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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 105)

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ungemein delikaten, virtuosen Malerei. Mit 
sehr großer Wahrscheinlichkeit ist das Bild 
identisch mit dem Gemälde, das Dürer 1520 
in die Niederlande mitnahm und in Mecheln 
der Erzherzogin Margarcthc, Maximilians 
Tochter, zeigte, die es jedoch nicht haben 
wollte. Die weiteren Schicksale des Bildes 
sind nicht voll geklärt; erst 1782 ist es in 
der Kaiserlichen Galerie im Belvedere sicher 
nachzuweisen. Das Bildnis ist in der soliden 
Technik der Tafelmalerei auf Lindenholz 
gemalt und im ganzen von ausgezeichneter 
Erhaltung. 
Steigerung durch Verzicht - das ist die 
eine Grundtendenz gegenüber der Nürn- 
berger Fassung. Um nur flüchtig aufzue 
zählen: Der Bildausschnitt ist straffer ge- 
faßt, die Gestalt nur bis zum Ellbogen, bis 
zu den Hüften ins Bild genommen. Der 
kaiserliche Purpurmantel beherrscht nun 
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nicht mehr das Bild; der ganze breite, die 
Schultern, die Brust deckende Kragen- 
umschlag ist nun unaufdringliches, aber 
feines, weiches, kostbares Pelzwerk, mildes 
Braun in großen Formen, aus dem das Rot 
nur mehr in den Ärmeln in sehr beschränk- 
ter, aber um so noblerer Weise Wirksam 
werden darf. Das Goldene Vlies ist dem 
Kaiser von den Schultern genommen. Das 
in seiner Größe sehr reduzierte Wappen- 
emblem ist, in die obere Ecke gerückt, aus 
dem Bereich des Gesichtes entfernt, so daß 
nun dieses Haupt, die Gestalt in voller 
Freiheit vor dem schönen grünen Hinter- 
grund sich entfalten kann. Die schon in der 
Zeichnung als kleine Kreisform angedeu- 
tete Goldemailagraflc am Barett mit dem 
Bild der Mutter Gottes ist schließlich das 
einzige Schmuckstück der kaiserlichen Ma- 
jestät. 
Die andere Tendenz, die Dürers Arbeit an 
diesem Bildnis bestimmt und mit den Rang 
seiner Schöpfung begründet, ist die weitere 
Abklärung der Naturaufnahme. Man darf 
sich die Mühe nicht schenken, genau zu- 
zusehen und Linie für Linie, Zug für Zug 
zu vergleichen. Wiederum sind die Haupt- 
konturen aus der Zeichnung mittels Pause 
auf die Tafel übertragen. Mühelos sind diese 
durchgepausten Linien in dieser zu erken- 
nen. Wiederum sind es die in der Zeichnung 
so messerscharf herausgezeichneten (durch- 
gezeichneten) Umrisse, die in Zeichnung 
und Bildtafel genau sich decken. Die Zeich- 
nung bleibt also bis zum Ende die funda- 
mentale Grundlage, auf die jedes neue Werk 
zurückgreift. Dennoch, die Änderungen 
sind beträchtlich, viel wesentlicher als es 
aufden ersten Blick scheint. Die Nase, deren 
Rückenlinie haarscharf aus der Zeichnung 
entnommen ist, wird dadurch im Ausdruck 
modifiziert, daß der Nasenflügel, das Nasen- 
loch leicht gehoben wurde, so daß bei 
kaum merklichem Herausdrehen eine flüssi- 
gere mildere Eingliederung bewerkstelligt 
wird. Das Auge ist nicht nur im ganzen 
größer (ähnlich wie im Holzschnitt), es wird 
7 gegenüber der Zeichnung - auch etwas 
weiter von der Nase abgeriickt; das Augen- 
lid, an dem man die feinen Härchen der 
Wimpern sieht, wölbt sich in großer, schö- 
ner Rundung über den Augapfel, senkt sich 
etwas stärker über den schmalen Schlitz; 
die Iris, sowohl in der Zeichnung als auch 
im Holzschnitt nur vom oberen Lid über- 
schnitten, über dem Bogen des Unterlids 
aber frei sichtbar, wird jetzt auch von die- 
sern angeschnitten, wodurch der Blick sich 
etwas senkt, im Unbestimmten sich verliert 
und der Ausdruck etwas Sinnendcs, fast 
Träumerisches, eine Spur von Weltferne er- 
hält. Sehr bedeutend sind schließlich (ähn- 
lich dem Holzschnitt) die Augenbrauen hin- 
aufgeschoben und kräftig durchgeführt. Der 
Mund ist in engstem Anschluß an die Zeich- 
nung durchgearbeitet, mit all der Feinheit, 
mit all der so genau beobachteten Lebendig- 
keit im kleinen durchgestaltet. Die spar- 
samen Weißhöhungen der Zeichnung bieten 
dem Maler die Anregung für das so feine 
Absetzen der leicht geschürzten Oberlippe 
mit einem hellen Rand, für das zart Vor- 
quellende der Unterlippe. Die Lippen ölfnen 
sich wieder genau gleich wie in der Zeich- 
nung, aber der Mundwinkel verläuft jetzt 
ohne Absetzen, flüssig in die weiche Falte. 
Gegen die momentane Bewegtheit der Na- 
turaufnahme ist ein bleibender Ausdruck 
von hoheirsvollem Ernst eingetauscht. Be- 
sonders großartig ist das Weiche, Schlafle 
der Kinnpartie, der Wange ins „Malerische" 
der Tafel übertragen, übersetzt. Heute fin- 
den sich im Albertina-Blatt außer der Auf- 
lockerung der Kontur an dieser Stelle nur 
spärliche Andeutungen; vielleicht bot die 
Zeichnung ursprünglich mehr Detailarbeit. 
Mit einem richtigen Verismus werden diese 
Spuren des Alters registriert, verarbeitet, 
sogar die Schlagader am Hals wird im Ge- 
mälde eingetragen. Man könnte sich schon 
denken, daß „Frau Margret", die ihren 
kaiserlichen Vater damals schon viele Jahre
	        

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