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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 101)

Georgenthal und Paulina im Böhmischen bis nach 
Oberösterreich, nach Hüttenberg und Glashütte 
und wieder ins Niederösterreichische über Dürn- 
berg, Odteich bis Neuhütte reicht. Die einzige 
Erzeugnisstütte, die von dieser großen Zahl übrig- 
geblieben ist. ist jene der Firma Stölzle ZU Alt- 
Nagelberg, auf die wir noch zurückkommen 
werden. „Die aus diesen Glashütten stammenden 
Gläser unterschieden sich jedoch von den auf den 
Handelsstraßen aus Italien. vor allem Venedig, 
nach dem Norden gebrachten Gläsern. Sie hatten 
zumeist eine grünliche, gelbliche. blüuliche und 
bräunliche ,Trübung' und behielten bis zur Mitte 
des 16. Jahrhunderts ihre mittelalterlich-gotischen 
Formen. Solche Erzeugnisse wurden ,Waldglas' 
genannt und durch diese Namensgebung deutlich 
von den venezianischen Produkten abgesetzt, die 
nicht nur schon seit 1450 nach den Formen der 
Renaissance gebildet waren, sondern deren voll- 
kommene, helle und makellos durchsichtige Glas- 
masse als ,Chrislallglas' bezeichnet wurde." 
Diesem in den umliegenden Wäldern einst so 
außerordentlich blühenden Gewerbe ist nun das 
Museum, das in einem völlig umgewandelten. 
vormals als Depot verwendeten Haus unter- 
gebracht ist, gewidmet. Im ersten Zimmer wird, 
an Hand von Tafeln. Fotos nach alten Stichen und 
Landkarten die Entwicklung des Hüttenwesens in 
dem umrissenen Raum beschrieben. Eine Auf- 
stellung zeigt, daß bereits im 14. Jahrhundert 
2 Glashütten bekannt waren, daß sie sich im 
15. Jahrhundert um 6. im 16. Jahrhundert um 20, 
im 17. Jahrhundert um 35. im 18, Jahrhundert 
um 37 und im 19. Jahrhundert um 20 vermehrt 
haben. Wir sehen, daß neben den Rohstoffen. die 
der Boden in reichlichem Maße zur Verfügung 
stellte. nämlich Kiesel und Quarzsand, der Holz- 
reichtum zum Entstehen der Produktionsstätten 
einen wesentlichen Teil beitrug. In Niederöster- 
reich lagen die Hütten auf dem Boden der Herr- 
schaften zu Litschau. Heidenreichstein, Dobers- 
berg, Schwarzenau. Schrems. Gmünd, Weitra. 
Groß-Pertholz, Arbesbach, Rappattenstein, Persen- 
beug-lspertal-Rorregg. Guttenbrunn. Gföhl-Jaidhoh 
Großpoppen mit Neunzen und Allentsteig; in 
Oberösterreich zu Freistadt und Ruttenstein; in 
Böhmen zu Neu-Bistritz, Chlumetz, Suchental und 
Gratzen. Es handelte sich dabei um einst forst- 
reiche Besitzungen, und die Glashütten wurden, 
wie die Wiedergabe eines topographischen Stiche: 
zeigt, tief in dem Wald angelegt, um das viele zum 
Betrieb der Öfen benötigte Holz rundum zu 
schlagen und an Ort und Stelle verwenden zu 
können. War dann der Wald gerodet, verlegte 
man die Hütte weiter. In dem Kahlschlag siedelten 
sich Bauern an und das Land wurde urbar ge- 
macht. Mit der Umstellung von Holz- auf Kohlen- 
feuerung w um den Raubbau am Walde zu 
drosseln, erließ Kaiser Joseph am 11. September 
1786 ein Hofdekret. in dem er dringend die Ver- 
wendung von Steinkohle zur Feuerung der Glas- 
öfen empfahl - und dem Schwund des Holz- 
reichtums ging eine Hütte nach der anderen 
wieder ein. 
"Wie Hans Zedinek, der verdienstvolle Erforscher 
der mittelalterlichen österreichischen Glaskunst, 
herausgefunden hat. wurde im Jahre 1390 von 
einem von Hoyos in Schöngrund bei Martinsberg 
eine Glashütte erbaut. Aus dem Jahre 1447 existiert 
dann ein Kaufvertrag über eine ,Klasmühle'. der 
von einem Jan von Jewspitz aufldolsberg am Kamp 
gesiegelt ist. Aus jenem Glashüttenbezirk kam 
wohl auch jener Niclas Walch, der im Jahre 1486 
um ein Privilegium für eine Glashüttengründung 
in Wien, im .untern Wert', außerhalb der Stadt- 
mauer einkam."' Van Schöngrund scheint jedoch 
weiter nichts überliefert, denn die übersichtliche 
Landkarte mit allen Orten, in denen Glasbetriebe 
waren. zeigt als ältesten jenen von Reichenau am 
Freiwald. Wir sehen von ihm einen interessanten 
alten Stich, der uns auch über die Anlage einer 
solchen frühen „Betriebssiedlung" Auskunft gibt. 
Reichenau war ursprünglich im Besitz der Grafen 
Starhemberg auf Rappottenstein und ging 1556 
in das Eigentum der Herren von Landau über. 
um 1653 von Freiherrn Joachim von Windhag 
erworben und mit dem Gut Groß-Pertholz vereint 
zu werden. Eine VttFiftS bringt Ausgrabungsfunde 
 
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