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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 97)

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2 Auvschuxill um Abb. 1. Dcutlxch sind die auf den Sunlxlcn 
um dm (inudclzbilxl ungcordxxctcn. hcurc fchlcndcxl 
(lhcnxlvskopfchcn und Wolken sowie (h: um die unter: 
Minßlvnlntr gefuhrte Girlande zu sehen. 
ins TreEen geführt Wurden. Schließlich 
glaubten manche, den Rahmen auch kunst- 
gcographisch nirgends überzeugend cin- 
ordnen zu können. 
Um so erfreulicher War es daher, daß dic 
Meinung jener, die nie an der Echtheit des 
Rahmens gezweifelt haben, nun von hier 
aus als richtig bestätigt werden konnte. 
erkennt worden, hat keine Mahlzeit gehen. die 50 Kreuzer 
in die Laht (Zunftlade) und 6 Kreuzer vor Titl. Herrn 
Münzmaistet sind erlügt worden". - Bei anderen 
Meistern heißt hat auch sein Mahlzeit geben 
nebst Erlcgung s vor  Ricdl muß also damals 
in ärmlichen Verhältnissen gelebt haben und hat es 
scheinbar auch später knum zu Wohlstand gebracht, wie 
aus den von ihm geleisteten Steucm hervorgeht. 
Stcucrbuch 24jfol. 8371111 den Iahren 1752753: 4 Gulden 
pro Jahr; 
1754-58: 8 H 
25lfol. B84: 1759-61: 4fi; 1762772: 3 H; 
1774784: 2 fl: verarmt". 
Aber vielleicht hielt es Ricdl mit der Ehrlichkeit gegen- 
über an- Steuerbehörde nicht immer ganz genau. denn 
neben dem Rahmen von Sonnta berg, wofir er doch 
eine recht beträchtliche Summe b: am, Sehuf er mit dem 
prächtigen Silbcrtnbcrnakcl und zwei R iquiarien in der 
Kirche der Englischen Fräulein in SLPöllen (1777) ein 
Weiteres sehr bedeutendes Werk der Wiener Silber- 
schmiedekunst, das die mchrfachen Edelmetalhbgabcn 
überstanden hat (laut freundlicher Mitteilung von akad. 
Restaurator M. Pfnßcnbidxlcr). 
Aus dem Tou-npmxukuu- 21.9.1790. HJoscf Riedl, 
hürgcrl. Gold- und Silberar itcr, beim Walfisch Nr 108 
in der josc hssradt. arn Gcdirmbrand. 76 Jahre all." 
„Spam-R: ation 1 Toden-Fali in der josephstadt 1 Namen 
des Verstorbenen: 1-1. Joseph Riedl 1 Condition: bürgerl. 
Silberarbcitcr 1 Stand: vcrchelicht 1 Wohnung: Nr. 10a 
 
 
in der Joscphstadt l Sterbng: 21. Seprember 1790 l Nach- 
gelassene Ehegattin: Josepha Riedlin 1 Nachgelascne 
Kinder: 4 1 Großjihrige, und wo selbe sich befinden: 
Franz de Paula in Aupburg, Uhrgeheisrnadier, Christina 
bcy oeann Nadasti in Prag Kammerjungier, Eleonore 
zu Haus. oscpha bey Herrn Hofrat Umni in Dienst." - 
Für die crmittlung der nbigen Angnben sage ich Herrn 
Oberarchivrat Prof. Dr. Hrinns Jäger-Sunstenau vom Ar- 
chiv der Stadt Wien meinen herzlichsten Dank. 
Carl Knies". Wiener Goldschmiedezeichen aus den Jihlßtl 
1731-1850. Wien 1905, 5.8: 1781, LRiedl, Meister- 
markc IWR in einem Oval. 
Vikxor Rcitzncr, Alt-Wien-Lexikon an Österreichische 
und Süddeutsche Kunst und Kunstgewerbc, 3. BCL, 
Edelmetalle und deren Punven. Wien 1952. S. 176, 
Lfll. Nr. M 727 der Liste der bürgerlichen Wiener Gold- 
schmiede nach 1722 bis 1784: los. WilhJUedl, Meister- 
zcichcn IWR in einem Oval; Tätigkeit als Meister: 
1752 bis nach 1781. vor 1792. 
