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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 99)

uie arcnivauscn reicn runcuerte Ausstei- 
lung umfaßte neben reizvollen, den Holit- 
scher Erzeugnissen ähnelnden Olmiitzer 
Fayencen, alle bis dahin schon bekannten 
und neu eruierten Sternberger Fayencen. 
Diese einmalige Konzentrierung aller er- 
reichbaren Obiekte der genannten Prove- 
nienz bot eine ausgezeichnete und ein- 
malige Gelegenheit, sämtliche Teller und 
Krüge stilkririsch untereinander zu ver- 
gleichen, ihre charakteristischen Merkmale 
festzustellen und auch die geringste Ab- 
weichung zu registrieren. Dabei ergab es 
sich, daß es bedeutend einfacher ist, Stern- 
bergcr Fayencen zu identifizieren als alle 
anderen mährischen, da sie - wie schon 
gesagt 4 manchmal neben dem Datum 
der Entstehung auch die ausdrückliche 
Ortsangabe Sternberg aufweisen. Nach der 
typischen Form dieser Krüge, dem 
Fayencematerial, der Glasur, dem speziellen 
Rand- und Henkeldekor, der sich auf fast 
allen Sternberger Erzeugnissen wiederholt, 
konnte eine große Anzahl dieser Fayencen, 
die sich in allen größeren Museen und 
Privatsammlungen der Tschechoslowakei 
befinden und deren Ursprung bis dahin 
fraglich war, festgestellt werden. 
Wenn es auch früher an systematischer 
Forschung fehlte, so ist es doch unver- 
ständlich, daß nicht die volle Ortsangabe 
Sternberg schon längst zur eindeutigen 
Identifizierung dieser Fayencen führte. So 
wurde z. B. im Jahre 1917, als die Samm- 
lung des bekannten Fayencekenners und 
Sammlers Alfred Ritter Walcher von Molta 
hein bei Wawra in Wien versteigert wurde4, 
ein Humpen, der auf der Vorderseite eine 
um einen Tisch sitzende Versammlung von 
Angehörigen der Schuhmacherzunft zeigt, 
wie folgt beschrieben: „Darstellung einer 
Bruderschaftssitzung, großen Blumen- 
buschen mit Rosen und der Aufschrift: 
Zu Ehren der ehrsamen Schuhmacher- 
Bruderschaft Friedrich August als Alld- 
gesell, Aloysius Scholtz als Schreiber, 
Leopolt Cnörich erster Bcisizmeister, Franz 
Schandel Herbergvatter. Dieser gewidmet 
von der Jungfer Klara Hanakin von Babitz 
gebirdig. Sternberg den 18. Dezember anno 
1823. Unterhalb des Mündungsrandes Blu- 
menfestons. Der Henkel wagrecht grün 
gestrichen. Wischau in Mähren." 
Die in Starnberger Matriken leicht feststell- 
bare jungfer Klara Hanakin aus Babitz, 
einer in dcn Sternberger Pfarrsprengel ge- 
hörigen Gemeinde, sowie die aus dem 
Zunftbuchc nachweisbaren Mitglieder der 
Schuhmacherzunft in Verbindung mit der 
ausdrücklichen Ortsangabe Sternberg boten 
natürlich hinreichend Grund zur Annahme, 
daß dieser Humpen in Sternberg selbst 
verfertigt wurde. Da aber Sternberg als 
Erzeugungsort damals archivalisch noch 
nicht nachgewiesen war, wurde der Hum- 
pen unbedenklich Wischau zugeschrieben. 
Die Erde für ihre Fayencen gewannen die 
Krügelmacher in der Nähe des Flusses. Im 
allgemeinen läßt sich sagen, daß die Zu! 
sammensetzung des Scherbens von minde- 
rer Qualität ist. Auch die Glasur ist nicht 
rein weiß und zahlreiche Verunreinigungen 
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