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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 102)

Judith Koos 
DIE AUSXVIRKUNGEN 
JUGENDSTILS IN UNGARN 
DES 
In Anbetracht der gegenwärtigen Synthese 
der internationalen Forschungen wird die 
Kunst der Jahrhundertwende von der 
Kunstgeschichte ganz allgemein positiv 
beurteilt, obwohl sie bis heute noch 
keineswegs in all ihren Aspekten restlos 
erforscht und durchleuchtet wurde. Das 
gilt u. a. auch für das einschlägige unga- 
rische Material. Nach Ansicht mehrerer 
Forscher, wie etwa Tschudi hiadsenl, 
Arthur Drexlerl und Greta Daniel, fehlt 
in der internationalen Fachliteratur vor 
allem eine gründliche Bearbeitung des 
kunstgewerblichen Materials. Seit der Zü- 
richer Ausstellung-Ä waren nur auf der 
Frankfurter Jugendstilausstellung4 einige 
Zsolnay-Keramiken zu sehen, und unter 
den Autoren erwähnt Clementi5 das Schaf- 
fen Pal Hurtis bei gleichzeitiger Ver- 
öffentlichung einiger seiner Goldschmiede- 
arbeiten. 
Da ich hier weder auf das Gesamtgebiet 
dieses Kunststils noch auf Einzelfragen 
eingehen kann, will ich mich im folgenden 
darauf beschränken, in stilistischen und 
traditionsbedingten Belangen auf einige, 
größtenteils unbekannte Faktoren hinzu- 
weisen, welche dic Entwicklung und die 
europäischen Bindungen des ungarischen 
Kunstgewerbes um 1900 maßgeblich be- 
stimmten. 
XVcnden wir uns zunächst den Problemen 
der europäischen Stilwirkungen und der 
internationalen Zusammenhänge zu. 
Der Einfluß des um die Jahrhundertwende 
vorherrschenden europäischen Stils kam in 
Ungarn in verschiedener Form und In- 
tensität zur Geltung. In der Literatur und 
praktischen Verwertung dieser Kunst läßt 
sich ungarischerseits eine bewußtc Orien- 
tierung und Selektion beobachten; die bei 
Schaffung und Ausgestaltung der euro- 
päischen Bindungen maßgeblichen inhalt- 
lichen und formellen Belange entwickelten 
sich nicht zufällig. Das ungarische Kunst- 
schatfen um 1900 verfolgte das Ziel, die 
Kontakte mit dem zeitgenössischen europäi- 
schen Kunstgewerbe aufhöchstcr Ebene und 
in konzentriertester Form aufzunehmen. 
Betrachten wir nunmehr einige theoretische, 
inhaltliche, praktische und formelle Aspekte 
dieser Beziehungen. 
Von der Aufgeschlossenheit Ungarns ge- 
genüber dem einschlägigen ausländischen 
Schrifttum zeugt u. a. die ungarische 
Ruskin-Litcratur. 1896-1898 gelangen die 
„Steine von Venedig" auf den einheimi- 
schen Büchermarkt, 1903 veröffentlicht 
Sarolta Goetze eine Studie unter dem Titel 
„Ruskins Leben und Lehren", ein Jahr 
später erscheint aus der Feder Aladar 
Körös Krieschs, eines der beharrlichsten 
Anhänger Ruskins und Morris', ein Buch 
„Über Ruskin und die englischen Prä- 
raffacliten". Außer den genannten Ausgaben 
beschäftigten sich zu jener Zeit noch 
zahlreiche kleinere Abhandlungen und Stu- 
dien mit der Bedeutung des englischen 
Kunstgewcrbes. Die 1896 gegründete Zeit- 
schrift „Magyar Ipartnüveszet" (Ungari- 
sches Kunstgewerbe; Abb. 2) bietet gerade 
um die Jahrhundertwende überaus reich- 
haltiges Informationsmaterial über das in- 
ternationale Kunstschaiten. Hohe Beachtung 
verdient diese Zeitschrift auch wegen ihrer 
Bedeutung für die ungarische Buchkunst, 
wie aus dem hier nebeneinander wieder- 
gegebenen Originalentwurf Päl Hortis aus 
dem Jahr 1900 und der Titelseite des 
Blattes, ferner aus einer vom gleichen 
Künstler stammenden Kopfleistenverzie- 
rung (Abb. 1) hervorgeht, die, wie wir 
noch schen werden, an eine typische Stil- 
richtung der ungarischen Sezcssion an- 
knüpfen. 
Neben dem Schrifttum verdienen die per- 
sönlichenKontakte,die zahlreichenVorträge 
und besonders auch die Ausstellungen eigens 
hervorgehoben zu werden. 
Als erste dieser Veranstaltungen möchte 
ich hier die im November 1898 in Budapest 
eröffnete Ausstellung der gelegentlich des 
„Englischen NationalWettbewerbs" preis- 
gekrönten Werke erwähnen, die insgesamt 
 
 
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248 Exponate umfaßte. Der gedruckte 
Ausstellungskatalug übernahm Auszüge aus 
dem Wertungsbericht des englischen Preis- 
richterkollegs, da diese, wie es in der 
Druckschrift hieß, „das Ausstellungsmate- 
rial auf äußerst interessante Art ergänzen 
uncl erläutern und einen tieferen Einblick 
in jene Leitgedanken und Systeme er- 
schließen, die beim wissenschaftlichen und 
Kunstunterricht in England befolgt werden 
oder als befolgenswerte Richtlinien gel- 
ten"? 
Die erste ofßzielle Schau der modernen 
Kunst („Modern Müveszet"; Abb. 3) fand 
bereits ein halbes Jahr vor tilrtitinung der 
oben erwähnten Ausstellung, im April 1898, 
statt. XWie es in ihrer Ankündigung hieß, 
verfolgte sie das Ziel, „die ungarischen 
Künstler und das ungarische Publikum 
darüber zu unterrichten, welche Richtung 
das ausländische Kunstgewerbe einschlägt 
und welche nennenswerten Ergebnisse es 
der Mitwirkung bildender Künstler ver- 
dankt"7. Die 599 Ausstellungsohicktc ent- 
hielten die bezeichnendsten Schöpfungen 
der modernen Stilrichtung, gaben Auf- 
schluß über die Kriterien der künstlerischen 
Qualität und boten einen lehrreichen Ein- 
blick in die Art und Wleise, wie sich be- 
kannte Künstler im Kunstgewerbe be- 
tätigten. Bei dieser Gelegenheit schloß das 
ungarische Publikum erstmals mit dem 
Schaffen Louis C. Tiffanys, XlCalter Cranes, 
Charpentiers, Bigots, mit dem Art Nouvcau 
Bing und anderen Prominenten nähere Be- 
kanntschaft. 
ANMEKKUNGENI 7 
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