5 Über das Schicksal des Modells - ob cs tatsächlich nach 
Anfertigung des Silberrahmens von Wien naCh Seiten- 
stetren gelangte und wann es von dort fnrtkam e, dar- 
über ist nichts bekannt, Der Rahmen tauchte nach dem 
Zweiten Weltkrieg im Kunslhandel auf, kam von München 
über Wien und Hamburg wieder nach München, wo er 
auf der Antiquitätenmcsc 1966 von Direktor Dr. Arno 
Schönbcrgcr an das Kunstgewerbanuscum Berlin- 
Charlottenburg erworben wurde. 
ß Archiv Scitenstcttm, 46 B, Fasz. 2. 
Nachdem sich zunächst eine weitgehende 
Übereinstimmung zwischen dem Berliner 
Stück und dem Silberrahmen des Gnaden- 
bildes von Sonntagberg nachweisen ließ, 
gelang es, durch Nachforschungen im 
Archiv des Stiftes Seitenstetten (zu dem 
die Wallfahrtskirche Sonntagberg gehört) 
nicht nur die Zweckbestimmung des Holz- 
rahmens, sondern auch den Namen des 
Meisters eindeutig festzustellen 3. Es handelt 
sich um keinen geringeren als um Melchior 
Hcfelc selbst, den Architekten des Altars. 
Das geht aus einem Vertrag hervor, den 
Aiit Dominicus Gußmann von Seitenstettcn 
und Joseph Wilhelm Riedl, „bürgerl. Gold- 
schmidt in Wienn", am 17. Juni 1753 in 
dem niedcrösterreichischen Benediktincrstift 
unterzeichneten4. In der Einleitung heißt 
es im Anschluß an die Nennung der beiden 
Vertragspartner, daß dieser Kontrakt 
„wegen Verfertigung der zu den Gnaden 
Bild auf den Sonntag Berg gehörigen 
Rahm, wie solche nach dem von Holtz in 
Rechter Grösse vorgegebenen, und von 
Herrn Melchior Häfele, Architecten, hierzu 
gemachten Modell auch unter seiner Direc- 
tion in Silber herzustellen, folgender massen 
beschlossen worden ist". Da der Vertrag 
eigens festhält, daß das Holzmodcll „in 
Rechter Grösse", also maßgerecht bzw. 
in Originalgröße ausgeführt sei, um dem 
Goldschmied als Vorlage zu dienen, kann 
wohl kein Zweifel mehr daran bestehen, 
den Berliner Rahmen als Hefeles Modell 
zu identifizieren. 
Es mag vielleicht verwunderlich erscheinen, 
daß das Modell erhalten blieb. Aber auch 
darüber gibt der genannte Vertrag genaue 
Auskunft. Der die Verpflichtung des Gold- 
schmiedes beinhaltende Abschnitt schließt 
nämlich mit dem Auftrag, daß Riedl „das 
vorgegebene Modell wiederum in alten 
stand bey verfertigter Arbeith zurückzu- 
stellen" habe5, und dieser Passus wird 
durch einen Brief Hefelesö ergänzt, der 
außer einer nochmaligen Bestätigung von 
dessen Autorschaft auch Einblick in die 
Arbeitsweise gewahrt, wonach bei der 
Ausführung eines derartigen Auftrages 
vorgegangen wurde. Am 20. August 1751 
schreibt Hefele aus Wien an den Abt nach 
Seitenstetten, als er erfahren hatte, daß 
dieser nach Wien zu reisen beabsichtige: 
„Euer Hochwürden diene gehorsam durch 
gegenwärtiges zur Berichtung, wie dass 
die Rahm von Holtz, in rechter als das 
Modell, zu den Gnaden Bildt, bereits ver- 
fertigt habe, wie nicht weniger das Modell 
des Tabernaculi eben sowohl in wiirk- 
lichem Begtiß (also ebenfalls in originaler 
Grösse) wo in beyden mein eigene Handt 
nicht spahre, und weilen solche Modelle 
zu der würklichen Silberarbeit nach Ge- 
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