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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 99)

5 Lambach, Stiftskirche; ehemaliger Wcstchor 
Szeneufeld 20 (Fngmcnt): Christus aus der Synagoge 
von Nzurcth verstoßen? 
AYIHIIIICI A", UIC Hul lllll ÄUEgCIILIILCI. älllu. 
Von rechts treten Maria und Joseph hinzu, 
welche ihn nach dreitägigem Suchen im 
Tempel gefunden haben. Der Innenraum 
wird durch ein symmetrisches architek- 
tonisches Rahmengebilde aus Türmen, 
Säulen und Arkaden dargestellt. 
13 Zeugnis ßlmrme: de: Täuferrfür Cbrirlurü. 
Der Vorläufer steht mit schriftloser Rolle 
in der Linken vor einer Bergkulisse und 
weist mit der Rechten auf Christus. Gegen- 
über eine Gruppe von sechs Männern ver- 
schiedenen Alters, der vorderste mit Buch, 
vermutlich jüdische Priester und Leviten. 
14 Das Feld ist durch frühere Feuchtig- 
keitseinbrüche so stark versintert, daß mit 
bloßem Auge nichts Konkretes ausgenom- 
men werden kann. Die technologische 
Untersuchung ermöglichte es, auf einem 
Oleat die Umrißlinien dreier Figuren zeich- 
nerisch zu erfassen: von links nach rechts 
johannes d. T., frontaler nackter Christus 
und Engel, ferner Spuren des Jordan (P) und 
des Himmelsegments mit der Taube. Daher 
Tau e CIJriJII-W. 
15 Tbeopbanie nur!) rler Taufe Cbrixti55. 
Christus steht nackt auf einem kleinen 
Standhügel und wird von zwei seinen 
Körper mit Tüchern einhiillcnden Engeln 
flankiert; die Taube verweilt auf seinem 
Haupt. Links Johannes d. T. mit schrift- 
loser Rolle, nicht taufend, sondern Zeugnis 
gebend; im Zenit eine sich aus dem Him- 
melsegment vorwölbende Sphäre; darin 
der Kopf Gott-Vaters im Profil mit aus 
dem Munde hervorkommenden Strahlen. 
Im wesentlichen bloß in der Untermalung 
erhalten. 
16 Der Gule Hirt56. Christus steht, durch 
einen Baum von 15 getrennt, mit der Taube 
über dem nimbierten Haupt, umgeben von 
vier Schafen oder Lämmern: die Rechte 
segnet, die Linke hält ein jetzt fast nicht 
mehr erkennbares Buch, Womit auch auf 
das Lehramt alludierr wird. Die Zusammen- 
stellung der in der evangelischen Chrono- 
logie ziemlich auseinander liegenden Gegen- 
stände 15 und 16 ist am ehesten damit zu 
erklären, daß zwischen Taufe und Gutem 
Hirten seit altersher liturgische Bezüge be- 
standen haben 57 und die Vorlage für diesen 
Ausstattungsreil aus einem baptisterialen 
l'[UgIHlT1lT1 SLZHTHTICII Konnte. nrnaltllngS- 
zustand wie bei 15. 
17 jem: wird verweht, Kleine in Brol {u uer- 
wandelnW. Ziemlich beschädigt. Christus 
mit der Geisttaube und Satan stehen in der 
Mitte des Feldes. Kopf und Oberkörper 
des Vcrführers zerstört. Oben fünf Halb- 
Hgurenengel, auf dem Boden die Tiere in 
der Wüste. 
18 Versurbung Cbritti auf der Zirme de: 
Tempelril Stark fragmentiert. Jerusalem 
ist durch den Mauerring mit Türmen ge- 
geben. Christus, abermals mit der Geist- 
taube, unter einem kleinen Himmel- 
segment auf der Tempelzinne stehend, um 
ihn einige Halbfigurenengel, rechts der 
kauernde Satan. 
19 Südliches Apsisfragment. Teil eines 
ganzfigurigen Engels, nach Westen ge- 
wandt. Über seinem Nimbus Rest des 
Flügels eines zweiten Engels. Gegenstand 
ungesichert: Verxuehung Cbrirli auf dem 
haben Berge 50? Bei dem Fragment würde 
es sich dann um nahende und dienende 
Engel handeln. 
Z0 Nördliches Apsisfragment (Abb. 5). 
Christus verläßt in Ostrichtung einen durch 
eine Rahmenarchitektur begrenzten Raum; 
hinter ihm zwei nicht nimbierte Personen, 
die vordere ein älterer Mann, der zurück- 
blickt und eine Hand auf den rechten 
Arm des Heilandes legt. Gegenstand 
ungesichert: Chrixtux au; der {ynagage um 
Nagarelh uerrloßerlü? 
21 Chrirtur heilt den Betemsenen in der Sjn- 
agoge von Capbamaumß. In einer symme- 
trisch geordneten Rahmenarchitektur 
schwebt Christus erhöht im mittleren 
Spatium über dem Besessenen, den der 
ausfahrende Dämon mitten hingeworfen 
hat. Auf das Ereignis sind zwei kontra- 
postierte, diskutierende, nimbenlose Män- 
nerchöre ausgerichtet: zur Rechten Jesu 
zwölf, vielleicht die Apostel mit Petrus an 
der Spitze, zur Linken vierzehn Juden. 
22 und 23 Zwei durch eine große Fehlstelle 
voneinander getrennte Fragmente. Sie wer- 
den durch eine Rahmenarchitektur zusam- 
mengefaßt, so daß „Bi1dcinheit" wie bei 
12 und 21 oder zumindest eine kontinuier- 
liche Darstellung angenommen werden 
kann. Ein Vergleich mit 21 zeigt, daß mit 
ANMERKUNGEN 44 - 62 
M z. B. in dem Evzngcliar aus Montccassino, einer Regens- 
burgischcn Handschrift der 1. Hälfte des 11.]'hdts., jetzt 
Rom, Bibl. Van, Oltob. lat. 74, ful. 193V. Hiezu H. Block. 
Monte Cassino, Byzantium and the West in thc Earlicr 
Middlc Ages, in: Dumbarton um Pnpers 3 (1945), 
p. 17717.: P. E. Srhmmm-F. Müiherüli, Denkmalc dcr 
deutschm Königc und Kaiscr, München 1962, S. 167. 
Nr. und Abb. 141. 
45 P. E. Szlirrmim Das Hcrxschcrbild in der Kunst des frühen 
Minelalicrs, i Vorträge der Bibliothek Warburg II 
(1924), S, 16211. Anm. 63. 
45 Diese und die nächste Szene gehen aufdcsjasephu: Flaviuf 
Bellum Iudaicum und Antiquitatzs ludaicze zurück. Das 
mittelalterliche Abendland kannte lateinische Übetselzun- 
gen bzw. Bearbeitungen, eine angeblich von RIIÜHLIS, 
sowie den sagen. Hcgesippus. wu zitieren die auf den 
Grgtnstand Bezug nehmende Sllllc nach dcn lateinischen 
Ttxlallsgäbcn: Flavii osephi. patria Hinosolymixaui. rzli. 
m: ludaci, intcr iraccos historiogra hul, Cum PHmlS 
azundi, Opern quacdam nimm prcsgytero interpxecc, 
in quibu: post ullimam aliorurn acdikioncm. loca ncc 
 
