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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 97)

Franz Windisch-Graetz 
DAS MODELL FÜR DEN 
SILBERRAHMEN 
DES GNADENBILDES VON 
SONNTAGBERG 
Schon einmal wurde in dieser Zeitschrift 
über die Errichtung des Hochaltars in der 
Wallfahrtskirche von Sonntagberg (in 
Niederösterreich) berichtet, als es sich darum 
handelte, die Beteiligung des Wiener Bild- 
hauers jakob Christoph Schletterer aufzu- 
zeigen 1. Diesmal war es ein ganz aktueller 
Anlaß, der neuerlich das Interesse auf das 
großartige Altarwerk Melchior Hefeles 
(1716-1799) lenkte. 
Das Kunstgewerbemuseum in Schloß Char- 
lottenburg zu Berlin hat vor längerer Zeit 
einen reichgeschnitztcn Rokokorahmenl 
erworben, über dessen Herkunft zunächst 
nichts Näheres bekannt war und der trotz 
sehr beachtlicher Qualität doch manche 
Probleme auf-warf. Als erstes stellte sich 
die Frage, wieso dieses prächtige Werk 
nicht die geringsten Spuren einer Fassung 
aufweist. Und daran schloß sich sogleich 
die Vermutung, daß eine derart exakt und 
virtuos ausgeführte Schnitzerei, die alle 
Motive bis in die kleinsten Details wieder- 
gibt, anscheinend gar nicht für dfe An- 
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bringung einer Vergoldung oder derglei- 
chen bestimmt gewesen sein konnte. XVclche 
Bewandtnis hatte es aber dann mit diesem 
Rahmen? War er niemals seiner Bestim- 
mung zugeführt worden, und welche hätte 
diese sein sollen? Am ehesten schien er als 
Spiegelrahrnen geeignet, denn für ein 
Gemälde entfaltet er durch seine raum- 
greifende, bewegte Komposition ein viel 
zu starkes Eigenleben; allerdings ist für 
einen Spiegel die lichte Weite sehr gering 
bemessen. Bleibt aber immer noch die 
Frage offen, in welcher Umgebung ein 
ungefaßter Lindenholzrahmen zu damaliger 
Zeit hätte Platz finden sollen. In hüiischc 
Räume - und nur für diese schien er doch 
bestimmt zu sein - mit ihren weiß- 
goldenen Boiserien oder Stukkaturen hätte 
er nicht gepaßr. Es nimmt dnhcr nicht 
wunder, daß solche Widersprüche den 
Verdacht aufkommen ließen, es handle sich 
um eine Nachempnndung aus dem 19. jahr- 
hundert, wofür die Überladenheit und die 
üppig wuchernden Formen als Begründung 
u1vf'_._"'x47"74sj9(7'flk'I-q'ux""" 
l Entwurf fur den Hocllaltar der Wallfahrtskirchc von 
Sonnlagberg. tlt-t Ttntlltlnn nach von Atthitaltt Melchior 
Hcfclc. dttn Sdwpfcr des Altars, angefertigt. Lavicrtc 
Fed leichnung; die vergoldet vorgesehenen Figuren. 
lxt , Umamenre nntl die Strahlen um das Gnadenbild 
tinti mit Gukl gehixhr, der in Silber auszuführende 
Rahmen, ebemu WIE die Engelsköpfe und Wolken mit 
Silber gehüllt. ult- silhatraths ist im Lauf der Zeit nxydicrt 
und daher st-hiiatz geworden. Papier auf Leinwand 
kaschiert. 95 t 53,5 cm. SlIpCHOTHI Snnntagberg 
 
ANMERKUNGEN Im6 
l F. Windisch-Gruclz. Die Entstehungsgeschichte des Hoch- 
almrcs von Sonnmgberg und die Mnmmrengel von 
J. c. Srhlcrtercr, in: Alte und moderne Kunst, s. Jg. 
(W63), Heft ss. . 16. 
l Lindenliolz auf Fithvenholzkcrix; Hohe: 272 Cm. oben: 
Breite: 214 Cm. untere Breite: 174 Cm. 
3 lrh möchte nicht versäumen, an dieser Stelle S. Gnaden 
Ahr Albert Kilrzwernharr von Seilcnstetten und Hofrat 
l'. Anrun Unterhofer suwie P. Bmedikt Wagner, die 
meine Arbeit in entgcgenkommender Weise unterstützt 
lnln-ti, tnt icn aufriChtigStcn natilt auszusprechen. 
4 Archiv Scltcllsrelten. 46 B, Fnsz. 3: Ricdl erhielt für die 
Anfertigung des Rahmens 2250 Gulden Arbeitslohn. Er 
halle „obgemcldte Rahm, als ein approbirtes Modell, 
vollsrälldilz. künsllich. und glcichsehcnd. und nach cou- 
zeliro gelnelrcn Herrn Hifelc iumusstellig, in Zeit zwcycr 
jahreli von nun an . . . herzustellen". 
jivscph Wilhelm Riedl. geb. m4 (Geburtsort unbekannt). 
gesr 20. v. 1790 in Wien. Bürger seil 12. 1.1754 (Stuben- 
vi rd). (iarrin: Joseph: bulleckcr, geb. 1725 in wit-ti, 
gt-sl. 3.4.1798 in Wien (Pfründnerin). m Archiv der 
Stadt Wien. Bürgerhuch älfol. 176, 36] fol. 33; Portheima 
Karalng. A 
Weitere Urkunden iln Archiv der Srzdr Wien: 
Zunflbueh der burgerlichcn (Rßldwhmid! allhier in Wienn 
1635m17. t i.5", pag.143. Nr.351: "Anno 1751 den 
22 Iuly hat Herr Ioscph Riedl seine 3 Maistcrsiuck der 
Ordnung nach gtivisül und ist vor einen Mitbruder 

	        

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