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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 103)

rung mittels farbiger Kunststoffquader 
(unser Bild) auch in größere Dimen- 
sionen fortführen kann. 
Goeschl „bestreitet mit seinen Fremd- 
körpern den professionellen Raum- 
planern und Kulissenschiebern die 
privilegierte Position", schreibt Werner 
Hofmann in seinem diskutierenswerten 
Katalogvorwort. Goeschls Objekte sind 
auf die Zerstörung gängiger Raum- 
konventionen gerichtet. Sie sind als 
fonwährender Prozeß anzusehen, der 
den mitvollziehenden Betrachter be- 
nötigt (Abb. 4. 5). 
Galerie nächst St. Stephan - 
Ars Porzellans. Erwin Thorn 
Die unter dem Titel ,.ars porzellana" 
im Kölner Kunstverein bereits im Vor- 
jahr präsentierte RosenthaI-ReIief- 
Reihe wurde von der Galerie nächst 
St. Stephan nach Wien geholt. Be- 
rühmte Bildhauer und Maler, unter 
ihnen Moore, Fontana. Pomodoro, 
Mavignier, Pasmore, Wotruba und 
Avramidis, haben auf Anregung von 
Arnold Bode Gipsmodelle hergestellt. 
die für Auflagen von Porzellanplasti- 
ken und Reliefs in der Höhe von 
50 bis 100 Stück als Vorlagen dien- 
ten. 
Die Idee einer ars multiplicata in 
Porzellan analog zu Graphik-Editionen 
hat grundsätzlich vieles für sich. Die 
Ergebnisse, die bisher erzielt wurden. 
enttäuschen jedoch fast in jedem 
Fall. Sie werfen darüber hinaus die 
grundsätzliche Frage nach Adäquanz 
von Material und Technik im Hinblick 
auf den bildnerischen Entwurf und 
die gewollte Auflagenhöhe auf. Wollte 
man nämlich mit Konsequenz eine 
breite Streuung erreichen, so dürfte 
man erst gar nicht mit derartigen 
Exklusivserien beginnen, die viel zu 
teuer sind und sich gegenwärtig 
bestenfalls an den Snob-Appeal be- 
stimmter Käuferschichten wenden. 
Reproduzierte Porzellan-Reliefs, die 
ähnlich viel kosten wie kleine Original- 
bronzen (1000 bis 10000 Mark; der 
letzte Preis gilt für ein großes Wand- 
relief von Vasarely), sind einfach ein 
Unding, das der Verbreitung in- 
dustriell vervielfältigter Kunst ent- 
gegensteht. 
Die Schau, in die von der ambitionier- 
ten Firma zweifellos viel investiert 
wurde, enttäuschte jedoch auch des- 
halb. weil sich nur wenige der ein- 
geladenen Künstler mit den materiel- 
len Möglichkeiten des Porzellans 
wirklich ernsthaft auseinandersetzten 
und dementsprechende Modelle er- 
stellten. Aus diesem Grund sind z. B. 
die Arbeiten von Grieshaber, Wotruba, 
Uecker und Karl Hartung total da- 
nebengegangen. Die Resultate, die 
ein Pomodoro, Fontana. Vasarely und 
Ris erreichten, zeigen ihnen gegen- 
über größere künstlerische Selb- 
ständigkeit und Adäquanz. 
Die Flexibilität, mit der die Wiener 
Galerie nächst St. Stephan die neu- 
esten Tendenzen bildnerischen Ge- 
schehens aufzeigt und unbeschadet 
ihrer notwendigen Widersprüchlich- 
keit zur Diskussion stellt, sichert ihr 
ihren führenden Rang als Experimen- 
tierfeld der Avantgarde. Nach „ars 
porzellana" und einer Mini-Show der 
Architekten-Cooperative ..Himmel- 
blau" zeigte die Galerie Arbeiten des 
1930 geborenen Wieners Erwin Thorn. 
Thorn, den man nicht ganz zutreffend, 
aber gerade noch als Plastiker be- 
zeichnen kann, schob sich mit 
dieser Schau baspannter Leinwand- 
Acryllc-Reliefs und „Lichtsäulen" kom- 
pakt in die immer stärker und viel- 
fältiger werdende Phalanx junger 
österreichischer Plastiker und Objekt- 
hersteller. Seine in ihrer Grundhaltung 
kontemplativen. doch nichtsdesto- 
weniger den Betrachter intensiv be- 
schäftigenden Arbeiten waren bereits 
wiederholt auf wichtigen Auslands- 
ausstellungen zu sehen. In Österreich 
trat Thorn bisher nur sporadisch in 
50 
Erscheinung (zuletzt 1968 in einer 
Gruppenschau im Museum des 
20. Jahrhunderts) und ist daher einem 
breiteren Publikum auch nicht be- 
kannt. 
