MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 100)

Horst-Herbert Kossatz 
UNBEKANNTE WIENER 
REKLAME-PLAKATE 
Au; der Plakatmmrnlung de: Öllerreirbixben 
Äluxmm: für angmandle Kum-l 
Der Trommler in der verfeinerten Lands- 
knccht-Tracht, ist er nicht ein Sinnbild der 
Plakatreklame g wie sie uns ständig optisch 
zu bctrommeln versucht? Die Reklame, aus 
den mitteilenden Anschlägen hervorge- 
gangen, sucht ständig die Aufmerksamkeit 
zu wecken und das Interesse der Menschen 
für die Erzeugnisse der Industrie und für 
Vergnügungen zu stärken. Erst in unserer 
Zeit wurde aus der rufenden, schreienden 
oder lockenden Reklame jene Form der 
Werbung, die sich „geheimer Verführer" 
bedient und vor allem unterschwellig im 
Betrachter den Kaufwunsch bewirken 
möchte. 
Ging es zur Blütezeit der französischen und 
englischen „Plakatkunst" im Jahrzehnt vor 
der Jahrhundertwende besonders um die 
schönheitliche Ausführung, so kam es ein 
Jahrzehnt später in Wien auch auf den 
originellen Reklame-Einfall an, mit dem 
eine Sache angepriesen und den Menschen 
Freude versprochen wurde. Allerdings gab 
es hier eine Sonderentwicklung bei Kunst- 
ausstellungs-Plakaten, da diese nicht an die 
durch den Markt bedingten Forderungen 
von Auftraggebern gebunden waren. So 
zeigt das Secessionsplakat von Ernst Eck 
28 
für die Plakatausstellung 1912 die große 
Freiheit des Entwurfs (Abb. 2); der Be- 
trachter wird optisch gefesselt, obwohl - 
oder weil sich die Mitteilung im Ornament 
der Schrift verbirgt 1. 
Es bedurfte zahlreicher Erfindungen des an 
der Druckkunst über alle Maßen inter- 
essierten 19. Jahrhunderts, um die Her- 
stellung von Bildplakaten zu ermöglichen. 
Die Erfindung der Lithographie durch 
Aloys Senefelder (1796) genügte allein nicht. 
So konnte man damals aus den Bütten nur 
verhältnismäßig kleine Bogen Papier schöp- 
fen. Louis Robert gelang es, eine brauch- 
bare Papiermaschine zu konstruieren, mit 
der Papier von unbestimmter Länge ver- 
fertigt werden konnte (1799). Bald leimte 
man dieses „endl0se" Maschinenpapier 
auch im Stoff, wodurch sich die Möglich- 
keit ergab, die teuren Hadern teilweise 
durch billige Füllstoffe zu ersetzen. Schon 
1830 nahmen Ludwig Wooster und Joseph 
E. Holmes aus Pennsylvanien ein Patent auf 
die Erfindung des Zellulose-Papiersl. Die 
Erfindung der Buchdruck-Schnellpressc 
durch Friedrich König (1811) ließ den 
Lithographen keine Ruhe, und bereits 1832 
bauten die Brüder Heim in Offenbach eine 
englische Schnellpresse (wahrscheinlich mit 
Reiber), die sie in viele Länder exportier- 
ten 3. In diese Zeit fällt auch die Erfindung 
des lithographischen Farbendrucks, zu des- 
sen Beförderung die Societe d'enc0utage- 
ment 1828 einen Preis aussetzte, der erst 
1838 an Gottfried Engelmann Fiel4. Auf 
der dritten allgemeinen österreichischen 
Gewerbe-Ausstellung 1845 stellte Gustav 
Pfannkuche, Wiener Maschinen-Fabrikant 
und Stecknadel-Fabriksgescllschafter, eine 
lithogtaphische Schnellpresse nach der An- 
gabe von Matthias Trentsensky mit einer 
von Pfannkuche verbesserten Bewegung 
der Walzen ausi. Besonders bekannt wurde 
die Zylincler-Schnellpresse, die in der 
Maschinenfabrik G. Sigl in Wien 1854 für 
die Hof- und Staatsdruckerei gebaut wurde5. 
Auf der Weltausstellung 1867 in Paris waren 
dann eine Fülle von lithographischen 
Schnellpressen und erstmals auch litho- 
graphische Blechdruck-Schnellprcssen zu 
sehen, die das OEsetprinzip vorwegnahmcn. 
Man konnte mit ihnen auch Pappe und 
Papier bedrucken. 
Zu Beginn des Jahrhunderts gab es fast 
ausschließlich Text-Anschläge. Nicht alle 
waren aus politischen Gründen gestattet,
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.