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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 100)

BLICK AUF DIE 4. DOCUMENTA 
vor rnehratszwoiiiahren wurde die Kasseier 
Manslerschau .,doeurnenta" begrundet, eine 
Quadriennaie. die t95s der Kunst des 
20,Jahrhunderis gait, 1959 der Kunst seit 
Kriegsende. 1964 den t-Iauplmeistern der 
Nachkriegskunst Die heurige 4. documenta 
erhebt die Kunst der ietzten vier Jahre zurn 
Thema. Daher werden Pop und ..nea- 
rigurative" Malerei in Kassei massenhaft 
gezeigt. 
Die gearnetrisrhe Abstraktion ist freilich das 
andere große Aniiegen der Schau. Legionen 
von Quadratniatern, bauhdus-Eaiganen. geor 
metrischen Abslraklivtsten wurden einge- 
taden, um diese zweite Richtung der Kunst 
unserer Tage ia ins gebuhrende Licht zu 
rueken, von Jasei Aibers „Huldigung an 
das Quadrat" uber tiiehard Paul Lahses 
JoharinesrlttenrKopien bis zu den schrag 
gestreiften Bildern von Gunther Fruhtrunk 
reicht die Reihe Manokolore Gemälde. unter 
anderen auch von deutschen Künstlern. und 
monokolorc und geometrische Rtesenforrrtaie 
der Amerikaner (so zurn Beisoiei von Ai 
l-tetd) kornnnen hinzu. 
Die documenta hat seit eh und ie eine Var- 
tiebe tur „ezoerirnenteiiesti Bernuheri gezeigt. 
was für heuer bedeutet, dafi .,kinetischer" 
Kunst bedet-itiieh viei Raum geboten wird. 
Der Amerikaner Edvcird Kienholz steuert 
rriii ..Rokv's" den Alptraum eines Innen- 
rduni-Arnbienie bei einen vorraurn, einen 
i-tduatraurn. die rnii einer Kombination von 
Pluschvarhanaen, Polstermobeln, Öldruck- 
kitsch und einer Wuriitzerorgei tiirs traute 
Heim verziert sind, mit dadaistischen oder 
surrealistischen Greuelgebitden und dem 
geleckten Bildnis eines Generals dazu. 
Die documenta ist, anders dis die Biennaie 
von venedig. kein Landerwettbewerb Auch 
die gegenwartige Aussteiiung wurde demr 
gernaß nicht nach Nationen. sondern nach 
Kunstgattungen und siiiistisehen Richtungen 
gegliedert. Den Osterreicher Walter Picttler 
rriit seinen iranisrti genieinten Pseudo- 
dbaaraten in harten Mdteriaiien e Muschi- 
nen tur niehts e findet rndn folglich in der 
Abieiiung „Obiekteu. unweit davon wurden 
des itaiieners Michelangelo Pistoletto verr 
schtedenfarbige Rtesenbotliche rnit Spiegel- 
bdden duigeoiianzt, und seine Wandspiegel, 
auf die in naturctlistischer Weise Menschen 
gernaitsind (zurn beisoiei ein aufdern Boden 
nerkendes Madchert. das seine langen seine 
zeigtt, Fur Minirnurn-Ari stehen hier, wie in 
Venedig, der Engländer Philipp King und 
der satiburger Roland Gaescht. der letztere 
rnit kleinen farbigen gerieteiten und ge- 
giiederten iioizernen Biorken. 
Pop ist wohl der entschetdendsle Beitrag der 
Adacurrienta. Engiisrhe PoprArtisten. wie 
David l-tccknev (dessen biid der Hochzeit 
eines Mannes irn gestreiften Anzug rnit einer 
lndianerbraut zu den schbnsten der Schau 
zahlt), und Amerikaner werden in Scharen 
ardsentiert. Keiner, der nur einigermaßen 
Prorninenz besitzt, tehii. Manche von ihnen, 
so Robert Rauschenberg und Jaseers Johns, 
entidusehen. 
Etne Entdeckung ist der gebürtige t-tam- 
burger Richard Lindner, welcher seit 1933 
tn Ncw York lebt und mit Pop insofern etwas 
zu tun hat, als ihn das triviale Thema e eine 
Eis essende Frau zurn ßeisoiei. oder Menr 
schen, die telephonieren e beschäftigt. Seine 
Figurenwelt ist eine iebenskrottige, starke. 
