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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 102)

 
Peter Pötschner 
DER OFEN 
IN BAUMGESTAIXT AUS DEM 
HETZENDORFER 
BEETHOVENHAUS 
l Das 1915 dernolicnc Haus Wien XII, Hctzendoxfct 
Straße 75. einst kaiserlicher Besitz. Im Hauptgschoß 
d: Minelmkzes das mit illusionisrischen Suncricn 
ausgemalt: Landschaflszimmcr, ursprünglichcr Auf- 
stcllungorl des Ofens. Dieser Raum und dic anschließen- 
den Zimmer im linken Scitemrakt wurden von Beet- 
hoven Mai bis August 1x24 bewohnt 
ANMERKUNGEN Iil 
l Öszcn. Kunsttopo aähie. II. Wien 1908. S. 48. Fig. 57; 
Meidljng nimm uc ). Wien 1930. s. m. 
3 Thayzt, IV, 1907, S, 433, 447i". 
3 Thzyet mißverstehr da: und nennt den Baron Müller- 
Prönay. 
4 Gabriel Frcihcrr Prbnay halle auf seinem Gute zu Als: 
im Poster Komitat muslßrhaflc Anla cn "von bomnischzm 
Interesse" gewalzt, VS. Grae er-Czikann) Ostern 
Narionäl-Ency ppldit. . l 36. S. 31481 
Vor einiger Zeit wurden aus den schier 
unerschöpflichen Depots des Historischen 
Museums der Stadt Wien ein paar Kisten 
hervorgeholt, die nach einer mündlichen 
Überlieferung einen Ofen aus der Sterbe- 
wohnung Beethovens im Sehwarzspanier- 
haus enthalten sollten. Die Beschriftung 
der sichtlich seit Jahrzehnten ungeöiTneten 
Kisten war unleserlich geworden. Sie ent- 
hielten eine Menge großer und kleiner 
keramischer Bruchstücke, die dann, so gut 
es ging, zusammengesetzt wurden. Es ent- 
stand das tönerne Abbild eines aus Fels- 
grund wachsenden kolossalen Baumstrun- 
kes, der zwar hohl und innen mit Rippen 
versehen war, aber sonst keineswegs der 
landläuhgen Ofenvorstellung entsprach; 
erst als auch die fragmentarisch erhaltene 
Rückseite mit den Aussparungen für Feue- 
rung und Rauchabzug zusammengesetzt 
war und bei der Entstaubung starke Ruß- 
spuren zutage kamen, war erwiesen, daß 
es sich um einen veritablen Ofen, nicht 
bloß eine Attrappe handelte. 
Die zunächst für kaum möglich gehaltene 
Wiederherstellung übernahm Museums- 
restaurator Georg Weiß. Rahmenbildhauer 
Alois Rudelstorfer ist ihm gelegentlich 
beigesprungen. In monatelanger Arbeit 
wurden die mehr als hundert Bruchstücke 
mit Steinkleber zusammengekittet und die 
fehlenden Teile aus Alabastergips ergänzt. 
Der fehlende naturalistische Dekor konnte 
durch Abgüsse des vorhandenen erneuert 
werden. Einzelne Partien mußten frei nach- 
gestaltet werden, wobei zwei alte Abbildun- 
gen des Ofens Anhalrspunkte boten l. 
Inzwischen war nämlich die Herkunft des 
Ofens geklärt worden: er stammte aus dem 
1915 demolierten Haus Wien XII, Herzen- 
dorfer Straße 75. Also doch einem Beet- 
hoven-, Wenn auch nicht Schwarzspanier- 
haus; Legenden haben mit der Geschichte 
gemein, daß sie meist zur Hälfte stimmen. 
1823 hatte dieses Haus, damals Hctzcndorf 
Nr. 32, Beethoven als Sommerquartier 
gedient 2. Er arbeitete damals an der 
Neunten Symphonie. Am 17. Mai war er 
voll guter Erwartungen dorthin über- 
siedelt, doch schon am 13. August verließ 
et das Quartier geradezu fluchtartig. Schind- 
ler hatte für ihn in Baden mieten müssen. 
„E: in aber heuer früher a]; xpäler prerlo 
prutixrimo man fährt van hier". Schindler 
berichtet, Beethoven habe die häufigen 
Verbeugungen des Hausherrn, Baron Ilrö- 
nay, den er spaßeshalber Baron Müller 
nannte 3, nicht langer ertragen; in Wahrheit 
kollidierte das Ruhebedürfnis des Haus- 
herrn mit dem lärmenden und doch überaus 
empfindlichen Wesen des Mieters. 
Sigmund Freiherr Prönay von Töt-Pröna 
und zu Blathnitza (gest. 1848), Botaniker 
und Blumenzüchter aus Passion wie schon 
sein Vater4, hatte Haus und Garten 1816 
erworben. Wie aus den im Wiener Stadt- 
archiv bewahrten Gewähr- und Dienst- 
büchern von Hetzendorf hervorgeht, war 
die dem Schloß unmittelbar benachbarte 
Liegenschaft, die als ein Viertl Lehm 
behaarten Guth: bezeichnet wird, 1743 in 
den Besitz Maria Theresias gekommen. 
Im vorherigen Jahr hatte die Kaiserin das 
Schloß, das damals Thunhaf hieß, vom 
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