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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 105)

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gesims umschlossen nur den vorspringen- 
den Teil dieses Pfeilers). Natürlich konnte 
es sich nicht um sehr hohe Baukörper 
handeln, da sonst die lickbaldachine und 
vor allem der scchscckige Dachreiter nicht 
mehr recht zur Wirkung gekommen wären. 
Fanadenrinre 220 und 12 
Diese Risse zeigen einen dreijochigen Kapel- 
lenbau mit einem östlich anschließenden 
originellen Chörlein. Über allen vier Ecken 
des Rechteckraumes sind Baldachine auf- 
gebaut, über dem Westgiebel außerdem ein 
sechseckiger Dachreiter mit reichster Glie- 
derung der Übercckstellung. Dieser Dach- 
reiter ist nur auf Riß 12 dargestellt. Die 
nach vorn (West) votspringende ECkHale 
des Dachreiters ist zunächst durch eine 
Konsole abgefangen, unter der noch eine 
schmale Lisene bis zum Galeriegesims 
herabgeführt ist. Der Westgiebel der Ka- 
pelle sollte wohl sichtbar sein, nicht da- 
gegen die darunterliegende WandHäche. 
Der Dachürst ist nicht eingetragen, aber 
sehr leicht zu ergänzen, da rechts vom 
Giebel f wohl zum Austragen für die 
Anschnitte der Dachreiterfialen - die 
Dachneigung angegeben ist. Die Strebe- 
pfeiler sind in ganz ähnlicher Form durch 
Figurenbaldachinc mit bekrönendem Fialen- 
schmuck verziert wie die senkrechten Glie- 
derungen im 1. und ZObergesChQB des 
Fassadenrisses Nr. 21. Die Dachgalerie ent- 
spricht in ihrem Aufbau ebenfalls durch- 
aus derjenigen des Fassadenrisses. Ganz 
ähnlich sind auch die Überlagerungen der 
Spitzbogenfenster durch Kielbogen ausge- 
fallen. In jedem Bogenzwickel ist ein 
schräggestelltes Wappenschild eingefügt. 
Ein weiteres Wappen ist über dem Scheitel 
der kleinen Pforte zu sehen, die im west- 
lichen Feld in den Raum führt. Der Haupt- 
zugang in diese reiche Kapelle dürfte diese 
Tür jedoch kaum gewesen sein. Ein auf- 
fallendes Symptom ist, claß Weder die 
westliche Strebe noch die Westwand unter- 
halb des Giebels gegliedert ist. Hier muß 
die Kapelle an einem anderen Baukörper 
angeschlossen haben. 
liegen, in dieselbe Bildebene projiziert - 
z. B. die untere Pforte im Südwesten in den 
darübcrlicgenden Fensterschnitt. 
Auffallend ist, daß keine Wendeltreppe 
vom Erdgeschoß zur Empore führt. Wir 
müssen uns also den Zugang zu dieser 
wohl vom Obergeschoß eines Baukörpers 
im Norden (bzw. im Westen?) denken. Daß 
wir uns im Westen wie im Norden der 
Kapelle Anbauten denken müssen, beweist 
die eindeutig in der Zeichnung zu erken- 
nende Verlängerung der unteren (süd- 
lichen) Begrenzung der Nordwand in 
westlicher Richtung. Doch können wir 
weder an der Westwand noch an der Nord- 
wand weitere Anschlüsse von Querwänden 
feststellen. Dies braucht aber durchaus 
nicht gegen cinc Annahme von Anschlnß- 
mauern zu sprechen, da man beim gotischen 
Bauriß wohl die Abschlüsse von Mauern 
des dargestellten Bauteils der örtlichen 
Situation entsprechend darstellte, nie da- 
gegen Mauern anderer Objekte in eine Re- 
lation zu einer Neuplanung setzte. Ein 
interessantes Symptom ist beim Grundriß 
12 R die Tatsache, daß die Nordwestecke 
des Bauwerkes nicht geschlossen ist. Die 
äußere Linie der Nordwand bricht links 
von dem Türgewände vielmehr ganz un- 
vermittelt ab. Diese Untersuchung beweist, 
daß sich an die Nordseite der Kapelle mit 
Sicherheit ein Baukörper mit Zwischen- 
wänden anschloß. 
Ob hingegen auch im Westen ein Bau- 
körper folgte, ist weniger sicher. Dafür 
spricht das völlige Fehlen von Gliederun- 
gen an der Kapellenwestwand und am süd- 
westlichen Strebepfeiler (Sockel und Kaff- 
SCHLUSSFOLGERUNG 
Die stilistische, zeichentechnische und bau- 
technische Analyse dcr „RathausWRisse 
21[21 R und 283 R sowie der Kapellenrisse 
220 (12) und 12R hat zu dem Ergebnis 
geführt, daß auf diesen Rissen bei allen 
Details der Gestaltung von Einzelformen 
fast völlige Übereinstimmung herrscht. 
Ohne Zweifel gehen diese Risse auf den- 
selben Zeichner und auf dieselbe Zeit zu- 
rück. Die auffallenden Parallelen in der 
Gestaltung lassen sogar die Frage als be- 
rechtigt erscheinen, 0b die auf diesen Rissen 
dargestellten Bauten nicht in irgendeinem 
unmittelbaren näheren Zusammenhang stana 
den. Beide Bauten haben offene Ansehluß- 
stellen: der Fassadenentwurf nach rechts, 
der Kapellcnentwurf nach links unterhalb 
des Dachgesimses (Vordach?) bzw. an 
seiner oberen Seite. An der Rückfront des 
Fassadenplangrundrisses führte eine Mauer 
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