Ein rnonurnentaier Zug, bei dem rnan an 
Fernand Leger gemahnt wird, aber auch 
Triebhaiiigkeit und Aagressivitat, etwa irn 
sinn von otto DIX, gehoren zu ihr. 
in nuctncenreichen, biondend gemachten 
Seidensiebdrucken hat Andy Warhol 7 "the 
amsrican way of ltfe" e sich das Scxsyrribol 
Amerikas, tvtarviin Monroe, und den Elek- 
trisrtten Stuhl als Thema erwatiit. Der 
Deutsche Konrad Klapheck und der Italiener 
Dornrnieo Gnoli, zwei ausgezeirhnete Kunst. 
ler. iassen eine rnaieriseh gewordene Neue 
Sachlichkeit erstehen. Nicht ohne Witz stellt 
der itaiiener einon Herndkrcigen (Grotte 
15K) auf dem einen Bild dar, einen 
Retßverschlufl an einem Schnürlsamtdarnenr 
rack auf dern zweiten und einen Knopf an 
einem Mantel auf dem dritten Bild. Der 
Deutsche hat es mit einer verfremdeten Nah- 
rnaschine oder auch mit einern Telephan- 
hdrcr auf einem Sessel zu tun 
George Segal aus New Jersev ist_der einzige 
Naturalist der Schau Er hat die menschliche 
Figur forrrtlich in Gips abgegossen und steiit 
stc in wirkliche Raume, Etne Kuche wird 
Schauplatz; ein runder hölzerner Tisch in 
einein Zimmer; ein eckiger iiiniei- dern 
Riesenfenster eines Restaurants; ein Passant 
geht voruber, Neben einem halzernern Sessel 
steht der Abguß einer nackten Frau, die 
ihren Fuf) in einer wirklichen Waschrnuschel 
wäscht. 
Aus solcher Konfrontation von Natur mit 
der Kopie der Natur entstehen Wirkungen. 
die fesseln konnen Johann Muschik 
AUSSTELLUNG „ANGELIKA KAUFF- 
MANN UND IHRE ZEITGENOSSEN" 
Die stddte Bregenz und wien veranstalten 
geineinsann die Aussteiiung „Anaeiika Kaun. 
rriann und ihre Zeitgenossen". sie rindet 
vom 2:, iuii bis 13. oktober 19aa irn Vorarl- 
berger Landesmuseum in Bregenz und ans 
schließend vorn I2,0ktaber1968 bis 6.Jctnner 
ttae9 ini Museum Fijr angewandte Kunst 
in Wien statt. Die rund 300 Exponate urn- 
fassen Gemalde, zeiehnungen, Druckgraphi- 
ken, Skulpturen und Kunsthandwerk undstamr 
rnen aus der Zeit des ubergangs vorn Rokoko 
in den Kiassizisrnus. 
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GRAND PRIX FÜR ALFRED HRDLICKA 
IN RIJEKA 
Aut der heurtgert iniernaiionateri Graphik- 
Biennale vorn 14. Juni bis 31. August im 
Musee d'art rnoderne in Riieka in Jugosiawien 
wurden drei Grund PFIX vergeben. Die 
Arbeiten des Österreichers Alfred HrdltckG. 
des itaiieners Renate Guttuso und des Frcin- 
zosen Jean lpouslrenguy wurden von der 
siebenkaorigen Jurv. die sich aus bekannten 
Fachleuten verschiedenster Ldnderzusammen- 
setzte, ais die besten anerkannt und aus- 
gezeichnet. Alfred Hrdlicka hat mit seinen 
t-tandzeichnungen somit neuerlich einen 
großen Erfolg bei einem angesehenen wett- 
bewerb zu buchen (Abb. 15). 
ÖSTERREICHISCHE EHRUNG FÜR 
ITALIENISCHE KÜNSTLER 
Durch den österreichischen Generalkonsul tn 
Triest, Dr. Otto Pries, wurde den beiden 
italienischen Malern Prof, Giuseppe Matteo 
Carripttelli und Prof. Franco Orlando. das 
ihnen vorn aslerreichischen Bundesprasi- 
denten verliehene Ehrerikreuz fur Wissen- 
schaft und Kunst irn Rahmen einer intirnen 
Feier überreicht. in Anwesenheit des lttfePlz 
rnistisehen Leiters des Österreichischen Kui. 
iurinstiiuies in Rom. Dr. Walter Zettl, Dakidr 
Estella Brunetti van der Soprintendenza at 
Manurnenti ed atle Gatlerie von Triest und 
Vertretern der Triestiner Künstler und der 
österreichischen Kolonie hob der Generalr 
kansul in seiner Ansprache die Verdienste 
dieser beiden Personlichkeiten urn die 
Kulturbeziehungen zwischen Triest und 
Osierreich hervor. Er nannte in diesem Zur 
sarnmenhartg die Ausstellung österreichischer 
Kunstler in Triest (1954), die Ausstellung 
der Triestiner Künstler im Wiener Kunstlerr 
haus (1955) sowie die beiden internationalen 
Ausstellungen sakraler Kunst in Triest 1967 
und 7966, aus deren Anlaß sich beide be- 
sonders des osterretchischen Anteils ange- 
nommen haben. 
