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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIII (1968 / Heft 101)

Die Kunst der Vorleit von P. M. Grand- 
Chastel. W. Kohlhommer Verlag Stutt- 
gart-Berlin-Köln-Mainz. 103 Seiten. 
102 großtenteils farbige Abb.. Ln. 
Die Autorin. anscheinend kein ntiachmann" 
im eigentlichen Sinn des Worts. sondern 
Angehörige iener iur Frankreich so typischen 
bitdungsbetllssenen Schicht. deren Mühen 
man eine Unzahl von Provinzmuseen und 
eine noch groliere Zdiil von Monographien 
zu Themen verdankt. die zumeist am Weges- 
rand der großen Forschung liegen, glbl in 
diesem Band einen gedrängten Uberblick 
über den Stand der Forschung hinsichtlich 
der frankokantabrischen jungpaläolithischen 
Hählenkunst. deren Hauptdenkmaler die 
Gemaldezyklen von Altamira und LaSCCttJX. 
respektive die Venusstatuetten von willen- 
dorf. Tursee und Lespugue sowie die bleisti- 
selien Tierdarstellungen des Abris du cdb 
Blanc sind. Die Autorin lüßt Datierungs- und 
Klassifizierungsprobleme links liegen. ver- 
sucht dafür aber. das Nachleben der po ' 
thischen Kunst bei modernen Primitivvölkern 
herauszuarbeiten. Der Frage nach Ent- 
stehung. Sinn und Bedeutung der Höhlenkunst 
tritt sie wohl mit Recht höchst skeptisch ent- 
gegen: ür sie isl die Höhlenkunst etwas 
Meisterliches. Ausgereiftes schlechthin. dem 
mdn milden gleichen Wertungskriterien ent- 
Qegenzutreten hat wie den Kunstwerken 
wesentlich späterer Perioden. Madame Grand- 
Chastel ist damit Antiromantikerin par 
exzellence, wohl sehr zum Leidwesen eines 
Herbert Kühn oder Frederik Adama van 
Scheltema. Besitzenswert wird das Buch frei- 
lich erst durch das herrlich repro zierte 
Abblldungsmaterial. das in enzvkloo ischer 
Fülle all das vor dem Laien ausbreitet. was 
an sehenswertem der iungooldolithisehen 
Kunsl auf uns gekommen ist. In der etwas 
einseitigen Gloriüzierung der in Frankreich 
aufgefundenen Monumente erweist sich die 
Autorin als echtes Kind der ,.Grande Nation." 
Ernst Köller 
 
 
 
 
Museum der bildenden Künste Budapest - 
Venezianische Malerei der 1a. ldhrhiindeni. 
Von Kldrd Guru. Corvina Verlag 
(1968). 34 Textseiten, 4B farbige 
Abbildungen mit Kommentar. 
Wie schon die früher veröffentlichten Mono- 
graphien zu Kunstwerken versehledener 
Perioden und "Schulen". beweist auch der 
vorliegende Band. daft das Budapester Mu- 
seum einen hervorragenden Rang unter den 
vergleichbaren lnslilulen in Eiirorio und 
Ubersee einnimmt. zahlenmäßig ist die 
Kollektion venezianischer Malerei des 
18. Jahrhunderts wohl nicht erschütternd. 
aber die hier gezeigten Qualitäten sind in 
jeder Hinsicht erstklassig. Die Sammlung 
geht auf die Kollektion da Erlauer Bischofs 
Johann Ladislaus Pirker zurück, der seine 
Bildbestände 1536 dem Fester National- 
museum stiftete. Ein weiterer sehr wichtiger 
Zuwachs ergab sich durch den 1870 erfolgten 
Erwerb der Sammlung Esierhozv und durch 
vereinzelte Ankäufe dus sonstigem ungari- 
schem Adelsbesitz. 