41 
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pauca, nec omnino leuis momeuti ex uetustissimcrum 
codicum Collzlionc rcuimrd mmpzries loctor. BIISHBSC 
ilPlld 1d. Fmhenium 1524, p. 484 und 647; HlgExippi qiii 
dicinlr Historiac libxi V, cd V. Ussani in: Corpus suipl. 
ecclcsiast. m. LXVI (1932), p. 1m (Lila. I, 43). 
 
Flnuii Inseph OPCIG. II. 1. 0., p. 496 und 654,14; esippi 
iii dicitur H aelibri v. 1.11. 0 p. 1251. (Lib. .45). 
iß JOSCPHDS-HCgCSÄPPIIS fOlgCndCn CECKCD des Mittel- 
alten iiimpm "rcn dm Sn-ll: VCrSdllLdCn: der im 9.111. 
wirkende Rtllllgl-MS, Homilia v1 (Mignr, Pur. m. 131, 
29a) um den Stlbslmordvtrsuch gelingen, scheidet m0 
als Textguncllzge rii unsere Darstellung aus, Während 
sich der crst im 12.111. ltbendr: Pelm; Cnmzslor, nimm 
schohstim. In cvangclia, Cap. XVII (Migne, Pan. m. 
19a, 1546m, genau an die älteren "i'm: um. 
Mdtkhnm: 2, 19 4 20. 
144111111211. 2, 21 - 23. 
Pmmeuang. lawbi, xvu, 2; M. R. jumex, "nie apocryphal 
New Talamcnl, Oxfordl 1963, p. 45. 
c. dtjerphnnidn, Unc HOUVCHC PfOVinCC de Fan b untin. 
Lcs ägliscs nlpcstrCS de Cappadocc i. Paris 19b. p. 79 
und pmim. 
1.1.1.; 2, 41-52. 
Mntrhaeu: a. 1-12; Mmmi 1, 14a; Lucn: s, 141a und 
  
jnhannz: 1, 15-29; diese Stell: entspricht der dargestellten 
Szene am besten. 
ß Mazrhneus 3, 13-17; Mama 1, 9-11; Lucas 3, 21-22; 
jolmnne: 1, 29-34. 
ß jolmnne: 1. 32-34; dieser Stelle gebührt der Vornng vor 
den Parallclsrellen der anderen Evangelien, weil hier der 
von den Synoptikem erzählte Taufakt als geschehen 
vorausgesetzt wird und allein das Zeugnis üir die Theo- 
phanic wesentlich m; vgl. F. Tillmann, im Johannes- 
evangelium, Bonn 1921. S. 521i". 
55 jnhanm: 10, 11-16; Gründe fur den Vorrang dieser Stelle 
vor anderen Pcrikopcn bei Wibiml, in: Öslerr. Zeilschr. 
r. Kunst u. Denkrnnlpllegc XIV (1960), s. 14111; 1.1., in: 
Würzburger DiözcsnngeschichtsbL, a. a. 0., s. 7st. 
57 j. Quemen, Das Bild des Guten Hirten in den altchrist- 
liehen Bapristaien und in den Taufliturgicn des Ostens 
und Westens. in: Antike und Christentum. Ergänzungs- 
band l! Pixviculi. Studien zur Religion und Kultur des 
Altertums, F. J. Dölger zum 60. Gebunmg. Münster 
i. W. 1939. S 220-244. 
s! Mauhaenu 4. (Mamas 1. 12-13); Lum: 4. 1-4. 
5' Mnnhnrks 4. 5-7: mm: 4. 9-13 
W Muuhneux 4. 8-11, Lums 4, 5- 
61 Lum: 4. (16) 23-30. 
91 Mamas l. 21-23; Luzax 4, 31-37. 
 
 
11
	        

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