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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 100)

für ihre Zwecke geeigneten Platzes auf 
dieser Fläche hoffen könne. Im Liechten- 
steinischen Garten in der Roßau, dessen 
jährliche Miete IOOO fl. betrug, befanden 
sich zwar einige Glashäuser, doch be- 
durften diese vorerst umfassender Repara- 
turen, um sie für Ausstellungen benützen 
zu können. So wurde für die Frühjahrs- 
ausstellung des Jahres 1860 der auf dem 
damaligen Wasserglaeis befindliche alte 
Cur-Salon gemietet. Die Glashäuser als 
auch der Portikus in der Roßau, die sich 
in verwahrlostem Zustand befanden, wurden 
von dem Architekten Franz Poduschka, der 
dem Ausschußrat der Gesellschaft ange- 
hörte, mit geringen Unkosten wiederher- 
gestellt. 
DIF, GENEHMIGUNG EINES BAU- 
PLATZES AN DER RINGSTRASSE 
Zum zweitenmal tauchte die Möglichkeit 
zur Erwerbung eines Gartens auf den 
Stadterweiterungsgründen im Juni 1860 
auf, als Johann Freiherr von Mayr, der als 
Kassakurator seit 1857 mit energischer 
Hand die zerrütteten finanziellen Verhält- 
nisse der Gesellschaft wieder halbwegs in 
Ordnung gebracht hatte, auf der in diesem 
Monat abgehaltenen Generalversammlung 
bekanntgab, „daß in dem neuen Stadt- 
erweiterungsplan in der Nähe des Volks- 
gartens 13 für eine Blumenhalle gesorgt sei 
und der Gesellschaft die Aussicht nahe- 
liege, den seinerzeit angesuehten Platz für 
ein Ausstellungsgebäude zu erhalten, nur 
müßte hiefür beizeiten neuerlich hohen 
Ortes angesucht und dürfte die Realisierung 
dieses Planes auf Actien ermöglicht wer- 
den"14. Von den Mitgliedern der Ver- 
sammlung wurde diese Frage jedoch nicht 
weiterhin erörtert, da die eigene, auf fünf 
Jahre gemietete Lokalität in der Roßau 
genügend Zeit ließ, um diese Frage zu 
entscheiden. Immerhin war die Frage eines 
eigenen Grundstückes für die Gesellschaft 
doch von so großer Wichtigkeit, daß man 
nicht säumte, sich näher über den Sach- 
verhalt zu unterrichten. S0 setzte sich 
Vizepräsident Baron von Hohenbruck als 
offizieller Vertreter der Gartenbaugesell- 
schaft in dieser Angelegenheit noch im 
Spätherbst 1860 mit Sektionsrat Dr. Mat- 
zinger von der Stadterweirerungskommis- 
sion in Verbindungß, welcher den Vor- 
schlag zur Errichtung einer Blumenhalle 
vor dem Karolincntorelö an Sektionsrat 
Löhr, der Vertreter des Innenministeriums 
in Bauangelegenheiten und ebenfalls Mit- 
glied der Stadterweiterungskommission war, 
weiterleitete. Dieser befürwortete die Wahl 
des Platzes, verwies aber schon auf die 
notwendige Beschränkung von Höhe und 
Ausdehnung der Baulichkeiten in bezug 
auf die Widmung dieses Platzes als Öffent- 
liche Parkanlage, die schon im offiziell ge- 
nehmigten Stadterweiterungsentwurf mit 
Rücksicht auf die dominierende Stellung 
des Palais Coburg festgesetzt worden war. 
Löhr erwog damals außerdem, ob man die 
Hauptachse der Anlage nicht in die ver- 
längerte Hegelgasse verlegen soilte, um den 
Einblick und Eintritt in den Garten vom 
Ring her freier zu gestalten, und führte an, 
daß ein Vorfahrtsarrangement aus der 
Richtung der Hegel- und der Cobdengasse 
zum gartenseitigen Eingang des Gebäudes 
vor allem durch die neben dem (Ioburgi 
schen Palais projektierten Markthallen ge- 
stört werden würdeli 
Nach diesen ersten positiven Andeutungen 
der Staatsverwaltung begab sich eine von 
den Vizepräsidenten Graf liugen Czernin, 
Graf August Breuner, Dr. Eduard Fenzl 
und Baron von Hohenbruek gebildete 
Deputation im März 1861 mit einer schrift- 
lichen Eingabe zum Staatsminister Ritter 
von Schmerlingl7 und unmittelbar darauf 
zum Handelsminister Grafen von Wicken- 
burg, die beide ihre vollste Unterstützung 
zusagten. Im seltsamen Kontrast zur günsti- 
gen Aufnahme hohen Ortes stand dagegen 
das beharrliche Stillschweigen des Magi- 
strates, der eine Einladung, einen Vertreter 
in das mit dieser Angelegenheit befaßte 
Ausschußkomitee zu entsenden, vorerst 
ohne Antwort ließ. Bei der Stadterweite- 
rungskommission war es Sektionsrat 
Dr. Matzinger, der mit den Vorverhand- 
lungen in der Angelegenheit „Gartenbau- 
gesellschaft" betraut worden war. Dieser 
erwirkte die deiinitive allerhöchste Bewilli- 
gung des Bauplatzes vom 7. Mai 1861 in 
der allerhöchsten Entschließung vom 
7. Juni 18611?! unter einer Reihe fest- 
gesetzter Bedingungen, die vnr allem die 
Ausdehnung der Bauten und den Nachweis 
ihrer Hnanziellen Deckung betrafen, der 
binnen eines halben Jahres zu erfolgen hatte. 