Der Tafelteil zeigt Werke von Marco Liberi, 
Antonio Bellucci. Sebastians Ricci (3 Bilder!) 
und Giovanni Antonio Pellegrini. die sämt- 
liche noch vor der Mitte des Jahrhunderts 
starben und die Wiedergeburt der im 17. Jahr- 
hundert eher leer gewordenen Malerei 
venedigs einleiteten. Es folgen Giovanni 
Antonio Pellegrini, Antonio Marinetti. Gio- 
vanni Bclttista Pittohi. Giovanni Battlsta 
Tiepolo und sein Sohn Giandomenico. Damit 
ist der Höhepunkt der Kunst des Jahrhunderts 
erreicht. Es folgen zunächst kleinere Namen. 
wie etwa Francesco Fontebasso. Gospare 
Diziani. Giuseppe Bazzani und Nicolo Grassi, 
in deren Schaffen die Tradition des 17. Jahr- 
hunderts forttebt. Mit Antonio Canale und 
Bernardo Bellotto. beide als ..Canaletto" 
in die Kunslgesehiehte eingegangen. kommt 
die venezianische Vedutenmaterei des Otto- 
cento zum Zuge, mit Franccsco und Giovanni 
Antonio Guardi wird der Abgsang der 
Kunst dieses goldenen Jahrhunderts einge- 
leilel. Noch einmal geht es zurück zuin 
Jahrhundertanfang. Zu nennen sind Morco 
Ricci. der Schüler seines Oheims Sebasliano. 
und Michele Marieschi. der aus der Botlega 
Cunalettos kommt. Am Ende der Publikation 
stehen mit ihrem süßlichen Charme Francesco 
Zuccarelli. Giuseppe Zois und oidnbdrtisld 
Cignaroli: ein letzter irischer Wind durch 
die ermüdende Kunst des Jahrhunderts weht 
dus den werken einiger Anonymi und des 
kostlichen Pietro Rotari. Sicherlich ist die 
auddoester somrnliing nicht gerdde enzy- 
klopädisch. sicherlich fehlen große Namen 
wie etwa Rosalba Carriera und Giovanni 
Battista Piazzetta. aber was an Vollständig- 
keil fehlen mag. wird durch Qualität well- 
gemacht. Vorzüglicher Einleitungstext von 
einer der bekanntesten und gesehdtzlesten 
Spezialistinnen für die Malerei des 18. Jahr- 
hunderts. Ernst Köller 
Giovanni cdrdiideiiie, oloeoino Serpotta. 
124 Seiten. 15 Textabb.. xxxll ein- 
gehängt: forb. Bildtafeln. Erl-Edl- 
zianl RAf Radiotelevlsione ltaliana 
(Torino 19m). 
ln diesem prächtig ausgestatteten Groftquart- 
band wird uber einen Künstler berichtet. 
dessen reiches Schaffen vom normdlen si- 
zilienreisenden Kunstfreund wohl kdum 
wahrgenommen wird; gerade in unseren 
Breiten gilt die Kunst slziliens des 17. und 
56 
BUCHBESPRECHUNGEN 
18. Jahrhunderts als "degeneriert". als 
Produkt einer Verfaltszeit tief verstrickt in 
die Fährnisse des Provinzialismus in Ver- 
bindung mit einem technisch-virtuosenhaften 
Uberrafflnemenl. 
Wer Serpolta - seine Hauptwerke sind die 
Sluckdekoratlonen zahlreicher "Oratorien" 
in Palermo r wirklich war. lehrt uns dieser 
Band zunächst einmal vom Optischen: nicht 
umsonst hat man im Tafetteil die Stuck- 
plosliken. die noturgemdil gipswelß sind 
und nur gelegentliche Goldtiöhungen dur- 
weisen. in Farbaufnohmen reproduziert. um 
dem Beschouer ein möglichst intensives Ge- 
fühl vom Reiz der Oberfläche dieser Gebilde 
zu vermitteln. Die einzelnen "Figuren, im 
Tafelteil herausgelöst aus der Uberfülle des 
rahmenden Dekors. erhalten dadurch per- 
sönliches. individuelles Leben. sie strotzen 
vor Ausdruck und Aussage und rücken 
Serootta damit in die Reihe der Größten 
seiner Zunft. 
Giacomo Serpotta. Sohn eines beseheidenen 
Bildhauers. hruder Giuseppes und Vater 
eines unehelichen Sohnes. stand einer viel- 
küpfigen Bottega vor. die über Auftrags- 
mangel wahrhaft nicht zu klagen hatte. 
