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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 103)

ANMERKUNGEN 16 
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ersten zwei Jahrzehnten des 18. Jahrhun- 
derts sind über Schindler nicht bekannt. 
Die Signatur auf dem zweiten Instrument, 
einer Tischsonnenuhr im Besitz des Adler- 
Museums. Chicago (Abb. 7), schwankt 
etwas in den für die Schreibung des Namens 
verwendeten Lettern. Diese Variationen 
sind aber so minimal, daß, weiter aufgebaut 
auf dem stilistischen Vergleich, dieser 
Instrumente für die Zusammengehörigkeit 
der bei Zinner bereits aufgeführten Objekte 
kein Zweifel besteht, ebenso auch nicht für 
die Zuschreibung der hier neu aufgetauchten 
Armillarsphaere. Eine merkwürdige Dis- 
krepanz ergibt sich nur bei einer Tisch- 
sonnenuhr des Adler-Museums in Chicago, 
Sammlung Mensing, 289, die Zinner mit 
der Datierung „1680" als frühestes In- 
strument Schindlcrs anführt, da die deut- 
liche und mit den anderen völlig überein- 
stimmende Signatur auf der Unterseite 
der Bodenplatte die Datierung „1580" auf- 
weist (Abb. 8). Da aber das sparsame 
Ornament dieses Objektes wie auch die 
verwendeten Ziffern deutlich dem Stil des 
spätesten 17. jahrhunderts angehören und 
auch die Schreibweise der Signatur 
mit denen der anderen Schindler-Instru- 
mente völlig übereinstimmt, muß die 
Datierung falsch sein. Ihre Ziffern ent- 
sprechen auch nicht den sonst von Schindler 
verwendeten. 
Schindlers Werk, wie wir es heute kennen, 
ist nicht sehr umfangreich. Die vorliegende 
Armillarsphaere eingeschlossen, umfaßt es 
16 Instrumente: Neun Sonnenuhren, drei 
Sternuhren, zwei Kalenderseheiben, ein 
Feldmeßgerät und eine Armillarsphaere. Die 
Objekte sind auf verschiedene Samm- 
lungen der Erde verstreut. Eine ehemals 
in Dresden aufbewahrte Tischsonnenuhr 
ging im letzten Krieg verloren 16. 
Die durchwegs in feuervergoldetcm Mes- 
sing gearbeiteten Instrumente zeigen eine 
sparsame und einfache künstlerische und 
ornamentale Gestaltung. Das zweifellos von 
den bekannten früheste Stück in Chicago 
7 eben jenes mit der merkwürdigen 
Datierung (Abb. 7) - ist im Gestell, den 
Schrauben und dem Lot mit plastisch aus- 
gearbeiteten Ornamenten verziert. Die an- 
deren Objekte sind graviert. Zwei Gruppen 
lassen sich durch die Ornamentik unter- 
scheiden: erst eine nüchterne, einfache 
Gruppe, die sich fast nur auf die gravierte 
Beschriftung als Bezilferung beschränkt, für 
die die Münchner Sternuhr charakteristisch 
ist (Abb. 9). Daneben weiter eine Gruppe 
mit reicher, fioraler, gravierter Ornarnentik, 
wie die Reisesonnenuhr in Oxford (Abb. 10), 
eine Kalenderscheibe des Adler-Museums 
in Chicago (Abb. 11) und eine Reisesonnen- 
uhr in Brüssel. jeweils eine Mittelrosette 
mit einer stilisierten Blattreihe auf den 
Rändern der Kreisscheiben ist für diese 
Gruppe charakteristisch. Daraus ergibt sich 
eine Datierungsmöglichkeit für die Wiener 
Armillarsphaere. Denn die einfach gehaltene 
Münchener Sternuhr ist mit „Halle Anno 
1705" bezeichnet, wogegen die Oxforder 
Reisesonnenuhr mit dem floralen Orna- 
ment die Darierung „1716" trägt. Die 
völlig einfach gehaltene Wiener Armillar- 
Sphäre (Abb. I) scheint im Vergleich eher 
der Münchener Sternuhr nahezusrehen, 
woraus eine Datierung in das erste jahr- 
zehnt des 18. Jahrhunderts resultiert. Auch 
die Tierkreissymbole wie die ZiEern stim- 
men bei den beiden Instrumenten am ehe- 
sten überein. Die mit Horaler Ornamentik 
verzierten Instrumente der späteren Gruppe 
lassen sich mit anderen deutschen astrono- 
mischen Instrumentcn des frühen 18. Jahr- 
hunderts gut vergleichen und Weisen in 
diesem Vergleich eine sehr gute Qualität 
auf. Im Vergleich mit französischen oder 
italienischen Objekten der gleichen Zeit sind 
sie alle in der Ornamentik wesentlich spar- 
samer. 
Außer den bereits genannten Objekten 
tragen Schindlers Instrumente weder eine 
Datierung noch eine Ortsbezeichnung. 
Dadurch gewinnt das Wiener Stück durch 
die Aufschrift „a Vien" eine besondere 
Bedeutung. Durch sie ist dieser sonst eben 
nur aus Halle bekannte, exakt arbeitende 
und sicherlich bedeutende Mechanicus für 
eine Tätigkeit in Wien nachgewiesen, 
welche bisher leider aus dem Archivmaterial 
nicht bestätigt werden konnte. Darüber 
hinaus ist dieses Objekt von besonderer 
Bedeutung, da es die einzig bekannte 
Armillarsphaere Schindlers ist, der sonst 
wohl zur Hauptsache Sonnenuhren an- 
fertigte. Nun ist eine Armillarsphaere an 
sich schon ein wesentlich aufwendigeres 
Instrument als eine Sonnenuhr oder eine 
Kalenderscheibe und damit sicher eine 
besondere Leistung im Werk eines Mecha- 
nicus. Das ist auch in diesem Falle, trotz 
sparsamer Ornamentik und mancher Be- 
schädigungen und fragmenrarischer Er- 
halrung zu erkennen 17. 
Allgemein gesehen stellt die Armillar- 
sphaere aber eine besondere Gattung unter 
den astronomischen Instrumenten dar, Weil 
sie nicht der Beobachtung von Naturvor- 
gängen dient, sondern der Darstellung und 
Erfassung gewonnener Beobachtungen. Da- 
her ist sie Wissenschaftlich ein Lehrbehelf, 
der die Summe der Erkenntnisse repräa 
senticrt. Vielleicht gerade deswegen gibt es 
Armillarsphaeren - wie etwa die des 
Euphrosius Vulparia im Österreichischen 
Museum für angewandte Kunst w, die mit 
besonderer künstlerischer Prächtigkeit ge- 
staltet sind. Wenn wir auch i wie ein- 
gangs erwähnt W diese Instrumente in der 
Literatur bis in den Hellenismus zurück 
nachweisen können, so kennen wir ab- 
gebildete und erschaffene Objekte erst seit 
dem 15. Jahrhundert. Die früheste be- 
kannte Darstellung ist auf einem Tafelbild 
des Giovanni dal Ponte (1376i1437) ge- 
geben, auf dem die „Astr0nomie" eine 
Armillarsphaere in der Hand hält (Abb. 12). 
Am Ulmer Chorgestühl des Jörg Syrlin 
(146571471) ist eine Armillarsphaere dem 
geschnitzten Bild des Ptolomäus in die Hand 
gegeben, wodurch die literarische Tradition 
erhärtet wird. Die älteste wissenschaftliche 
Abbildung findet sich in einem Instrumenten- 
buch des Jahres 1483; das älteste erhaltene 
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