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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 102)

(Abb. 6). S0 beachte man, wie etwa bei 
der aus dem Bade kommenden Nymphe 
der rechte Arm sich biegt und die Hand 
in die Falten tastet und wie sehr die linke 
Hand des „Snmmcrs" damit verwandt ist. 
Überdies ist diese Faltenbildung jener 
neben dem rechten Schenkel der Nymphe 
sehr ähnlich. Auch wie das Gesicht über 
dem schwingenden Saulenhals mit kurzem 
Unterkinn wenig vorgebaut ist, ist per- 
moserisch und hier wie da gut erkenn- 
bar. 
Dieser Vergleich darf nicht genügen. Wir 
müssen auch das Frühwerk befragen, und 
zwar die urkundlich gesicherten Messer- 
griHe von 1688 im Palazzo Pitti zu Florenz. 
Eincs der Paare stellt „Adam und Eva" 
dar (Abb. 7). „Eva" und der „S0mmer" 
sind in der Körperhaltung cngstens ver- 
wandt, in jenem weichgebeugten, zum 
Gehen ansetzenden „Gcrade-noch-Stehen" 
mit vorgeknicktem rechtem Bein und in der 
Haltung des linken Armes. Hinzu kommt 
das für beide Figuren geschwisterlich ähn- 
liche Köpfchen mit der das Gesicht typisch 
permoserisch verbreiternden l-laarwelle hin- 
term Ohr, hinzu kommt das Motiv der auf 
die Brust gelegten Flechten, ein Motiv, 
welches schon bei der „Catitas" vom Portal 
von St. Gaetano (Abb. 8), bei der „Diana" 
in Dinglingers Schale von 1704 (Abb. 10) 
und noch bei der späteren „Caritas" in 
Freiberg vorkommt. Am verwandtesten 
ist dieses Motiv aber bei der „Eva". Die 
so eigenartige, fast unglaubhafte Haltung 
des rechten, gehobenen Armes des Münch- 
ner „Sommer? hat nach der Freilegung 
von der verunklärenden Fassung seine 
echt permoserisch gewagte Haltung des 
weichen Biegens erst gewonnen. Von den 
verschiedenen möglichen Vergleichen seien 
wieder die „Caritas" von St. Gaetano, 
seien die „Omphalc" der Dresdner Her- 
kules-Omphale-Gruppen (Abb. 9), dazu 
zwei der Dresdner Nymphen und noch 
die späte „Venus Anadyomene" aus Wie- 
dcrau genannt. Bei all diesen Figuren ist 
nicht das Heben des Armes an sich, sondern 
das Schwingend-weich-Kurvende dieser 
Haltung als typisches Merkmal hervor- 
zuhebenll. 
Auch der „Herbst" (Abb. 1, 3) hat seine 
nächsten Verwandten in Pcrrnosers Früh- 
wcrk. Man darf freilich nicht den fauns- 
gesichtigcn Waldschrat der Dresdner Jahres- 
zeiten, auch nicht den nicht von Permoser, 
sondern von J. _]. Kretzschmar stammenden, 
„Bacchus" vom Kronentor zum Vergleich 
wählen, sondern zuallererst den gesicherten 
i früher i Braunschweiger Bacchanten 
von 1695 (Abb. 11) und den Permoset 
zuzuwcisenden jugendlichen „Bacchus" in 
b 
7 
Ballhasar Permoscf. Die Nymphe, die vom am: 
knmxnr. Sandxtcin, übcrlebcnsgxoß. Dresden, Zwinger, 
Nymphäum. Um 111a (Asche a2) 
ßalllusar Pcnnoscr, McmcrgrilT. Eva. 51mm". 91 mrn 
horh. Flnrrnz, P11. Pim, Musco degli Axgenli. Von 
1688 (Asche 161) 
15
	        

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