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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 102)

Ohne eine Grenzlinie ziehen zu können, gibt 
es eine Anzahl jüngerer Architekten, die in einem 
größerem Ausmaße noch „unterwegs" sind, die 
sich nur am Rande in den breiten Strom des 
Baugeschehens eingeschaltet haben, gleich- 
wohl aber von Bedeutung sind - nicht zuletzt 
durch ihr theoretisches Engagement. 
Zu den Pionieren der Nachkriegssituation zählte 
die Arbeitsgruppe 4. Seit 1964 sind die „Drei- 
viertler" durch den Abgang Wilhelm Holzbauers 
auf ein Zweimannteam reduziert. Der Auf- 
tragsstand - wie leider so oft in Österreich - 
ist den Fähigkeiten dieser „Gruppe", die nun 
aus Friedrich Kurrent und Johannes Spalt be- 
steht, keineswegs adäquat. Sicherlich, eine 
vielleicht charaktervolle, aber sprode Dogmatik 
und Systematik sind heute nicht sehr gefragt 
und keine gute Startbedingung, um „ins Ge- 
schäft" zu kommen. So ist es in den letzten 
Jahren etwas stiller geworden um dieses am- 
bitionierte Team. Seit dem ausgezeichneten Bau 
des Kollegs St. Joseph in Aigen bei Salzburg 
sind zwar keine richtungweisenden, aber doch 
beachtliche Arbeiten entstanden, vor allem die 
Fabrik „Terra" in Vosendorf bei Wien (Abb. 8). 
Das Seelsorgezentrum Steyr-Ennsleiten (ge- 
meinsam mit J. G. Gsteu) wird nun, nach einer 
Bauunterbrechung von vielen Jahren, fertig- 
gestellt. Die zahlreichen theoretischen Arbeiten, 
Reflexionen und Projekte sind hierzulande leider 
noch keine Legitimation, um zu größeren Auf- 
trägen zu kommen: die „Neue Galerie" des 
Kunsthistorischen Museums in der Stallburg, 
das Gästehaus Wittmann sind die bescheidenen 
Realisierungen, die neben zahlreichen interes- 
santen Projekten stehen. 
Wilhelm Holzbauer hat nach seiner Abspaltung 
von der Arbeitsgruppe 4 durch seine Lehrtätig- 
keit in den USA wesentliche Impulse aus 
Amerika empfangen, die er sehr selbständig 
verarbeitet hat. ln einer Reihe von Entwürfen, 
vorwiegend Wettbewerbsarbeiten, hat er be- 
wiesen, daß er zu den wichtigsten Kräften der 
jüngsten Gegenwart in Österreich gehört. 
Ihm scheint nun der Sprung zu größeren 
Realisierungen zu gelingen. Das Bundesamt 
für Eich- und Vermessungswesen in Salzburg 
(Abb. 12) ist ein konkreter Auftrag des Bauten- 
ministeriums, das interessante Projekt für ein 
Volksbildungsheim in Salzburg-Aigen soll 1970 
verwirklicht werden. Für die Gemeinde Wien 
lieferte Holzbauer einen Vorschlag für Fertig- 
teilbauten (System Camus), der neuerlich be- 
weist, daß auch mit den Methoden der Pre- 
fabrikation ein ansprechender menschlicher 
Umraum geschaffen werden kann. 
Projekte für das Ausland, darunter ein Vorschlag 
für eine Hochhausgruppe in Chicago, sowie 
die kürzlich erfolgte Verleihung des 1. Preises im 
internationalen Wettbewerb für den Neubau 
des Rathauses in Amsterdam (Abb. 11) werden 
die internationale Anerkennung Holzbauers 
weiter unterstützen. 
Holzbauer hat sich nach seiner Trennung von 
der Arbeitsgruppe 4 auch weiterhin für den 
Kirchenbau interessiert; das Projekt für eine 
Kirche in der Kendler-Siedlung in Salzburg 
wartet auf die Realisierung. 
Betrachten wir die Fülle neuer Kirchenbauten 
der letzten Jahre, das unsichere, bisweilen 
dilettantische Tasten, so scheint es über- 
raschend, daß ein Architekt wie Ottokar Uhl, 
der sich fundamental mit den Fragen des 
Kirchenbaues beschäftigt, in Österreich kaum 
auf größere ausgeführte Arbeiten verweisen 
kann. Nach dem interessanten Versuch der 
demontierbaren Kirche in Wien-Floridsdorf ent- 
stand eine Notkirche aus Holz in Wien-Favoriten. 
Die Vollendung der ausgezeichneten Kirche in 
Taegu (Abb. 16) in Korea liegt nun schon 
wieder vier Jahre zurück. Seither gab es Um- 
bauten und Einrichtungen (Stift Melk), li- 
turgische Neuordnungen und dazwischen immer 
wieder Studien, Vorschläge, Aufsätze, Entwürfe 
und Projekte (Kirche in Rodaun), die sich mit 
der aktuellen Relation von Liturgie und ein- 
fachen, konstruktiv bestimmten Räumen aus- 
einandersetzen. 
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