DIE FINANZIERUNG 
Im August 1861 wurde die Errichtung von 
ebenerdigen Verkaufsgewölben zu beiden 
Seiten des Grundstückes prinzipiell be- 
willigt. Bald nämlich hatte sich heraus- 
gestellt, daß sich kaum Subskribenten zur 
Finanzierung des Baues Enden würden, und 
man suchte daher nach Möglichkeiten, die 
Rückzahlungen für eine aufzunehmende 
Hypothek durch möglichst ergiebige Ein- 
nahmequellen zu sichern. Dies trachtetc man 
durch Vermietung der Räumlichkeiten des 
l-Iauptgebäudes für Konzerte und andere 
gesellschaftliche Veranstaltungen zu cr- 
reichen. Auch war beabsichtigt, mit anderen 
Vereinen permanente Mietverträge einzu- 
gehen, so vor allem mit dem n.ö. Gewerbe- 
verein, der jedoch ebenfalls in diesbezüg- 
lichen Verhandlungen mit der Künstler- 
genossenschaft stand und letzten Endes sich 
zehn Jahre später mit dem Ingcnieur- und 
Architektenverein zum Baue eines gemein- 
samen Vereinshauses zusammenschloß. Die 
Gartenbaugesellschaft hingegen war nicht 
imstande, aus dem illustren Kreise ihrer 
Mitglieder Geldgeber zu finden. Denn 
einesteils war die definitive Übergabe des 
Grundes an den vorhergehenden Nachweis 
der nötigen Geldmittel gebunden, ander- 
seits war niemand, auch keines der Geld- 
institute bereit, auf eine noch nicht durch 
die nachgewiesenen Besitzrechte gedeckte 
Realität ein Darlehen zu gewähren. Knapp 
vor Ablauf der Frist erboten sich in einer 
Sitzung des Ausschußratcs Baron Mayr 
und Ritter von Dusy, gemeinsam die nam- 
hafte Summe von 120.000 fl. zu zeichnen, 
und nach einer mitreißenden Rede des 
Vizepräsidenten Freiherrn von Hohen- 
bruck zeichneten fünf weitere Mitglieder 
des Ausschußrates, unter ihnen der Archi- 
tekt Franz Pnduschka, je 10.000 H., so daß 
binnen kürzester Zeit 170.000 H. zur Ver- 
fügung standen. Nachdem sich jedoch die 
Unzulänglichkeit dieser Summe heraus- 
stellte, verHel man auf einen andern Weg 
zur Lösung der finanziellen Frage: man 
erreichte beim Ministerium eine Teilung 
des Grundstückes in drei Parzellen und die 
Übergabe der Besitzrechte auf die beiden 
seitlichen davon, auf denen die Verkaufs- 
gewölbe geplant waren, noch vor der ver- 
langten Nachweisung der erforderlichen 
Geldmittel. Durch diese zumindest teilweise 
Sieherstellunglg erklärte sich die Frank- 
furter Hypothekenbank durch Vermittlung 
Baron Mayrs bereit, ein Darlehen von 
300.000 H. zu gewähren, das in 40 jahres- 
mten zurückzuzahlen XVHIZÜ. Dieses Dar- 
lehen wurde später von der Ersten öster- 
reichischen Spar-Casse übernommen, die 
Schuldenlast der Gesellschaft konnte jedoch 
bis zum ersten Weltkrieg kaum verringert 
werden. 
DIE PLANUNG 
Zum Zeitpunkt der allerhöchsten Bewilli- 
gung des Bauplatzes war man sich bei der 
Gartenbaugesellschaft über die bauliche 
Gestaltung, ja selbst über die Funktion des 
Projektes noch gar nicht im klaren. So 
wurde die Eröffnung eines Blumenmarktes 
nach dem Vorbild anderer europäischer 
Städte Z1 und die Partnerschaft des Kunst- 
und des n. ö. Gewerbevereines erwogen, 
denn deren Interessen, wurde begründet, 
„wären jenen der Gesellschaft homogen(!)". 
Der Bauherr hatte es zudem nicht leicht, 
eine klare Vorstellung über die Lage und 
Gestalt des künftigen Sitzes der Gartenbau- 
gesellschaft zu finden, denn immer noch 
bestanden die Bastion und der Stadtgraben 
(in dem sich ein Garten befand) und er- 
schwerten selbst eine genauere Vermessung 
der Grundstücksfiäehe. Die Demolierungs- 
arbeiten am Karolinentor und der Coburg- 
bastei, die von derselben Länge wie die 
dahinterliegende Seilerstätte war, begannen 
erst im November 1862, die Bastion vor 
dem Palais selbst jedoch blieb bis zum 
Sommer 1863 bestehen, als die Baupläne 
der Gesellschaft die endgültige Zustimmung 
der magistratischen Baubehörde erhalten 
hatten und mit dem Prinzen von Coburg 
vereinbart worden war, welchen Teil der 
Bastion vor seinem Palais er dem Stadt- 
erweiterungsfond zu überlassen bereit war. 
Letzterer beschränkte sich vorderhand mit 
der Eröffnung einer Verbindungslinie von 
der johannesgasse auf die Ringstraße. Zu 
diesem Zwecke war die Demolierung eines 
Teiles des im Besitz des Hofärars befind- 
liehen Gebäudes der „k. k. Zentraldirektion 
der Tabakfabrikation" und die Herstellung 
eines Verbindungsdammes von 50 Klafter 
Längen, 7 Klafter Breite und 5 Klafter 
Höhe notwendig 23. 
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