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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 102)

LU bElllUlll DU. NJGUUIISIHQ, HÖUH EIDE! HTSI ZEHN- 
jährigen Tätigkeit als Biihnenbildner (er haßte 
dieses Wort), und nach seinem Tode bekunden 
die führenden Persönlichkeiten des deutsch- 
sprachigen Theaters ihre aufrichtige Bewunde- 
rung in Telegrammen, Briefen und Artikeln. 
Von 1924 an verlolgt er besorgt die weitere 
Entwicklung der Architektur. Als Initiator einer 
(damals als utopisch bezeichneten) Architektur- 
ausstellung der Schulen Hoffmann und Strnad 
an der Wiener Kunstgewerbeschule weist er in 
seinem Eröffnungsvurtrag darauf hin, „daß der 
Architekt von heute Material in Händen hat, 
wie es keine Zeit vor ihm besessen. War die 
Tektonik der Griechen und in noch höherem 
sein, um so xlarer aue nrxenntnls, uals ule bau- 
kunst nicht in der Lösung technischer Probleme 
besteht, sondern nach deren Lösung erst an- 
fängt...", daß es deshalb mehr als jemals 
notwendig ist, die künstlerisch-kulturelle Be- 
deutung des Architekten zu erkennen. 
Er verfaßt (ungehört) „Ein Wort zur Aufklärung", 
in welchem er vor der "Verbeamtung" des 
Architektenstandes warnt. 
In den letzten Jahren von Strnads Lehrtätigkeit 
publiziert sein damaliger Assistent Boltenstern 
unter dem Titel "Die Wohnung für Jedermann" 
(Verlag Julius Hoffmann, Stuttgart 1933) das 
Ergebnis einer Klassenarbeit, die eine Bilanz 
über jahrzehntelang Erarbeitetes darstellt. Diese 
In trscnelnung, dem es gelang, die Immer 
sehr dem Zeitgeschmack unterliegende Jugend 
aus ihren Vorurteilen zu lösen und nach dem 
Leitwort "Architektur besteht nicht im Häusen 
bauen, sondern in der Gesinnung" auf ihre 
Aufgabe als moralische Verpflichtung hinzu- 
weisen. Es gelang ihm (von seinen Schülern 
ganz altmodisch geliebt und verehrt), aus jedem 
das Beste herauszuholen; soviel als eben in 
ihm drinnen war. ..Kleine Strnads" hat er kaum 
erzogen, denn seine Absicht war, nicht das zu 
lehren, was man heute trägt, sondern den 
Schülern das Fundament zu geben, auf welchem 
sie in kommenden Jahrzehnten mit eigenen 
Kräften aufbauen sollen. 
 
8 Oskar Stmad, Enlwurfszelchnung fur Ein Glasservice, 
1917 
9 ?9skär Sllnad, Armsessel mit emgelegtem Kissen, um 
1 
OSKAR STRNAD - Leben und Werk 
1879 wurde Stlnad am 26.0ktober in Wien geboren, 
besuchte in Wien die Realschule und die Technische 
Hochschule bei Ferstl, Mayreder und König und erwarb 
1304 den Doktorgrad mit einer Arbeit über lrühcllrists 
liche Kunst. Nach einer Atelierzeit bei Ohmann und Fellner 
ü Helmer, unterbrochen von Studienreisen in ltalien und 
selbständigen Arbeiten, wurde er von Allred Roller 
1909 an die Kunstgewerbeschule berufen, die eben daran 
war, sich Zur führenden Anstalt in Europa zu entwickeln. 
Strnad wurde vorerst mit der Leitung der Klasse lul ,.All- 
gemeine F0rmenlehre' betraut, die er bald zu großen n. 
folgen führte. Viele Jahre später hat Rolle: die Berufung 
Strnads ur eine der glücklichsten Entscheidungen in 
seiner langjährigen direktovialen Tatigkeit erklärt. 
1912 beginnt sein selbständiges Schaffen bedeutende 
eigenständige Formen anzunehmen; das Haus in der 
Kobenzlgasse, der Ehrenhof auf der Werkbundausstellung 
in Köln 1914, das Haus Wassermann, die Siedlung in 
Ortmann und die Bauten lüt den Bankier Kranz entstehen. 
