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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 102)

 
Von den großen österreichischen Büros hat sich 
jenes von Karl Schwanzer seine aufgeschlossene 
Vitalität bewahrt. Die große Breite der Auf- 
gabenbereiche ist bezeichnend für die öster- 
reichische Situation: eine Spezialisierung der 
Büros ist kaum möglich, aber es ist fraglich, 
ob diese Tatsache in der kommenden Ent- 
wicklung, so positiv sie erscheinen mag, auf- 
recht zu erhalten ist. 
Schwanzers vielbeachteter Österreichpavillon 
der Weltausstellung Montreal zeugt vom sub- 
tilen Wissen über die Ausstellungstaktik. Bau- 
werk und Inhalt konnten sich in der starken 
Konkurrenz vorzüglich behaupten. Drei wichtige 
Aufträge Karl Schwanzers sind eben in Aus- 
führung begriffen und werden zweifellos dazu 
beitragen, die Bedeutung Karl Schwanzers im 
internationalen Baugeschehen zu dokumentie- 
ren: die österreichische Botschaft in Brasilia, 
das Wirtschaftsförderungsinstitut in St. Pölten 
(Abb. 1) und als letzte Arbeit der großzügige 
Entwurf für das BMW-Bürohaus in München 
(Abb. 2) mit einem „Hängehaus" auf kleeblatt- 
förmigem Grundriß. Das Interesse an einer 
punktuellen städtebaulichen Situation zeigt Karl 
Schwanzer am Projekt eines City-Centers am 
Donaukanal (Abb. 3), das Konditionen für die 
vielfältigen städtischen Ereignisse darbietet. 
In Österreich 7 aber auch über die Grenze des 
Landes hinaus - sind besonders die städte- 
baulichen Arbeiten von Roland Rainer be- 
deutend. In Tendenz und Geistigkeit von 
Schwanzer nach wie vor präzise distanziert, ist 
er seinen knappen, konsequenten Formulierun- 
gen treu geblieben. 
Der erfolgreiche internationale Wettbewerb für 
einen Stadtteil von Preßburg (Abb. 6) (gemein- 
sam mit Herbert Karrer, Albin Arzberger) 
zeigt wesentliche Modifikationen der städte- 
baulichen Auffassung Rainers zugunsten syste- 
matischer, zentrisch orientierter Gruppierungen 
im Gegensatz zu den bisherigen Block- und 
Zeilengruppierungen oder den teppichartigen 
Geflechten, wie sie etwa von der Gartensiedlung 
Puchenau bei Linz (Abb. 5), die eben fertig- 
gestellt wurde, bekannt sind. 
Selbst wenn man vom vielfach umstrittenen Plan 
einer Stadthalle absieht, scheint nunmehr Linz der 
günstigere Boden für Rainers Tätigkeit zu sein. 
Das Projekt für ein Einkaufszentrum am Süd- 
bahnhof (Abb. 4), das in den beiden obersten 
Geschossen Parkdecks vorsieht, ist eine un- 
pathetische, strenge Lösung. Näher der Reali- 
sierung ist der Entwurf für ein Hotel in Linz. 
Von den Architekten, die bereits eine fixierte 
Position in Österreich erarbeitet haben, können 
wir vor allem Ernst Hiesmayr zitieren. In der 
Vielfalt der Bauaufgaben, mit der er sich be- 
schäftigen konnte (Wifi Linz, Villenhotel Wien), 
finden wir nun auch einen Kirchenbau, Lang- 
holzfeld bei Linz (Abb. 13). Es ist bezeichnend, 
daß dieser Bau gerade von der konsequenten 
jüngeren Generation kritisiert wird. Man ist 
skeptisch gegenüber den sehr geschickt, ja 
raffiniert eingesetzten formalen Qualitäten. Doch 
müßten auch die Kritiker zugeben, daß, unter- 
stützt von den Skulpturelementen Karl Prantls, 
ein überaus eindrucksvoller, erlebnisreicher Raum 
entstanden ist. 
Auch Carl Auböck geht vielfach von der for- 
malen Erscheinungsform aus, aber in immer 
stärkerem Maße versucht er, die konstruktiven 
Momente und die volumetrischen Ergebnisse 
zur Deckung zu bringen. Neben zahlreichen 
Einfamilienhäusern der (intellektuellen) High 
Society baute er die Kirche in Möllersdorf 
(Abb. 14), charakterisiert durch die harten, 
weiß gestrichenen Betonkuben. 
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Mit Auböck gelingt die Uberleitung von den 
..arrivierten" zu jenen ambitionierten Architekten, 
die heute um 40 Jahre sind und bereits auf 
breiterer Basis ins Baugeschehen eingetreten 
sind. Zu ihnen gehört vor allem das Architekten- 
ehepaar Wolfgang und Traude Windbrechtinger. 
Der Kindergarten in Amstetten (Abb. 9) geht 
von der Grundform des Quadrates aus und 
zeigt ein streng geometrisches Grundrißschema, 
das überraschenderweise bei vielen öster- 
reichischen Architekten im Vordergrund des 
lnteresses steht. 
So etwa bei Anton Schwaighofer, der ein 
außerordentlich reges und experimentierfreudi- 
ges Büro leitet, mit großem Geschick im Erfassen 
der Gegenwartssituation. Seine letzte Arbeit, 
der Kindergarten in Wördern (Abb. 10), zeigt 
deutlich das Engagement für diffizile räumliche 
Dispositionen, für modulare Grundrißsystematik, 
für geschickte Materialwirkung; Qualitäten, die 
auch bei der Schule Allentsteig wirksam ein- 
gesetzt sind, Das Interesse an neuen Kon- 
struktionen, so zum Beispiel Hängehäusern, 
kommt im Bau der Mercedes-Station (Mit- 
arbeiter P. Schweger) zum Ausdruck. Gemein- 
sam mit Rupert Falkner entstanden einige 
Wohnbauten, während Falkner im Alleingang 
das Altersheim in Breitenfurt entwickelte. 
Überhaupt gilt Falkners Interesse dem Problem 
des Wohnens alter Menschen. Projekte für 
Neudörfl und Krems und für ein Pensionisten- 
heim in einem Neubaugebiet in Wien (Abb. 7) 
geben davon Zeugnis. 
Falkners kürzlich fertiggestelltes Kinderdorf in 
Pötsching ist ein bemerkenswerter Ausbruch 
aus der Kinderdorf-Sentimentalität, trotzdem 
bewahrt die Anlage eine sympathische Maß- 
stäblichkeit. 
 

	        

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