
Eine schwierige. in vielem aufschlul 
und sehenswerte Ausstellung. die den 
doxen Begriff von bildender Kunst l 
in Frage stellte. 
in einer weiteren aktuellen Schau zeit 
vielumstrittene Avantgarde-Galerie Al 
des 1936 in Villach geborenen Ki 
Bruno Gironcoli. Girancoli. der 1' 
Innsbruck seine Lehre als Gold- und 
schmied abschloß. zwei Jahre bei Pr 
Bäumer an der Akademie für angel 
Kunst in Wien studierte und seit 1'. 
Freischaffender tätig lSt. entwarf 19a: 
ersten Polyesterplasllken. Weiterentw 
gen davon. voluminöse. mitunter auch 
tektonischen Elementen verpflichteli 
Silber-. Kupfer oder Goldfarbe über: 
Objekte und Gebilde. bildeten zusamnr 
mehreren Bildern äh licher Tendenzt 
nächst St. Stephan prasentierten Quel 
durch Gironcolls bisheriges CEuvre. 
Man merkt diesen schwer definierbar 
Grenzbereich der Pop-Art anzusied 
Werken an. daf! sie von jemandem sta 
dem dos künstlerische wagnis e unab 
von opportunistischen uberlegungen - 
viel bedeutet. Glroncoli. dessen Be; 
außer Frage steht. konfrontiert mit 
veränderbaren Grundvokabular für 
mencles. Er provoziert. indem er sict 
oder nur schwer deuten ldllt. Eine g 
verbindliche Bestimmung seiner Arbe 
daher weder möglich noch erstrebet 
Was Gironcoli. der seinen Bildern und l 
objekten keine Titel gibt. will. ist die rr 
tane Auseinandersetzung mit dem c. 
fenen. Ahntich. wie er selbst in Eti 
von Werk zu Werk. an Vorherigt 
k ft. soll auch der Betrachter die 
plizierte Problematik seiner sehr subie 
frappierenden und zweifellos auch 
zeitkritischen Bilder und Skulptur: 
Kenntnis nehmen. (Abb. 7. s) 
GALERIE WÜRTHLE 
Kurt Moldovan 
Über den außerordentlichen Ran! 
Zeichners Kurt Moldovon innerhal 
österreichischen Nachkriegskunst ist rnt 
seit Jahren einig. Um so mehr Freut 
rettete daher eine Ausstellung neuer Al 
des bekannten Wiener Künstlers i 
Galerie Wiirthle. die abermals den 
erbrachte. daft Moldovan sein Pulvet 
lange nicht verschossen hat. Seine iül 
vitalen und mit der von ihm gewi 
graphischen Vehemenz gefertigten 
nungen. größtenteils Ausbeute seiner 
monatigen Mexico- und USA-Reise. 
durchweg exzellente. kapriziöse. 
ständige Blätter. die hinsichtlich Fort 
Inhalt über seltene Adäquanz verfüge 
Moldovans Sensibilität. die sich in gl 
Weise im graphischen Duktus wie in 
überaus geistvotlen Behandlung der g. 
ten Themen zeigt. verleiht den mittelg 
Formaten inhaltliche und zeichne 
Spannungswerte. die den Betrachter zt 
sehr verschiedenartigen. vielseitigen 
einandersetzung mit dem Dargstellte 
fordern. 
Moldovans Blätter erfordern gerade 
ihrer ungewöhnlichen Spontaneität unc 
inneren Dynamik eine Form der Betrac 
die neuen und veränderbaren Ast 
gegenüber offen ist. also eine gewisse g 
Flexibilität voraussetzt. 
Gegenüber den dreißig. mit Bedacl 
erste Qualität auSyewähllen Zeichn 
(darunter auch mehrere Arbeiten, l 
Kürze als Zyklus ..Cortes in Mexico' 
Verlag für Jugend und Volk herausge 
werden) nelen die zehn New-York-Aqi 
des Künstlers beträchtlich ab. Die Aussl 
bewies somit. daß der Zeichner Mol 
dem e schon besser gewesenen - 
Moldovan noch immer einiges vorat. 
(Abb. 9) 
GALERIE AUF DER STUBENBAS 
Kurt Möser 
Peter Kubovsky 
Mehr denn ie fordert heute i inmitter 
Inflation an optischen Eindrücken - 
Aquarell zu konzentrierter. das 

	        

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