Giacomo wurde am 10. März 1656 in Palermo 
geboren und starb am 27. Februar 1731 in 
seiner Heimatstadt. Seine Hauptwerk: sind 
die Stuckplastiken in der Chiesa del Carrnlne 
sowie im Oratorio del Rosario die Sta. Cita 
(beide Palermo). ferner in der Chiesa di 
Santa Spirito (Agrigenl) und ln folgenden 
Palermitaner Oralorien: Carmlnello. Sacer- 
doti lnferml (mit köstlichen t-lerkulesdar- 
stellungenl), San Lorenzo (wo er sämtliche 
Register seines Könnens zieht), Rosario in 
San Domenico. Schließlich seien die Aus- 
stattungen der Kirchen Sant'Agostino und 
San Francesco d'Assisi genannt. in welch 
letzterer er sich mit der sehwierigen Aufgabe 
auseinclnderzusetzen hatte. einen großen 
Innenraum des späten 13. Jahrhunderts 
oiiszusldllen. Fragmente zahlreicher anderer 
Zyklen sind in Museen und Sammlungen 
erhalten geblieben. vieles fiel dem Furor des 
Z. Weltkriegs zum Opfer. 
Giacomo ist ein Künstler zwischen Barock 
und Klassizismus. Bei allem berninesken 
Pathos und Elan legt sich in den Gesamt- 
kompasitionen doch schon ein Hauch von 
Kühle und strenge über das ikonologisch 
und formal raffiniert ausgeklügelte Gesamt- 
gefüge. Die Farbharmonie Weiß-Gold weist 
ebenfalls auf den Klassizismus hin. wenn 
auch berücksichtigt werden miiß. daß die 
Epidermis der Serpollcfschen Stucchi mit 
einem heute zumeist verlorengegangenen 
clfenbeinartigen, sehr sensualistischen Matt- 
glonz versehen war. Will man unter den 
osterreichischen Bildhauern der Wende vom 
17. zum 18. Jahrhundert nach Vergleich- 
barem suchen, stoßt mon zwdngsldung dur 
Raffael Donner. dessen Auffassung der 
Materie (Blei!) gul mit der Serpotlas ver- 
glichen werden kann. Klassizistisch ist auch 
die bei Serpotta sevion sehr weil vorge- 
schrittene Autonomisierung: man kann sich 
seine Stucchi kaum in farbig-illusionistischer 
Umgebung vorstellen, und auch ihre Ver- 
bindung mit der Raumschale ist nicht mehr 
zwangsläufig und orgdniseh. sie sind dem 
Raum "auferleg " sehr bezeichnend isl die 
Tatsache. daß d mehrflgurigen Szenen 
stets als "teatrini" oder ..mocchine" be- 
zeichnet werden und auch so behandelt 
sind. als stünde rnon vor einer zyklischen 
Folge von kleinen Guckkastenbühnen. Hier 
isl ureilles Volksgut lebendig. man braucht 
bloß an die "misteri". an die szenisch-um- 
zughoilen Gestaltungen der Ereignisse der 
Karwoche zu denken. wie 'e heute noch in 
Trapani und Umgebung mit ' erreolistischer 
lniensildt bei Kdrireilogsumzügen darge- 
boten werden. 
Abschließend sei restgeslelll. daß Serpotta 
sich stets als bescheidener. wenn auch selbst- 
bewußter Handwerker fühlte. dem es nichts 
ousmochte. Szenisches nach Stichvorlagen zu 
gestalten. In seinem Werk sind keinerlei 
Ermüdungssouren wahrzunehmen, Eleganz 
und Frische. Mondänität und Volkstümlich- 
keit verbinden sich zu einer ähnlichen Syn- 
these wie etwa in der bayrischen Bildhauerei 
um Günther, nur daß bei Serpotta alles viel 
früher da ist und gleichzeitig viel starker in 
die Zukunft weist. 
Ausgezeichneter. lebendiger Text rnit An- 
merkungen und Registern. 
  
 
Ernst Koller 
önerroiehieelie lcuiizimonogreishie. aend IV: 
Franz Eppol. Die Eisenwunen. Land zwischen 
Emls. Erlauf und Eisenerz. Seine Kunstwerke. 
historischen Lobnlui- und siedlungsieri-nen. 
Verlag St. Peter in Salzburg (1968). 
146 Seiten. eine eingeklebte Falt- 
karte. 72 Abb. auf Bildtafeln. zahl- 
reiche Grundrisse und Pläne im 
Text. Ln. 
