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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 99)

öHnung, durch welche man auf einen zum 
Teil ausgerissenen Estrichbereich sieht. 
Der obere Ziegelboden korrespondiert mit 
dem an der Krypta-Nordwand (Kirchen- 
vorhalle), der darunter liegende Mörtel- 
estrich ist älter und gehört einem engeren, 
gangartigen Raum an, dessen Abgrenzung 
zum Teil nur noch in einer Baugrube faß- 
bar war. Die Möglichkeit, daß, zum Erst- 
bau gehörend, ein ringartig um die Krypta 
bzw. die Westapsis gelegter Raum existiert 
hat, ist nicht auszuschließen, für eine 
Gewißhcit liefern die geringen gefundenen 
Reste jedoch zu wenig Indizien. Sicher ist 
hingegen, daß die beiden Türme Öffnungen 
in westlich anschließende, die Apsis flan- 
kierende Nebenräume besaßen. Sie müssen 
trotz ihres Hereinragens in die Mäander- 
zone zeitgleich mit den Malereien sein, da 
sie vom Freskoputz ausgespart werden. 
Man kann die Stürze dieser Öffnungen im 
Freskenraum, welchen man durch das 
Stiegenhaus und einen Vorraum erreicht, 
an der Westwand der Türme, vom neuen 
Fußboden angeschnitten und in ihrer 
Höhenerstreckung wesentlich reduziert, 
noch ausnehmen. Annexräume sind gerade 
im Alpengebiet seit dem Frühmittelalter 
bekannt, und es wäre durchaus denkbar, 
daß Lambach ursprünglich solche in die 
Trakte der Burg- bzw. Klosteranlage bau- 
lich eingeschachtelte Parfaplmrierx, Serreta- 
rien oder Cfyptae - letztere wären im Sinne 
der clunyazensisch-hirsauischen Termino- 
logie oberirdische Nebenräume - besessen 
hat13. 
Bald nach dem Tode des Stifters dürfte 
sich eine rege Verehrung an seiner als 
Hochgrab ausgestalteten Mem0rie14 ent- 
wickelt haben. Die Wunderberichte be- 
stätigen die Umgehbarkeit und das Empor- 
ragen der Anlagel5. Es besteht Grund zu 
der Annahme, daß die heute durch eine 
neuzeitliche Platte im Boden des Lang- 
hauses der Kirche markierte Stelle die ur- 
sprüngliche Lage der tumba angibtlß. Im 
Zusammenhange damit und auf Grund 
eines bestimmten Passus in der Vital7 
kann geschlossen werden, daß der von 
Adalbero geweihte Johannesaltar dem 
Hochaltar gegenüber im Osten lag und 
die Kirche daher ursprünglich doppel- 
chörig gewesen ist. Dafür spricht auch der 
in spätmittelalterlichen Quellen nachweis- 
bare Terminus duplex rhoru: ezrleriaelß, 
welcher sich auf den Zustand der Kirche 
vor Aufgabe des Westchores im 15. Jahr- 
hundert bezieht. Weiters macht ein wäh- 
rend der Bauarbeiten in der Westmauer 
des Kircheninneren erfolgter Fund wahr- 
scheinlich, daß die Kirche ursprünglich, 
trotz der engen Raumverhältnisse, drei- 
schifng gewesen ist. 
Quellen, archäologische Grabung und 
Untersuchungen des aufgehenden Mauer- 
werks ergeben für den benediktinischcn 
Erstbau: doppelchörige Anlage; Hoch- 
altar über kreuzförmiger Krypta mit recht- 
eckiger Apsis und Annexräumen im Westen; 
wahrscheinlich dreischifnge Säulenbasilika. 
Das Mauerwerk im wesentlichen Kalktuff 
und Nagelfluh. Daß die Verwüstung des 
Stiftes von 123319 im Bereich der West- 
anlage nicht einschneidend gewesen sein 
kann, beweisen nicht nur die stilistisch im 
13. Jahrhundert undankbaren Malereien, 
sondern auch die Säulen der jetzt vermau- 
erten alten Schallfenster der Westtürme: 
ihre Trapezkapitelle gehören dem 11. jahr- 
hundertlß an. 
Es ist hier nicht der Raum, auf die Stellung 
des Lambacher Baues innerhalb der Ordens- 
architekturzl, sein Verhältnis zu den Zeit- 
strörnungen 22 sowie zur übrigen Bautätig- 
keit Adalberos, vor allem in Würzburg 23, 
näher einzugehen. Dem Typus nach han- 
delt es sich keineswegs um einen „reinen 
Fall", der sich nahtlos einer der Gepflogen- 
heiten einfügen ließe, sondern um ein von 
verschiedenen, auch lokalen Faktoren be- 
stimmtes Gebilde. Durch ihre Zweipolig- 
keit mit Krypta wäre die Kirche einerseits 
den Werken der nicht reformierten Ordens- 
architektur „irnperialer" Prägung zuzuord- 
nen, anderseits bedeutet die Lage des 
Hauptchores mit der Krypta im Westen 
eindeutig eine Orientierung Irzore ramano, 
also eine Anlehnung an die Raumikonologie 
der Abteikirche von Fulda und einer Reihe 
weiterer Kirchen des 9. bis 11. jahr- 
hunderts in Deutschland. 
DIE MALEREIEN 
Erztderleurrg und Freilqgung 
Man betritt den Freskenraum vom Westen 
her durch die im Aufgehenden im wesent- 
lichen nicht mehr existente Apsis. Gegen- 
über ölfneten sich einstmals drei Arkaden 
zum Langhaus des Erstbaues, das den 
späteren Umbauten zum Opfer fiel. Heute 
liegt hinter diesen vermauerten und vom 
neuen Fußboden angeschnittenen Bögen 
die barocke Orgelempore. 
Am 18. März 1868 fand man in dem durch 
Jahrhunderte als Läuthaus verwendeten 
und nunmehr als Teil des ursprünglichen 
Westchores identifizierbaren Raum mittel- 
alterliche Malereien an den Gewölben 
(Abb. 2, Nr. 1-6) 24. Es ist schon damals 
aufgefallen, daß sie von den vorderen 
Wandschichten des Raumes angeschnitten 
wurden. Diese Wände erwiesen sich bei 
Untersuchungen, welche im Gefolge der 
Gemäldekonservierung von 1956 durch- 
geführt worden sind, als barocke Ver- 
stärkungsmaucrn des 17. Jahrhunderts. 
Man hatte sie, nach Ausweis datierter 
Graffiti, einige Jahrzehnte nach der Turm- 
erhöhung von 1639 eingezogen. Schon die 
ersten Tastlöcher stießen am 25. Juni 1957 
in ca. 60 cm Tiefe auf gut erhaltene Teile 
des heute freiliegenden Gemäldebestandes 
an den Wänden (Abb. 2, Nr. 7-23, 
I-IV) 25. 
Die Aufgabe der DenkmalpHege bestand 
nun darin, eine Lösung zu finden, welche 
es ermöglichte, die barocken Verstärkungs- 
mauern ohne Gefahr für den Bestand der 
Westanlage zu entfernen. Das zur Aus- 
führung gelangte Statikerprojekt sah vor: 
Abfangung der Auflast des barocken Turm- 
mauerwerkes von je ca. 450 Tonnen ober- 
halb der Gewölbe durch Stahlträger, ihre
	        

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