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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 97)

14 Hans Kraut. G 
fränkisches Mu. 
s Wappcnrelic 
., Würzburg 
1550. Mm 
14 
Fayencekachel aufbewahrt, die zwar nicht 
monogramnliert, aber im Stil sehr mit der 
Kreuzensteiner Kachel verwandt ist. Sie 
ist rechteckig und stellt das Urteil Salomons 
dar. Der Spruchls übet der Darstellung 
heißt ins moderne Deutsch übertragen: 
„Der König hält Rat über Ungehorsame 
am Gerichtstag von Jerusalem." Nach dem 
Katalog im Landesmuseum gilt sie als 
oberdeutsch aus der Zeit um 1530 (Abb. 11). 
Einer sehr verwandten Darstellung be- 
gegnen wir auf einem Stich von Virgil 
Solis. Die etwas unsicher gemalten Figuren 
wirken in der Haltung steif, es sind auch 
wesentliche Motive bei dem Urteil Salomons 
weggelassen, so zum Beispiel die bittende 
Frau mit dem Kindlein im Korb. Der 
Maler hat die Figuren unsicher und 
die Architektur dürftig angedeutet. Wenn 
Kraut den Stich als Anregung genommen 
hat, so hat er wesentliche Vereinfachungen 
vorgenommen. Zum Vergleich zu den 
einwandfrei für Hans Kraut belegten 
Fayencekacheln ist die mit der Darstellung 
der Kreuzigung am Londoner Ofen heran- 
zuziehen. Dort sind die Figuren ebenfalls 
steif gemalt und in der Pinselführung bei 
der Strichelung der Gewandschatten über- 
einstimmend. Auch die Behandlung der 
Gesichter und Haare ist ziemlich gleich 
(Abb. 12). Ein großer Maler war Hans 
Kraut nicht, seine Stärke lag stets auf 
24 
plastischem Gebiet. Schließlich ist noch 
der Duktus der Schrift auf der Stuttgarter 
wie der Londoner Kreuzigungskachcl zu 
vergleichen und als verwandt anzusehen. 
Auf den Fayencckacheln des Hans Kraut 
ist Öfters eine dünne Krakelierung wie 
auch an dem Stuttgarter Relief zu linden. 
Da die Stichvorlagc zu der Kreuzigungs- 
darstellung auf dem Londoner Ofen auf 
Virgil Solis zurückgeht W (Abb. 13), nur daß 
der Meister die Darstellung reduziert hat, so 
wäre es denkbar, daß auch der Stich Salo- 
mos Urteil von Meister Virgil Solis 29 von 
Hans Kraut?! benutzt wurde, wobei er 
die schon erwähnte Vereinfachung in der 
Darstellung vernahm. 
Virgil Xoli: war zu seiner Zeit einer der 
fruchtbaxsten Kleinmeister, seine Holz- 
schnitte und Stiche fanden bei den Kunst- 
handwerkern 11 große Verbreitung. Er 
zeigte eine formcnreiche Sprache in seinen 
Darstellungen, die von flotten, schwung- 
vollen Zierleisten eingerahmt waren. Frei- 
lich ist es den Handwerkern nicht immer 
gelungen, die reichbewegten Motive und 
die zeichnerische Qualität seiner Graphiken 
in das Kunstgewerbe zu übertragen. 
Die hier besprochenen Arbeiten des Hans 
Kraut mögen dazu anregen, sich wieder cin- 
gehender mit ihm zu befassen, um mit 
der Zeit einen Gesamtüberblick über sein 
Lebenswerk zu gewinnen. 
ANMERKUNGEN 18-22 
15 Nach freundlicher Mitteilung von Herrn Archivdirektor 
Dr. Schamnhofex m: Sudurcbiv der Laudßhällpßlldl 
Münchzn. 
19 Vcrglcidu Andr.  l S hs h 
Die Kreuzigung n irgi o A . vcr leic e Lip hzide 
Abb. 13 a. a. 0.. bibl. Figuren. Fnnkgurt 1562 mdf. I. 
131). Die Zeichnung iuf der Hans-Krlut-KnChz-l ist v:r- 
stümmcit Wißdvrßßgcbttn, indem nur ein Außßthnil! des 
Stiche: gezeigt wird. 
WVergleiche L1 pcrhcide, Das Rheinische Sltinllll und 
die Graphik er Renaissance. Berlin 1962. S. 23 . 
7-1 Das Urteil du: Saiomcn, nach Virgil Solis. Vergleiche 
Lippcrhcidß, 2. I. 0.. Abb. 24 (Ahdf. I. 57). Bibl. Figlltttl. 
Frankfurt 1562. 
11 Vergleiche Konrad Strauß, Die Kachelkunsl des I5. und 
16. Iahrhnndens. Tafel 61, l.
	        

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