Der vierte Band der Österreichischen Kunst- 
rrlonograpttien zeigt in womöglich noch 
sldrkerem Ausmaß die Vorzüge. die bereils 
die vorhergegangenen bdnde dieser Reihe 
aufgewiesen hatten. Wesentlich scheint uns 
vor allem. daft Eaoel auch dieses Mal sich 
nicht an Landesgrenzen hält. sondern bemüht 
war. Lebens- und Wirtschaftseinheiten zu 
erfassen. So kommt es. daß in diesem Band 
wichtige Teile von drei Bundesländern 
berücksichtigt werden. nämlich die nörd- 
liche Steiermark. das östliche Oberösterreich 
und der Westen Niederösterreichs südlich der 
Donau. Besonders rühmenswert scheint uns 
die Auswahl und Zusammenstellung der 
historischen Daten zu sein: hier handelt es 
sich nicht um eine bloße Aneinanderreihung 
von Zahlen und Fakten. sondern urn eine Ab- 
folge kulturgeschichtlicher Streiflichter. die 
Wesentliches über den ieweils z_ur Rede ste- 
henden Zeitabschnitt aussagen. Ähnliche Vor- 
züge gelten auch für dds Kapitel "Kleine Kul- 
tur und Kunstgeschichte": stets dominiert das 
Wsentliche. Kennzeichnend: über die Ge- 
fahr. einer allzu umfassenden Vollständigkeit 
zuliebe ins Monotone. Professorale abzu- 
rutschen. Der eigentliche Kunstführer weist 
ebenfalls rühmenswerte Eigenschaften auf. 
Vor altern hat uns gefallen. daß sowohl der 
Historismus wie auch die Kunst der späteren 
Zeitabschnitte endlich miteinbezogen sind. 
daß also hier die Kunst nicht mit der Bieder- 
meierzelt aufhört. Wichtig erscheint uns 
auch der Versuch. Werturteile zu setzen. 
die vornehmlich bei der Diskussion von 
Hervorbringungen der allerjüngsten Ver- 
gongenneit recht scharf ausfallen. Als nach- 
leilig empfanden wir die Tatsache. daß der 
Abbildungsleil mit dem Textteil nicht syn- 
chronlsiert ist, wos die Notwendigkeit eines 
an sich überflüssigen Hin- und Herblatterns 
mit sich bringt. Auch kleinere sprachliche 
Sctllampereien, wie etwa lm Text zu Abb. 36. 
hätten vermieden werden können. Trotz 
dieser minimalen Einschränkungen ist das 
Buch ein großartiger Wurf,und wir zweifeln 
nicht. daß ihm der gleiche Publikumserfolg 
beschieden sein wird wie seinen vorgdnger- 
bdnden. Ernst Köller 
Indische Miniaturen. Mulk Rai Anand 7 
Hermann Gaetz. 43 Selten Text. 
42 Farbtafeln. Ln. VEB Verlag der 
Kunst. Dresden (1967). DM 38.-. 
Der Verfasser dieser Anzeige erinnert sich, 
bereits im Jahr1931t ein werk mit gleichem 
Tltel von Hermann Goetz gelesen zu haben. 
Die Publikation von damals wdr bei De 
oruvler und vorher in Auisdlzlorm mit 
Fortsetzungen in der unvergeßlichen ..Ost- 
asiatischen Zeltsehril H erschienen. 
Hermann Goetz. der berells19Z9 eine groß- 
angelegte. auch heute noch gültige Kultur- 
geschichte lndlens herausbrachte. hat sich 
seine immense Sachkenntnis und vor allem 
seine schriftstellerischen. interoretatorischen 
Qualitäten vollauf bewahrt; seinen Aus- 
führungen in vorliegender Publikation (..Die 
Meghulmnlerel und ihr Hintergrund") unler- 
scheiden sich grundsätzlich vom Aufsatz des 
indischen Gelehrten ("Dichtkunst und 
Asthetizismus dm Hofe von Oudh"). der ous 
dem einfachen Grund nicht honkomrnt". weil 
er bei viel zu knappem Umfang viel zu viele. 
Fakten. Namen und Daten darlegt. die ohne 
grundlegende Kenntnis der komplizierten 
Materie nicht versldnden werden können. 
