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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 103)

Zu den Themen, die im Mittelalter und bis 
in die Neuzeit hinein am meisten diskutiert 
wurden, gehört die Frage der Entstehung 
und Entwicklung der Baumgans. 
Die Baumganr (branta bernicla) ist auch 
unter anderen Namen, als Bernikel-, Meer- 
oder Klostergans, bekannt. Sie brütet und 
nistet zwischen dem 60. und SO. Breiten- 
grad auf Spitzbergen und Grönland und 
erscheint im Oktober und November in 
großen Scharen im Ostsee- und Nordsee- 
gebiet. Da man sie aber in diesen Gegenden 
niemals brüten sieht, entstand schon in 
frühen Zeiten die Sage, dieser Vogel ent- 
stehe aus dem Holz der Bäume oder, nach 
anderen Quellen, entwickle sich aus der 
Entenmurrhel. 
Dieses muschclartige Gebilde (lepas anati- 
fera) gehört den Rankenfüßlern und Kreb- 
sen an, deren Larven noch frei im Meer 
herurnschwimmen. (Sie setzen sich an 
Schiffsrümpfen, herumschwimmenden Plan- 
ken, Bimsstcinen usw. mit einem Stiel fest, 
der einem Halse nicht unähnlich ist, und 
lassen die Rankenfüße, die wieder einem 
Vogelschwanz gleichen, ins Wasser hängen. 
Entfernt man die Schale, so werden darunter 
zwei blaue Gebilde sichtbar, die wie Flügel- 
chen wirken, so daß man mit entsprechen- 
der Phantasie sich leicht einen Vogelembryo 
vorstellen kann.) 
Der Ursprung der Sage ist noch ungeklärt. 
Eduard Herun-Allen bringt in seinen er- 
schöpfenden Abhandlungenl sehr über- 
18 
 
OSAHAÜUIH am Krem mit mykenxscher Dnmcllung dcr 
Baumgnus 
Defenmriuxl! von Smms. Inmbruckcr Lmmlcsxxxuscuxn 
Fcrdinznldcuxx: 
[m Bqunxgüxxsc uns dem Dcfcnsoriuln dcs KlmlcrsSLnlns 
im Obcniuunul, (.1. 1437. ("Hmalcrci atlfßuldgrxxnd (Am- 
schnitt aux mm. 2) 
Acucas Sylvms Uiccoloxxuixxi am Hofe Kunlg Jakobs l. 
van Schottland, 1435. Fresko von Pmmrricchio. Sxena. 
Bibliuzluccn Plcculumixll 
zeugende Abbildungen aus Kreta und 
Mykenä und bezieht sich auf die Aus- 
führungen des Franzosen M. Frederic 
Houssay („Revue archeologique" 1895) 
und des Engländers Sir Ray Lankester 
(„Diversions of a Naturalist" 1915). In dcr 
Literatur der Griechen und Römer fehlt 
bemerkenswerterweise jede Spur einer 
solchen Sage. Der älteste Sichergestellte 
Bericht findet sich nach Georg jakab in 
den Berichten einiger arabischer Gesandter Z. 
Er zitiert dort Qawzini: 
„Am Strande des Meeres der Insel Scha- 
schjn (wahrscheinlich England) wachsen 
Bäurne, und bisweilen stürzen die Ufer ab 
und ein Baum fällt ins Meer. Dersclbc 
schwankt infolge der Wogen, bis sich ein 
weißer Nebel bildet. Aus dem Nebel 
furcht sich dann ein Ei, aus dem sich die 
Gestalt eines Vogels bildet, der noch mit 
dem Schwanz am Baume hängt, und wenn 
Allah will und der Wind ihn anbläst, dann 
bilden sich Fedcrlein, und es wird ein Vogel 
daraus, der über die Oberfläche des Meeres 
dahin schießt." 
Aclmled Ilm Omarl erzählt von einem Mann, 
der seinem König ein Stück Holz brachte, 
an dem sich ein Ansatz von Eiern gebildet 
hatte. Der König befahl, das Holz in einem
	        

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