Thorns Arbeiten konfrontieren mit 
einem sehr überlegten formalen Vor- 
gehen, dem langjährige, etappenweise 
gewonnene Erfahrungen und Er- 
kenntnisse zugrunde liegen. Eine 
geistige Verwandtschaft zu dem Ita- 
Iiener Fontana ist dabei nicht von 
der Hand zu weisen, was z. B. ein 
frühes monochrom weißes Strukturen- 
bild zeigt. das seinerseits wiederum 
eine gewisse Bindung zur Strukturen- 
malerei des in Paris lebenden Kärnt- 
ners Bischofshausen erkennen Iäßt. 
Erwin Thorn besitzt ein ausgeprägtes 
Gefühl für die reinen Werte von Form 
und Material. für den notwendigen 
Spannungsgrad von Raumbeanspru- 
chung, Akzentuierung von Objekten 
(bei neueren Arbeiten auch mittels 
Farben) und Raumverzicht, der bei 
jedem plastischen Relief oder Objekt 
Maß und Profil bestimmt und über 
die formale Relevanz befindet. Daß 
man an Thorn in Zukunft nicht wird 
vorbeigehen können, scheint durch 
diese Ausstellung jedenfalls bestä- 
tigt (Abb. e). 
Galerie Würthle s Rudolf Hradil 
Obwohl er in der Bundeshauptstadt 
studierte (1947-1951) und Mitglied 
der Wiener Secession ist, hatte der 
Salzburger Rudolf Hradil in Wien bis- 
her keine einzige Einzelausstellung. 
Zagreb, einige deutsche Städte (dar- 
unter Stuttgart und Frankfurt) und 
seine Heimatstadt Salzburg, wo sich 
vor allem die Galerie Welz seines 
Schaffens annahm, sahen bereits 
Kollektiven des sensiblen Zeichners 
und Aquarellisten, dessen bevorzugte 
Themen Stadtarchitekturen und -land- 
schalten sind. 
Hradil, der im Februar bei Würthle 
Arbeiten aus den letzten drei Jahren 
zeigte, ist in erster Linie Zeichner und 
Druckgraphiker. Auch seine Aqua- 
relle. denen man freilich nicht subtile 
Wertigkeiten absprechen kann, leben 
vom zeichnerischen Gerüst und seinen 
Spannungsmomenten, auch wenn 
dieses oft nur noch andeutungsweise 
in Erscheinung tritt und vom farbigen 
Geschehen überdeckt wird. 
Hradils Kunst (sie läßt sich in man- 
chem mit Arbeiten von Moldovan, 
Kubovsky, Alfred Karger und Wolfram 
Dachauer vergleichen) nimmt heute 
eine Stellung ein, die sich als konser- 
vative Mitte bezeichnen läßt, jedoch 
- fernab von peniblem Realismus - 
der freien schöpferischen Entfaltung 
genügend individuellen Spielraum ge- 
währt. 
Qualitativ zeigte die 56 Werke um- 
fassende Exposition in der Galerie 
Würthle ein unterschiedliches Bild. 
Profil erhielt die Ausstellung vor 
allern durch einige der jüngst ent- 
standenen Radierungen, unter denen 
so hervorragende Blätter wie nPietons" 
und .,Fabrik" anzutreffen waren. Hradil 
erweist sich hier nicht nur als sicherer 
Zeichner, sondern auch als Druck- 
graphiker von Rang. der adäquat die 
Möglichkeiten des gewählten Ver- 
fahrens nützt und in dieser Technik 
echte Chancen einer interessanten 
Weiterentwicklung besitzt. 
Seine zumeist in gedämpften Farben 
gehaltenen Aquarelle haben viel Atmo- 
sphäre und Stimmungsgehalt, ver- 
fügen anderseits aber auch zumindest 
in ihren besten Beispielen über den 
entsprechenden formalen Aufbau. der 
den kompositorisch notwendigen 
Spannungsausgleich schafft (Abb. 7). 