Goetz hingegen verhorrl beim Grundsätz- 
lichen. seine worle bleiben klar. einleuch- 
tend und trotzdem äußerst inhaltsreich. Ein 
wghres Vergnügen sind die Kommentare 
zu den (übrigens drucktechrlisch hervorra- 
gend geglückten) Farbtafeln. die in er- 
schöpfender weise Auskunft über die bild- 
svmbolik, die Motive sowie über Wesen 
und Charakter der Dargestellten und sti- 
listisrhe Besonderheiten der Arbeiten geben. 
wir wissen. doia die Kunst am Hofe der 
Großmoghuln und der kleineren Fürstenhöfe 
des islamisch-hinduistischen lndien ein eigen- 
artiges Produkt dus extremem Können. 
überleinerler. ja dekodenler Lebenskultur. 
niedriger Frivolitüt und höchster. nach 
mystischen Zielen strebender Vergeistigung 
ist. Diese Kunst ist aber nicht nur die Her- 
vorbringung einer Treibhdusotmosohdre in 
jedem Sinn des worles. sie bereichert sich 
im verloui ihrer Entwicklung durch immer 
erneutes Eindringen volkslürnlleher, naiver 
Elemente und bezlehi daraus ihren unver- 
glelchlichen Charme. Sie ist synkretistisch in 
ieder Hinsicht. vom Religiösen her gesehen 
ebenso wie vom Formaten. ober sie ist trotz- 
dem keine eklektizislische Klitterung. son- 
dern schöpferisch durch und durch. 
Das Bildmaterial stammt diis Beständen der 
Staatlichen Museen zu Berlin. 
Ernst Koller 
Helmut Kortall - Erna Lesky 7 Otto 
Wächter: Anatomiae universae Pavli Mascag- 
nil kann. Dokumentation. Rastau ert von 
der Meixtenctluln für Konsertferung und 
Technologie an der Akademie der bildenden 
Künste in Wien im Rahmen der österreichi- 
lchen Florenz-Hilfe. Wien 1968. 
Diese 57 Textseiten und 26 Abbildungen 
umfassende bescheidene Broschüre legt 
Rechenschaft über eine großartige Restaurie- 
rungstat und ihre näheren Umstände: am 
4.11.1966 brach eine Flutwelle über Florenz 
herein, die unschätzbar wertvolles Kunstgut 
vernichtete oder schwerstens beschädigte. 
Im Rahmen einer sofort einsetzenden welt- 
weiten Florenz-Hilfe tat auch Österreich sein 
bestes. um diesen kulturellen Notstand lin- 
dern zu helfen. Nach dem Vorwort von 
Unterrichtsminister Piffl-Percevtc wurden bis- 
her an die 300 Waffen aus den Beständen 
des Bargello wiederhergestellt und 1000 
Bücher und Archivalien der Bibliateca 
Nazionale restauriert. Eine Publikation ver- 
dient besondere Aufmerksamkeit. nicht nur. 
weil sie unrettbar verloren erschien. sondern 
weil ihr Verfasser in josephinischer Zeit 
Bedeutendes für Wien geleistet hat: Paolo 
Mascogni (1755-1015) ist der Schöpfer iener 
weithin berühmten Sammlung anatomischer 
Wachsmodelle. iener "Gallerio medica 
Austriacu". die sich bis zum heutigen Tag 
im Gebäude des Josephinums in Wien b 
Mascagni legte seine Forschungserg 
auf dem Gebiet der Anatomie (er 
Entdecker der Lvmphbahnen) der N 
in Form eines Prunkbandes mit I 
handkolorierlen Kupferstichtafeln var 
Format so gewaltig ist, daß aus 
aneinondergefügten Blättern eine l 
lung des menschlichen Körpers in 
grüße zusammengesetzt werden koi 
tliesengroße des Buches wurde ihl 
Verhängnis, denn es mußte nebst c 
Monumentalpublikalionen irn Erdgescl 
Biblioteca Nazionale Centrale auft 
werden. in das die schmutzigen. 
krusteten Schlarnmfluten zuerst eind 
und die drgslen verheerungen hervo 
Der Bericht von Otto Wächter zeigt 
detaillierter Weise auf. wie man t 
schier hoffnungslosen Aufgabe des 
rierens verging und sich mit zum Ti 
artigen Problemen und Phänomens 
einandersetzen rnußte: Wissenschaftlic 
allem chemische Erkenntnisse trugen 
zum Gelingen des unlerrdngens b 
Zufallsentdeckungen. die dort weltel 
wo guter Rdl leuer wdr. 
Daß die anatomischen Stiche Mc 
übrigens auf die Kunslsiudenien de 
dernia - vor allem an die Jünger dei 
ner Schule" eine große Wirkur 
übten. ist ein unerwartetes. aber erfrl 
Nebenergebnis. 
