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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 102)

 
Oskar Slrnad, Doppelhaus auf der Werkbundsiedlung. 
Wien 1932 
Oskar Slrnad, Projekt für eine Stadtplanung Wien. 1923 
Oskar Strnad, Haus, Wien 19 Kobenzlgasse. erbaut 
1910-1912. Slraßenansicht und Ganenansicht 
Es ist ein gewagter Versuch, eine Künstler- 
persönlichkeit, die im ersten Drittel unseres 
Jahrhunderts die moderne Entwicklung ent- 
scheidend mitbestimmte, einer Generation vor- 
zustellen, die sie nicht mehr und ihr Werk 
kaum kennt. Es ist deswegen ein gewagter 
Versuch, weil das Wesen und Schaffen dieser 
Persönlichkeit so sehr vom Wesen und Schaffen 
der Künstler verschieden war, die früher Schlag- 
zeilen machten und heute noch machen, die 
kleine Einfälle in Form von Manifesten publi- 
zieren und einen Sesselentwurf nur sshätzen, 
wenn er "provokant" ist. 
Strnad war niemals provokant; er verstand und 
erstrebte es immer, seine ideen so selbstver- 
ständlich und unauffällig zu präsentieren, daß 
sie für den oberflächlichen Betrachter kaum auf- 
fielen. Er war ein Revolutionär der Stille. 
Im Gegensatz zu anderen modernen Künstlern 
seiner Zeit, die vorerst alte Konventionen in neue 
Formen kleideten, schuf er (vorerst noch mit 
konventionellen Formen) neue Inhalte. (Das 
wird z. B. an seinen Arbeiten für den Schieß- 
brunnen in Karlsbad und dem Entwurf für das 
Kriegsministerium deutlich erkennbar.) 
Das Eigenartige am Wesen Strnads tritt schon 
in der Realschule in Erscheinung, wo Freihand- 
zeichnen und Mathematik seine Lieblingsfächer 
waren, zwei Disziplinen, deren Verehrer meistens 
durch Welten voneinandergetrennterscheinen. 
Diese Doppelliebe hat er sich b' zu seinem 
Tode erhalten. „Phantasie und Präzision müssen 
so innig vereint sein, daß ein Architekt (Strnad 
verstand darunter einen Künstler) seine Phan- 
 
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tasien auch telephonisch statt in Pläner 
teilen kann." 
Phantasie und Präzision und das Bemühe 
künstlerische Ansicht möglichst unauffäl 
erreichen, bestimmen seine Arbeiten. V 
Jahre vor seinem Tode hat er versprr 
einen Artikel überuFormlos formen" zu schr 
Er konnte diesem Versprechen leider 
mehr nachkommen, aber in allen seinen V 
ist erkennbar, was er darunter verstand. 
Und auch in seinen Schriften, wie: Ged 
beim Entwurf eines Grundrisses, Soldaten 
und Kriegerdenkmale (1915), Einiges 
retisches zur Raumgestaltung (1913, 
Neue Wege zur Wohnraumeinrichtung (' 
Harmonie in der Baukunst (1932), Das 5 
spielhaus (1920), Regie und Dichtung, 
und Szene (1934) usw. 
Großes, lebendiges Wissen, die Fähigkei 
bindungen geistiger, künstlerischer und i 
schaftlicher Art zu allen Zeiten zu erkenne 
die Parallelität aller künstlerischen Ausd 
mittel zu berücksichtigen, nebst einem bril 
Darstellungsvermögen, zeichnen seine A: 
aus. 
Er hatte es niemals nötig, auf der Bür 
"verfremden". um eine dramatische A 
durchzusetzen, weil es ihm immer gelan 
und Milieu der Dichtung dem dramatische 
des Werkes bruchlos einzufügen: durr 
dem Werk entsprechende Art der Wieds 
durch Proportionsverschiebungen und 
die technische Lösung der Realisierung. 
 

	        

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