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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 97)

so fallt einem die Betonung des Plastischen 
auf. Die Figuren sind fast dreiviertel rund 
vor den Hintergrund gestellt, die Köpfe 
außerordentlich charaktervoll modelliert. 
Bezeichnend für die Arbeiten von Hans 
Kraut ist, daß cr die Gesichter wie auch 
die Fleischpartien (Hände) meist unglasiert 
lalßt, im Gegensatz zu vielen anderen 
Werkstätten, die die Gesichter glasiert 
haben. Durch die unglasierten Köpfe er- 
reicht er eine größere Schärfe im Ausdruck. 
Möglich, daß bei einigen mit einer kalten 
Bemalung später nachgeholfen wurde, jetzt 
ist nur noch der hellrötliche Ton zu sehen. 
Die Farben auf dem Wiener Kachel sind 
wie auf anderen Kachelreliefs: Neben 
einem stumpfen Blaugrün steht ein dunkles 
Manganbraun, ein dünnes, fast durch- 
scheinendes Kupfergriin und ein opakes 
Zinnweiß. Wichtig ist noch, daß an dem 
Wiener Relief wie an den Hans-Kraut-Öfen 
ein kaltes Gold angebrannt wurde, das 
sich bei anderen l-lafnerkacheln nur sehr 
selten findet. Hans Kraut gebraucht es 
jedoch oft. Typisch für ihn ist, daß er 
mit Kobaltblau hin und wieder kleine 
Motive auf weißem Grund malt. Auf dem 
Wiener Relief ist das Blau schon mehr ins 
Schwarze gegangen. Die Bäume sind aus 
vielen dicht aneinander gereihten kleinen 
Blättern lanzcttartig mit fiederartigen Rip- 
pen gebildet. Diese lanzettartigen Blätter 
zeigen eine weitere Eigenart des Meisters, 
ebenso das moosartige Kraut, das den 
Grasboden andeutet, sowie die Einker- 
bungen im stets dunkelgrün glasierten 
Erdboden. 
Zur weiteren Identinzierung des Nörd- 
linger Reliefs sei noch eine große Kachel 
von dem Laxenburger Ofen mit der Dar- 
stellung des heiligen Georg herangezogen 
(Abb. 2). Diese Kachel beündet sich mit 
zwei weiteren Baldachinkacheln (Abb. 3, 4), 
im Depot des Österreichischen Museums 
für angewandte Kunst in Wien und war 
wie der große Ofen aus Schloß Laxenburg 
dorthin gekommen. Diesen Ofen hatte 
zuerst E. W. Braun9 besprochen und 
abgebildet. Es ist anzunehmen, daß die 
drei schmalen Kacheln von einem Oberbau 
dieses Ofens stammen und nach dem Ab- 
reißen später nicht mehr mit aufgesetzt 
wurden. Der Laxenburger Ofen hatte 
demnach noch einen zurückspringenden 
Oberbau gehabt, wobei die Kachel mit 
dem heiligen Georg auf der Vorderfront, 
die einfacher modellierten Kacheln an den 
Seiten eingebaut waren. Daß die Georgs- 
Kachel aus der Werkstätte des Hans Kraut 
stammt, steht außer Frage. Hier sind wieder 
die Fleischteile, Köpfe, Hände und Beine 
unglasiert, und die Modellierung stimmt 
auch mit dem Nördlinger Relief überein. 
Auch sind neben den typischen Farben 
einzelne Teile mit Gold gehöht. Bleibt 
nur noch die Frage der Datierung. Der 
Londoner Ofen ist 1578 datiert und der 
Laxenburger Ofen, der diesem stilistisch 
nahesteht, müßte also in die gleiche Zeit 
fallen. Auch das Nördlinger Relief muß um 
diese Zeit entstanden sein. Wenn man 
bedenkt, daß man farbig glasierte, mit dem 
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