Er übernimmt eine Architektenklasse an der Kunstgewerba- 
schule und beginnt mit der Planung für ein Theater. Vor- 
träge, Schriften über Grabmäler und Denkmäler, Möbel 
und Wohnungen, Architektur und Plastik und das Einsetzen 
einer Jomantischen Periode" zu Ende des ersten Welt- 
kriege: lühlen ihn (auch wegen Mangels an anderen 
Aufträgen) zum Theater. 
1918 betraut ihn Bernau mit den ersten Bühnenarbeiten 
am Valkstheater. Er übernimmt Bernaus Idee einer _Ring- 
biihne" in sein Theaterprujekt und publiziert im September- 
heft der Zeitschrift .Der Architekt" 
1920 das .Große Schauspielhaus mit Ringbühne", womit 
er der Entwicklung eines modernen Theaters den Weg 
waist. Auf der internationalen Thaaterausstellung in 
Den Haag 1923 erkannt Gordon Craig die große Bedeutung 
dieser Arbeit. 
1923 eröffnet Reinhardt mit dem .Sehwierigen" das 
Theater in der Josefstadt mit Strnads Birhnenbildern und 
beginnt damit eine Zusammenarbeit, die bis zum Tode 
bestehen bleibt. Bald rieten ihn auch die Staatstheater 
und führende Bühnen des Auslandes zur Mitarbeit. Trotz 
zunehmender Bühnentatigkeit arbeitet Strnad weiter auch 
an Architekturproiekten und wvettbewerben und erwirbt 
1925 mit seinem Wettbewerbsprojekl für das Heilbad 
Schallerbach den ersten Preis, schafft den ,.Orgelturm' auf 
der Weltausstellung in Paris, Wettbewerbsprojekte für den 
Brückenkopf in Köln, für das Volkerbundgalais in Genf 
usw. und städtebauliche Projekte und Wohnhausanlagen 
für Wien. 
1929 zu seinem 50. Geburtstag findet er in Artikeln und 
Aulsätlen, Briefen und Telegrammen die Anerkennung der 
führenden Persönlichkeiten der internationalen Kunstwelt, 
jedoch keine offizielle Anerkennung von Österreich. 
1933 beginnt er mit den Filmbeuten für ,.Maskerade" mit 
Willi Forst und Walter Reisch einen weltweit anerkannten 
Aufstieg des österreichischen Films, der leider nur von 
kurzer Dauer war. Schon schwerkrank arbeitet er a vom 
Burgtheater nicht mehr beschäftigt - tur das Volkstheater, 
für die Scala in Mailand, für Florenz und für eine geplante 
Tournee mit Werlels .Weg der Verheißung' durch die 
amerikanischen Staaten, für welche er 
1935 das große Projekt eines Bühnen- und Zuschauer- 
zeltes als eine neue Form szenischer Möglichkeiten ent- 
wirft. Im selben Jahr stirbt Strnad, nachdem er noch die 
italienische Aufführung von ,.Entf" rung aus dem Serail" 
fur die Salzburger Festspiele adaptiert hatte, am 2.Sep- 
tember in Alt-Aussee. 
1936 veranstalteten seine Freunde im Hagenbund eine 
Erinnerungsausstellung. 
1945 war es möglich, zur Erinnerung an seinen 10. Todes- 
tag im September eine Ausstellung im Werkbundlokal, 
Kärntner Straße 15. lu arrangieren, weil die meisten 
Birhnenarbeiten im Besitz der Nationalbibliothek (Theater- 
sammlung) und auch die meisten Architekturarbeiten im 
Besitz der Witwe Strnads über den Krieg erhalten bleiben 
konnten. 
1949 ließ die Wiener Stadtverwaltung an seinem Geburts- 
haus, Ruprechtsplatz 3a, (zu seinem 10. Geburtstag) eine 
Gedenktafel anbringen, nachdem Ihm 1947 posthum der 
Preis der Stadt Wien fur Architektur verliehen wordenowakr. 
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