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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 99)

einer ähnlichen Säulenunterteilung des 
Architravs zu rechnen ist. 
22 Links stehender, nimbierter Greis wen- 
det sich mit Redegestus zu zwei Frauen, 
von denen die eine sitzt, die andere ihr 
stehend von hinten die rechte Hand an das 
Haupt legt. 
23 jenseits der Fehlstelle: Christus wendet 
sich in Richtung auf 22 hin; rechts Gewand- 
teile und Füße zweier Figuren. 
Durch die starke Fragmentierung wird eine 
eindeutige Identifizierung des Gegenstandes 
sehr erschwert, wenn nicht unmöglich ge- 
macht. Die Annahme, daß es sich um eine 
oder zwei Wußidengenen handle, besitzt die 
größte Wahrscheinlichkeit. Auf die Analyse 
der verschiedenen Möglichkeiten kann in 
diesem Rahmen nicht eingegangen werden. 
Keiner der in Frage kommenden Gegen- 
stände ist, gemessen an den überlieferten 
Bildtypen, mit Ausschließlichkeit postulier- 
bar. Andererseits ist zu bedenken, daß die 
Ungewöhnlichkeit mehrerer Lambachcr 
Szenen auch hier die Annahme einer ikono- 
graphisch nicht geläufigen Komposition 
möglich macht. Wir stellen vorerst die in 
der evangelischen Chronologie an 21 un- 
mittelbar anschließende Heilung der Xrljnrie- 
germutter Petri 65 für 22-23 zur Diskussion. 
Auszugehen wäre von der Annahme, daß 
hier zwei am gleichen Orte handelnde Teil- 
Vorgänge einer Begebenheit dargestellt 
sind. Der Gegenstand wäre dann so zu 
lesen: 
22 Links Petrus; sein Kopf entspricht zwar 
nicht ganz dem überlieferten Gesichtstypus 
des Apostelfürsten, doch kennt die Zeit 
auch Darstellungen mit Langhaar- und 
Spitzbart 64. Oder ist es der im Kopftypus 
mit der Darstellung übereinstimmende 
Bruder Petri, Apostel Andreas, welcher im 
Bild gegenwärtig sein kann, da das Ereignis 
im Hause des Simon und Andreas 65 statt- 
findet. Der Apostel erhält bestürzt Kunde 
von der Erkrankung der xorrxu, der eine 
Assistenzfrau (Weib des Petrus?) die Hand 
an das iieberheiße Haupt legt. Dieses Teil- 
ereignis ginge über die Evangelientexte 
hinaus. 
23 In der rechten Bildhälfte spielt sich der 
Vorgang der Heilung ab: Christus tritt, 
gefolgt von Jacobus und Johannes, von 
rechts zur IWTHI, die man sich ein zweites 
Mal, im Bereich der Fehlstelle unter dem 
Fenster, vorzustellen hätte: sie läge, den 
bekannten Kompositionstypenßö entspre- 
chend, auf der Bettstatt und Christus ge- 
bietet dem Fieber bzw. faßt ihre Hand; am 
Kopfende der Kline vielleicht Petrus und 
weitere Assistenzßguren. 
Die Zweiteilung des Vorganges in der 
Folge: Bestürztheit des Apostels bzw. Er- 
krankung der Schwiegermutter und Hei- 
lung durch Christus ist der östlichen Ikono- 
graphie, wenngleich in anderer Figuren- 
anordnung, nicht unbekannt67. 
I Abraham. Von der frontal stehenden 
Einzelfigur bloß der Unterteil mit Rolle in 
der linken Hand erhalten; darauf zum Teil 
später nachgeritzte, aber wohl ursprüng- 
liche Inschrift: PATER MVLTARUM 
GENTIVMM. 
II Frontal stehender, nimbierter, bärtiger 
Mann, in der Linken Rolle ohne Beschrif- 
tung. Pulriarrb oder Prnphet. 
III Frontal stehender, nimbierter, bärtiger 
Greis mit Rolle in der Linken. Fehlstelle im 
Bereich des Unterkörpers und der Rolle. 
Palriurah oder Prophet. 
IV Unterteil einer frontal stehenden Einzel- 
figur mit unbeschrifteter Rolle. Palriarrll 
oder Prophet. 
Vermutlich sind l-IV als alttestamenta- 
rische Iläpen oder Varjabrm Cbririi, dessen 
Epiphanie sich im Bild der Mittelkuppel 
über ihnen ereignet, zu verstehen. 
Die chronologische Dichte der Lambacher 
Darstellungen läßt auf eine zum Teil sicher 
auch liturgisch bedingte Auswahl der 
Gegenstände aus sehr ausführlichen, viel- 
leicht bis in die christliche Spätantike zu- 
rückreichenden Bildzyklen-Vorlagen schlie- 
ßen. Ikonographisch ganz ungewöhnlich 
sind zumindest die Szenen 7, 8, 9 und 15. 
Die Erweiterung des lateinischen Magier- 
spieles zum Herodesspiel bringt keine 
Textgrundlagen für 8 und 9. Die erste be- 
kannte Bemühung um die Darstellung des 
Herodes-Todes tritt im geistlichen Drama 
erst in einer Szenenanweisung des Benedikt- 
beurer Spieles (13. Jahrhundert) auf, um 
dann in den französischen Mysterien des 
Spätrnittelalters weiter entwickelt zu wer- 
den69. Hinter all dem stand aber josephus 
Flavius als eine die evangelischen und 
apokryphen Berichte sowie die Bibelexegese 
erweiternde Quelle der kirchlich-volkstüm- 
lichen Überlieferung vom Leben des Hero- 
des. Zumindest für den byzantinischen 
Osten kann das Vorhandensein von reichen 
Zyklen der Buchmalerei zu den Texten 
seines Bellum Iuduirurzl und der Anliquilale: 
Iudairae mit Sicherheit erschlossen werden 70, 
für das lateinische Abendland dürfen wir 
Ähnliches annehmen. Josephus- bzw. Hege- 
sippus-Illustrationen könnten die Vorlagen 
für 8 und 9 geliefert haben. Szene 7, wenn 
auch in ihrem Grundinhalt auf Matthäus 
zurückführbar, zweifellos die merkwürdig- 
ste von allen, wird ihre Entstehung mög- 
licherweise der Verschmelzung heterogener 
Vorlagen verdanken. So ist z. B. der 
Thronende (Umschlag: Detail) als Maje- 
stätsformel auf karolingischen, ottonischen 
und zeitgenössischen Miniaturen und Sie- 
geln mit Herrschetclarstellungen vorge- 
bildet. 
Überhaupt ist wohl Gleichzeitigkeit der 
Entstehung, jedoch Werkstättenbetrieb und 
das Arbeiten nach verschiedenen Vorlagen, 
ferner das Adaptieren und Kontaminieren 
von Bildtypen und Kompositionsteilen an- 
zunehmen. 
XIII und Dalierung 
Für die stilgeschichtliche Einordnung der 
Lambachcr Malereien sind im wesentlichen 
drei Einßußsphären bedeutsam. Sie werden 
hier ohne wertende Reihenfolge und ohne 
abschließende Formulierung der Unter- 
suchungscrgebnisse angeführt: Byzanz, der 
sogenannte Italo-Byzantinismus, vor allem 
der Oberitaliens und der angrenzenden
	        

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