MAK

Full text: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 103)

11 Hcrmkclgans a..- "via-m curioso" des Caspar Sthorr 
S. I. idem mit C. Gesner. 1667 Herlviivoli]. H. Erldrcr 8 
Wulf 
u Uernikclgans am ,.llrelun5 Tierleben", s. BcL. wen, 
vom des bibliogratwhischexx Institutes, Leipzig 1x70 
Bervurln. 
Ruzzmrrx (gest. 1171) hatte bestimmt, daß 
die Bernikelgans als Fleisch zu betrachten 
sei, also nur gegessen werden dürfe, wenn 
sie geschächtet sei. Er ließ diese Entschei- 
dung auch den Söhnen in England mit- 
teilen 1. Rabbi lsaak von Carheil verbot 1277 
überhaupt den Genuß von Baumgänsen, 
da sie weder Fleisch noch Fisch seien 3. 
Aber zur selben Zeit wurde bereits eine 
kritische Stimme laut: Alberlux illngzuz: 
(1193-1280), ein kritischer Geist und be- 
deutender Naturforscher seiner Zeit, über- 
zeugte sich auf einer Nordlandreise selbst 
von der Unhaltbarkeit der Sage, sah die 
Bernikelgänse Eier legen, sich treten und 
brüten und berichtigte den Irrtum seiner 
Zeit im XXlll. Buch seines Werkes „De 
animalilnus": 
„ . . . mentiendo quidam dicunt aves, quas 
vulgus Bonngas, baurngans debet esse, 
vocat, eo quod ex arboribus nasci dicuntur, 
et haec omnino absurdum est..." („Es 
gibt Leute, die lügenhafterweise von 
Vögeln sprechen, die im Volke Baumgans 
heißen, daß diese auf Bäumen entstehen 
sollen; das aber ist völlig absurd . . .") 
Albertus war wohl der erste Forscher, der 
den Mythos als nicht der Wahrheit enta 
sprechend abgelehnt hatte. Trotzdem wird 
unter anderem im Brixner Kreuzgang, im 
Defensorium in Stams und in Schleißheim 
immer wieder Albertus Magnus als Ge- 
währsmann für die Existenz der Baumgans 
angeführt. 
1m 14. jahrhundert hat ein Bericht des 
Konrad von llilljgkßällhffll: über die Baumgans 
das Interesse weiter Kreise in Deutschland 
erweckt. Der Verfasser wurde in Schwaben 
geboren, erlangte in Paris den Doktorgrati 
und hielt dortselbst Vorlesungen über 
Philosophie und Theologie. 1337 kehrte er 
nach Deutschland zurück und lehrte in 
Wien durch zwei jahre an der Schule von 
St. Stephan. bis er an Lähmungserschei- 
nungen erkrankte und sich zu Schiff nach 
Regensburg bringen ließ, wo er vrährend 
einer Messe, bei der von ihm selbst verfaßte 
Hymnen gesungen wurden, wieder genas. 
In seinem „Buch der Natur" lehnt er sich 
in erster Linie an das Werk „De natura 
rerum" des Thomas von Canlizlzprä (1201 
bis 1270), eines Schülers Alberts, an. Das 
Buch Konrad von Meggenbergs ist die 
erste Naturgeschichte in deutscher Sprache, 
wurde von Pfeijfer nach verschiedenen 
Manuskripten zusammengestellt und er- 
schien 1861 in Stuttgart (neuhochdeutsche 
Bearbeitung von Schulz in Greifswald). 
F.s heißt dort ungefähr: 
„Von den Bachadis . . . das ist ein Vogel, 
der von Holz wächst, und das Holz hat 
an ihm viele Äste, aus denen die Vögel 
wachsen, so daß also recht viele an dem 
Baum hängen. Sie sind aber schwarz von 
Farbe, so recht asehfarbig. Sie hängen an 
den Bäumen mit den Schnäbeln und hän- 
gen an den Rinden und an den Stämmen 
der Bäume. Sie fallen bei Seite in das Meer 
und wachsen auf dem Meer, und sie be- 
ginnen zu fliegen. Etliche Leute aßen die 
Vögel, aber lnnocentius, der vierte Papst 
des Namens, verbot dieselben Vögel in 
einem Conzil zu Lateran" (Lateransynode 
1215, lnnozenz111.). 
Auf diese Beschreibung stützen sich wohl 
die meisten Darstellungen in den Defene 
sorien und in den späteren naturgeschicht- 
liehen Werken. 
linde des 14. und zu Beginn des 15. jahr- 
hunderts, zur Zeit also, da Franz von Retz 
(s. o.) sein Defensorium immaculatae Virgi- 
nitatis beatae Mariae" schuf (einen Bilderzy- 
klus, der durch Symbole aus der Tierwelt, ja 
sogar aus der antiken Mythologie die 
jungfrauenschaft Mariens beweisen soll), 
stand das Problem der Baumgans immer 
noch im Mittelpunkt des Interesses. Es 
ist wohl kaum daran zu zweifeln, daß der 
Autor an die Realität der sagenhaften 
Berichte glaubte, als er die Carbas in den 
Zyklus seiner Mariensymbole aufnahm. Die 
Berichte über die „Schottischen Gänse" 
(„Barliatae britannicae") des Thomas Can- 
timpratensis (: v. Cantirnpre, s. o.) und 
des Sylvester Girnlzlu: klangen für die 
damalige Zeit durchaus überzeugend. 
mumuo 0mm. lnonnrhnl. v. mm i-ly. 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.