ZWEI ÖSTERREICHISCHE KÜNST- 
LERINNEN IN ROM 
In Rom stellten im MUSEO D'ARTE MO- 
DERNA Feat VVEIXiQGVIDSPNBUtPO und 
Elisabeth Sttderberg-Weixlgartner aus. Die 
Exposition lief unter dem Titel SIMBOLlSMOr 
REALISMO. Die 125 Arbeiten der beiden 
Kunsllerirtnen waren vorn S. Juli bis 18. Juli 
zu sehen (Abb 16. 17) 
„ELEMENTARE FIGURATION" 
FÜR GRANITMUSEUM IN GMÜND 
Für das Granitrrtuscum in Gmund, Nieder- 
dsterreich. das am 16. Juni d. J. erottnet 
wurde, schuf der Bildhauer Franz Anton 
Coufal eine 130cm hohe skuiotur aus 
t-terschcnberger cranit. Diese „Eienientare 
Figuration", wie sie der Künstler nannte, 
ist ats weiterentwiekiung einer Formen- 
sprache zu verstehen, die Caufal aus seinen 
ietzten bronzearbeiten (siehe Atte und mo- 
derne Kunst Nr. 99t gewann. 
Auch irn graphischen oeuvre Caufals ist eine 
vorarbeit in Richtung dieses vverkes deutlich 
ZU merken. Der stein, der eine sehr bewegte 
Oberflache zeigt, wird in dern genannten 
Museum einen reichen historischen Uber- 
blick der verwendung von waidviertier 
Granit in der Kunst absehiietten (Abb. 1a). 
A. V. 
ATELIERHAUS IN NEUMARKT AN 
DER RAAB 
in Neurnarkt an der Raab, irn südlichsten 
ßurgeniand, wurde arn e. Juni d. J. ein 
Ateiierhaus erottnet, Es wurde gut Anregung 
des Landeskanservatars Dr. Alfred sehrnetier 
und des akdd. Malers Ferri Zotter. mit 
Unterstützung der Burgenlandischen Landes- 
regierung und des ßundesdenkrnatarntes. 
adaotiert. Es handeit sich dabei sowohl urn 
eine Restaurierung eines etwa 300 Jahre 
atten Bauernhauses rnit der heute schon sehr 
seitenen „iiduehkuohw als austi urn einen 
Versuch, das kulturgeschichtltch wertvoiie 
Baudenkmal einem neuen Verwendungs- 
zweck zuzuruhren. in dem Haus, das aus 
einenn Wohn- und einem Arbetistrait be- 
steht. werden Kiinstier ieweits einige Wochen 
unentgeitiirh wohnen und arbeiten können. 
irn Arbeitsraum benndet sich, neben einer 
Tiegeldruckpresse, einigen Abiagen und 
Tischen, auch eine Nische mit einer Brause. 
Es wurde aiso, trotz Beibehaltung des atten 
duneren Bildes. nicht auf rndderne Instal- 
Iattorien vergessen. Die Druckpresse deutet 
ddrdut hin. daß rnan ursprünglich daran 
daehte, hauptsdchlich Graphiker hierher 
einzuladen. wie die tnitidtoren aber er- 
kiarten, soii auch Angehorigen anderer 
kunstlerischer Dsziplinen (Malern, Schrifte 
steitern. Karnaonisien) das t-taus zur ver 
tiJgung gestetit werden. Ais erster wird der 
dureh seine Holzschnitte bekannte Johannes 
wbnke Gast des Hauses sein, Ernst Erich 
Mulleristcilsnächstervorgesehen(Abb.19,20). 
A. v. 
 
 
BILDTEXTF 15 Z0 
15 Die aui der heurigen tnternationaien 
Graphikbtennale Rtteka, Jugoslawien, 
rnit dem Grand Prix ausgezeiennete 
t-Iandzeichnung des österreichischen 
Künstlers Alfred t-trdlicka 
16,17 Arbeiten der beiden Künstlerinnen 
Pepi WeixlgcirtnerrNeutra und Eiisabeth 
Sdderberg-Weixlgürtrter aus ihrer 
Aussteiiung in iiorn 
18 
19 
 
 
ri-anz Anton coutai vor seiner 
.,Eiernentare Figuration" aus He 
berger Granit, H, tsokboklior 
der Kunstter für das cronitrnusi 
Grriiind schuf 
Aunenansirht des neuen 
in Neurnarkt an der Raab 
Ofenstelle irn inneren des neuen l 
hauses (siehe Abb. 19) 
Ateliet
	        

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