Auch dem Laien wird das Büchle 
geben. zeigt es doch auf. daß der Resti 
nicht nur Künstler. sondern vor allen 
tizierender Wissenschaftler und Hand 
auf höchster Ebene ist. 
Ernst 
Richard W. Eichler. Viel Gunst für sc 
Kunst. 150 Seiten. 111 Abb. 
4 Farbtafeln. J. F. Lohmanns V 
München 1968. 
Man hat den Eindruck. daß Eichler 
beiden ersten Büchern dieses dritte I 
Uberlegung folgen ließ. daß ..dem de 
Zeitgenossen" (s. a) die Kunst e a 
neu e egal ist und mdn ihn daher O 
Brieftasche erinnern muß, wenn m 
wirklich bewegen will. Der Verlag e 
zwar 1500 Rundfunk- und Pressestimi 
Eichlers Veröffentlichungen. schrieb c 
zweiten ..Werk" des Autors mit Bit 
ddß gerade die großen Zeitungen 
nicht die Beachtung schenkten. die 
wünschte. Nun, wir kennen jene Blü 
Eichlers Bücher rezensierten und 
gendu. ddß sieh ein Hinterlupnng 
oder wie sonst eine solche Gazette 
mag. keinen Fachmann als Rezei 
leisten kann. Natürlic . .Volkes Stln 
Gottes Stimme"! Unter dieser Devise 
uns aber vieles geboten. dos uns in 
letzten Konsequenz dorthin iührle. 
niemand wollte. Und wenn Eichler ( 
diesem Buch wieder darauf anspielt. 
ungerechtfertigt sei. Gegner der mo 
Kunst als "braun" zu verdächtigen, s 
uns leider die Wirklichkeit doch 
wieder. daß gerade bei solch gehässig 
einseitigen. zum Teil unfachlichen 
riingen. feste ideologlsehe Zusdmmei 
bestehen. daß man sie nicht wegdisp 
kann. Das Buch ..Viel Gunst für sc 
Kunst" hat 150 Seiten. und man kör 
jeder Seite mehr als eine Seite Entgeg 
schreiben. was naturlich nicht in den F 
einer Rezension zu bringen wäre. sl 
hier nur einige Fakten aufgegriffen 
den Ausführungen Eichlers zeichnet sil 
einseitig gelenkte Kunstpolitik unter Cll 
dadurch aus. daß dem Ausschuß 
großen Ausstellung allein neun Diri 
maßgeblicher Ausstellungshauser des l 
Auslandes angehörten (s. 1a). Hält 
dazu vielleicht neun "deutsche Zeitger 
von der Straße holen sollen? Nach d: 
führungen Eiehlers drangen die geger 
los malenden Künstler nun (weil dii 
schaftliche Lage schlechter wird) zur 
krippe öffentlicher Lehrstellen (s. i 
handelt sich fast durchwegs um die 
45 Jährigen. Wer sollte denn auf die 
slühle gesetzt werden? Die 70 Jahre 
Als schlechte Kunst. für die zu vle 
ausgegeben wurde. wird jene von 
Moorei lßtondrian. Matarä. Giac 
Delaunay. Leger. Picasso. Klee, zi 
vor allem Kandinsky genannt. Wl 
Leben. das Werk und das Ringen um 
Werk aller dieser Großen kennt. sl 
ihren Arbeiten und ihrem Streben best 
hat. wird wissen. was es heißt. sie als ..S 
iiSchrnutzflnke". "Antikünstler" oder l 
latane" hinzustellen. 
 
Alois 
EINGELANGTE BÜCHER 
Adolf Schahl. Felix iiollenberg. Dc 
phische Werk. 114 seiten Text rrlit 
verzeiehnis und 39 einfarbigen Abbild 
Verlag Karl Thiemig KG, Münehen 90. 
DM. 12.90 
Otfrted Kostner. "handgeschmiedet" sr 
Text. 16 Farb- und 110 Schwarz-Weiß- 
Verlag J. wimmer. Linz. 1967. Leinen. 
l-terberl Read - cdrl ZuckrnaYr, Sie 
Sprotte - Agiidrelle du! Sylt, 15 Seite 
32 Flarbtafeln. Leinen 1967. Rembrandt i 
Ber in
	        

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