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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 97)

standen, vorfindet. Die Farben der Glasuren 
sind Kraut nicht besonders gelungen; wir 
haben es auch mit einem verhältnismäßig 
frühen Werk zu tun. Vielleicht war es aber 
auch Absicht, keine allzu glänzenden und 
aufdringlichen Glasuren zu verwenden, 
sondern wenige und matt wirkende Farben, 
damit das Plastische besser zur Geltung 
kommen kann. Daß Hans Kraut sonst die 
Herstellung guter Glasuren damals kannte, 
beweist die Pilasterkachel von 1532. 
Schließlich möchte ich noch auf ein großes 
Wappenrelief im Mainfränkischen Museum 
in Würzburg, das nach freundlicher Mit- 
teilung von Herrn Direktor Dr. von 
Freedcn als eine Werkstattarbeit des Hans 
Kraut bezeichnet wurde, aufmerksam ma- 
chcn (Abb. 14). 
Das 40 cm hohe und 33 cm breite Kachel- 
relief ist aus dem süddeutschen Kunst- 
handcl 13 seinerzeit erworben worden. Das 
überaus kräftig geschnittene Wappen mit 
den Ranken und Helmzieren ist virtuos 
modelliert. Es konnte nur in einer be- 
deutenden Werkstätte entstanden sein, und 
deren gab es damals im süddeutschen 
Raum nur wenige. Die Art, wie das Wappen 
in das Rund eingepaßt und mit Rosetten 
ausgeschmückt ist, erinnert an die Arbeiten 
unseres Meisters. Das Relief ist ebenso wie 
die meisten seiner Arbeiten aus der freien 
Hand modelliert, somit eine einmalige 
Arbeit. Die Farben am Rahmen sind grün 
und gelb, die Eckzwickel goldgelb, das 
Wappen gelblich und die Helmdecken 
grün und blau, Kehlrahmen rotbraun und 
der Grund blau. Wenn auch die Farben 
nicht ganz der Farbenskala der Kraut'schen 
Werkstatt entsprechen, so kann es daran 
liegen, daß der Hersteller sich wohl zum 
Teil an die Wünsche des Auftraggebers 
gehalten hat. Die Datierung ist nicht leicht, 
doch dürfte die Formgebung der Kachel 
um die Mitte des 16. Jahrhunderts anzu- 
setzen sein. Das Stück ist immerhin würdig, 
in einer solchen Hafnerwerkstatt seine 
Entstehung gehabt zu haben. 
Eine Fayencekachel (29,5)(33 cm) im Lan- 
desmuseum in Zürich ist auf weißem, 
etwas krakeliertem Grund hauptsächlich 
blau bemalt und zeigt eine Viola spielende 
Dame, auf einer Bank sitzend (Abb. 10). 
Die anderen Farben wie Gelb und Grün 
sind nur wenig angedeutet. Dieses Stück 
hatte schon Kornhasl4 als eine Arbeit 
von Hans Kraut angesehen, obwohl kein 
Monogramm, sondern nur die Jahreszahl 
1552 angebracht ist. Auch Karl Frey hat 
bei der Beschreibung der Steckborner 
Keramik15 die Kachel als Arbeit des 
Hafners Hans Kraut erwähnt. Es spricht 
zwar manches dafür, daß sie aus seiner 
Werkstatt stammen könnte, indessen hält 
ein guter Kenner der Schweizer Keramik, 
Dr. Schnyder, sie eher für eine Schweizer 
Arbeit. Die Viola spielende Dame ist 
ziemlich Hüchtig und unsicher gemalt, 
die Haare wie die Gewandfalten haben im 
Duktus manches, was an die Malweise von 
den Kraut'schenFayencekacl1e1n erinnert; so 
vergleiche man die Kacheln auf dem Lon- 
doner Ofen mit der Darstellung der Kreu- 
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