Galerie Griechenheisl - 
Andrew Molles 
Der 1907 in Middletown in Kalifornien 
geborene Maler Andrew Molles lebt 
seit 1955 in Wien. Er hat hier die 
pluralistische Entwicklung österrei- 
chischer Plastik, Malerei und Graphik 
mitverfolgen können, bezog allerdings 
zu ihr immer die Position eines Außen- 
seiters. 
Diese Stellung nimmt Molles auch 
heute noch ein, wenn auch in wesent- 
lich extremerer Weise als vor rund 
sechs bis acht Jahren, als seine 
Bilder noch dem abstrakten Expressio- 
nismus zuzuordnen waren. 
Was Molles in einer Einzelausstellung 
im Februar dieses Jahres im Griechen- 
beisl vorstellte, waren im wesentlichen 
Variationen über ein gleichbleibendes 
Gestaltungsprinzip, das trotz seiner 
geometrischen Grundstruktur übereine 
zusätzliche surreale Bildkomponente 
verfügt, die das Resultat perspekti- 
vischer Momente und stufenförmiger 
Farbmodulationen ist. 
Molles setzt seine primär in Blau- und 
Grautönen gehaltenen „lsometrischen 
Bilder" aus röhrenförmigen Elementen 
zusammen, trägt die Farbe jedoch 
nicht so exakt und fuglos auf wie die 
Vertreter der Op-Art und des Hard 
Edge. Das verleiht seinen oftmals 
symmetrischen Bildern zusätzlich zur 
gelegentlichen Perspektive das Flui- 
dum bewußt gesuchten subjektiven 
Duktus. Die Art der malerischen 
Durchführung spielt in seinen Werken 
daher eine entscheidendere Rolle als 
etwa Bildidee und Vorwurf. Sie be- 
findet auch maßgebend über Qualität 
und Aussage einzelner Arbeiten. 
Die Welt von Andrew Molles ist still, 
meditativ bestimmt, ja beinahe kalt. 
Sie hat etwas Grüblerisches, fast 
Klinisches an sich und verfügt über 
nüchterne Folgerichtigkeit. Dennoch 
scheinen seine neuen Bilder - wird 
doch hier puritanistische Malerei mit 
kaum überbietbarer Konsequenz__ be- 
trieben i eher ein klärendes Uber- 
gangsstadium zu sein als ein auf 
längere Sicht fixierter Endpunkt einer 
Entwicklung (Abb. 8). 
Galerie Stubenbastai - 
Hans Staudacher 
Zu einem großen Schnurziehen unter 
dem Motto "Staudacher beglückt 
jeden" lud der Wiener Maler und 
Graphiker Hans Staudacher aus An- 
Iaß der Eröffnung seinerjüngsten Aus- 
stellung in der Galerie auf der Stuben- 
bastei. Die Schau, zu der auch ein 
nelles, selbstverfertigtes Buch des 
Kunstlers unter dem Titel „Staudachers 
Phantastischer Makulaturismus" er- 
schien, folgte auf eine Kollektive von 
Aquarellen, Zeichnungen und Druck- 
graphiken Wolf Dieter Winiwarters. 
Zu gewinnen gab es hundert Originale 
des um werbewirksame Vernissage- 
ideen nie verlegenen Künstlers, dar- 
unter ein großformatiges Olbild und 
10 Handzeichnungen beziehungs- 
weise Gouachen. Kein Wunder, daß 
angesichts derartiger Gewinnmöglich- 
keiten ein Run auf die 100-SchiIling- 
Bons einsetzte und die handsignierten 
Originallose innerhalb kürzester Zeit 
vergriffen waren. 
"Staudachers weiße und bunte Wo- 
chen" - so lautete der offizielle Titel 
der attraktiven Schau - brachten 
allerdings nicht nur den Vernissage- 
gästen ungewöhnliche Angebote. In 
dichter Hängung warteten unter- 
schiedlichste Formate V Olbilder, 
Gouachen, Lithographien und Hand- 
zeichnungen - bis 22. Februar auf 
Käufer und Interessenten. Eine in 
ihrer Vielfalt außergewöhnliche, typi- 
sche Staudacher-Schau, der es nicht 
zuletzt auch um eine spezifische Akti- 
vierung der sehr einseitig ausgerich- 
teten Wiener Sammlerinteressen ging 
(Abb. 9). 
 
Atelier ..Sous Terrain" - 
Theo Braun l Ludwig Merwart 
40 neuen farbigen Eisenradierungen 
von Theo Braun und Ludwig Merwart 
galt die jüngste Ausstellung des 
Graphikateliers nSous Terrain". Ge- 
genüber früheren Perioden zei 
allem Brauns Werk (Olbilde 
Künstlers waren zur selben 2 
der Galerie Wittmann in Hietz 
sehen) eine immer stärker wei 
Tendenz zu klaren geometrisch- 
gen Formen, die gewisse Par 
zum härteren Hard Edge ur 
Zahlenornamentik eines Robe 
diana besitzen. Die Abstraktioni 
Ludwig Merwart verraten demg 
über noch eine engere Bindui 
strukturellen Malerei, obwohl ai 
zuletzt - und ebenso wie bei 
nicht immer in gleichem Mal 
friedigend v entscheidend die B 
des Action-Painting verlassen 
und gegenwärtig ebenfalls zu r 
ren, iibersichtlicheren formale 
sammenhängen tendieren. Er 
chend den kreativen Intention- 
Künstler wurden auch die ne 
Arbeiten (Plattengrößen bis Zl 
40 cm) auf der Basis von Muta 
in nur jeweils einem Exempl. 
druckt, was die variable Stellur 
Einfärbung der geätzten Stahl; 
zur Bedingung hat (Abb. 10). 
Peter 
Ausstellungskalender 
ALBERTINA: 
bis Z0, April 1969 
Jacques Callot (im Zyklus Kunst der ( 
14. Malz bis 4. Mai 1969 
Alfred Hrdlicka Druckgraphik und Ze 
12. Mai bis 2B. September 1969 
Herzog Albert von Sachsen-Tescril 
seine Kunstsammlung (zum 200. J 
der Albanina) 
GALERIE WELZ, SALZBURG: 
15. Janriar bis 9. Februar 1969 
Gedächtnisausstellurig Anton Steinhart 
12. Februar bis Z. Marz1969 
Horst Janssan: Graphik 
5. Marz bis 2B. ärz1969 
Rudolf Huber-Wilkoff: Mal-Collagen 
Z9. März bis 27. April 1969 
Paul Flora: Zeichnungen 
30. April bis ZZ. Mai 1969 
Gottfried Salzmann: Aquarelle und 
nungen 
lm Souterrain t Alois Riedl: Zeichnung 
24. Mai bis B. Juni 1989 
Egon Schiele, Aquarelle und Zeichnun 
unserer Facsimile Publikation 
11. Juni bis S. Juli 1969 
Ernst Eisanmayer: Bronzen und Eise 
turan 
STAATLICHE KUNSTSAMMLUNGEN 
DRESDEN 
bis 19. Jänrier1569 
ALBERTINUM 1 
Ludwig Kirchner und die Brücke (Zeichi 
Grafik, Aquarelle) 
bis Z. Malz 1969 
ALBERTINUM : 
Serbische Malerei zwischen den Wel 
(aus dem Naiionalmuseum Beograd) 
12. Februar bis 30. März 1969 
ALBERTINUMZ 
Der Bergarbeitermaler Willibald Mayerl 
 
rai) 
12. Februar bis 30. Marz1969 
ALBERTINUM : 
Dresden gestern - heute. Werke vo 
Hassebrauk anlaßlich des 19. Jahresta 
Zerstörung Dresdens 
Z. Jännar bis 30. April 1969 
ALBERTINUM : 
Französische Grafik von Gericault bis 
Z. Jänner bis 27. Februar 1969 
KUPFERSTICHKABINETT: 
Hermann Glocknar (Grafik) 
1. Malz bis 30. April 1969 
KUPFERSTICHKABINETTI 
Dresdner Zeiqhriungen 1550-1650 
13. Februar bis 30. April 1969 
MUSEUM FUR VOLKSKUNST: 
Erleben - Sehen A Gestalten. Ausstelli 
Kindararbeiien 
MUSEUM FUR KUNST UND GEWER 
HAMBURG 1 
bis 5. Jänner 1969 
Kunst der Konditoren - Back- und Zuc 
aus fiinl Jahrhunderten 
1B. Jänner bis 11. Malz 1969 
Erwerbungen 1968 - Skulptur, ange 
Kunst, Graphik 
18. Jannar bis 23. März 1969 
rbsanthal relief reihe i Arbeiten vor 
midis, Fontana. Haidu, Mavigriier, 
Pomodoro, Saitz, Vasarely, Wotruba u. 
MUSEUM DES KUNSTHANDWERKS 
LEIPZIG - GRASSIMUSEUM: 
2. März bis 30. April 1969 
Sondaischau: Keramik - Walter GebaKein Volltext zu diesem Bild verfügbar.
	        
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